Vereiteltes Attentat

Flugzeug-Anschlag bringt Obama ins Schlingern

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Katharina Schäder

Foto: dpa

Fast wäre es einem Terroristen gelungen, ein US-Flugzeug zu sprengen. Das Attentat legt schwerwiegende Sicherheitslücken offen. Für Präsident Obama ist der Vorfall ein schmerzhafter Querschläger. Er bringt die Schließung von Guantánamo in Gefahr und könnte die USA zu einer härteren Nahost-Politik zwingen.

Das Attentat auf einen US-Flieger am ersten Weihnachtstag ist al-Qaida misslungen. Doch den US-Präsidenten hat der vereitelte Anschlag von Detroit heftig ins Schlingern gebracht.

Zunächst kam von dem derzeit auf Hawaii urlaubenden Präsidenten keine persönliche Reaktion – was ihm heftige Kritik seitens der Republikaner einbrachte. Erst am Montag kündigte Obama an, seine Regierung werde „nicht ruhen“, bis alle Verantwortlichen gefunden seien.

Sein Team wies den Vorwurf von sich, dass es auf US-Seite Versäumnisse gegeben habe – und wurde, nachdem durchsickerte, dass selbst die Familie des Attentäters vor diesem gewarnt hatte, von ihrem Chef korrigiert.

Es habe „potenziell katastrophale“ Sicherheitslücken gegeben, wandte sich Obama an die Öffentlichkeit und warf den Geheimdiensten „eine Mischung aus menschlichem und systemischem Versagen“ vor.

Obama habe mit seinen beiden Statements mehr Verantwortungsbewusstsein bewiesen als sein Amtsvorgänger George W. Bush vor acht Jahren, schreibt dazu der US-Meinungs-Blog „Politico“( hier ). Damals hatte der so genannte Schuh-Bomber Richard Reid am 22. Dezember 2001 versucht, eine Bombe auf einem Flug von Paris nach Miami zu zünden. Bush habe ganze sechs Tage verstreichen lassen, bis er sich dazu überhaupt geäußert habe.

Doch Bush hatte sich bereits zuvor, nach den Anschlägen vom 11. September 2001, als Hardliner gegeben. “Die Vereinigten Staaten werden die Verantwortlichen dieser feigen Handlungen jagen und bestrafen“, kündigte Bush am Tag der Anschläge an ( hier ) – und prägte damit die restliche Politik seiner Präsidentschaft.

Alle Beteiligten müssten gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden, sagte nun Obama in seiner ersten Stellungnahme zu dem Anschlagsversuch, „wir werden weiter alle Mittel nutzen, um die Extremisten zu stören, zu zerstören und zu besiegen“. Das könnte ebenso aus Bushs Mund stammen, genau wie die Ankündigung, dabei sei es egal, ob die Extremisten „aus Afghanistan oder Pakistan, dem Jemen oder Somalia“ Angriffe planten.

Doch Obama wurde von vielen eben genau deshalb gewählt, weil er der Gegenentwurf zu Bush ist. Das gescheiterte Attentat, und der Druck, auf dieses mit der angemessenen Härte zu reagieren, bringt ihn deshalb so sehr in Bedrängnis.

Sein großes Wahlversprechen, die Auflösung des US-Gefangenenlagers Guantánamo auf Kuba, ist durch das Attentat zumindest in Frage gestellt. Zwei der Drahtzieher des Anschlags waren Guantánamo-Häftlinge. Sie wurden während der Amtszeit Präsident Bushs in den Jemen entlassen.

Aktuell ist die Übergabe von sechs Insassen an die jemenitische Regierung geplant. Dies bezeichneten die Senatoren John McCain, Lindsey Graham und Joseph Lieberman nun als "höchst unklug und schlecht überlegt“.

Sie forderten Obama auf, die Ausweisung solange auszusetzen, bis die Sicherheitslage im Jemen garantiert werden könne. Die Männer seien wegen ihrer Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida eine „Bedrohung“ für die Vereinigten Staaten, schrieben die beiden republikanischen und der unabhängige Senator in einem Brief.

Und es geht nicht allein um die sechs Männer. Denn knapp die Hälfte der 198 Gefangenen, die zurzeit noch in Guantánamo festgehalten werden, stammen aus dem Jemen. Dort, das gibt auch die Regierung in Sanaa zu, halten sich schon jetzt bis zu 300 Al-Qaida-Kämpfer auf und planen möglicherweise neue Anschläge.

Außenminister Abu Bakr al-Kurbi rief in der BBC daher die westlichen Länder auf, den Jemen durch die Ausbildung von Sicherheitskräften im Kampf gegen die Islamisten zu unterstützen. Laut dem TV-Sender CNN kundschaftet das US-Militär bereits Al-Qaida-Stellungen für mögliche Angriffe aus.

In Zusammenarbeit mit jemenitischen Behörden würden infragekommende Ziele überprüft, berichtete der US-Sender unter Berufung auf zwei namentlich nicht genannte Regierungsbeamte. Man wolle vorbereitet sein und Optionen vorlegen können, falls Präsident Obama einen solchen Angriff befehle, hieß es.

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