"Die Ungleichheit der Geschlechter ist in vielen Kulturen noch weit verbreitet und tief verwurzelt“, heißt es im Weltbevölkerungsbericht 2008, der vom UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA), der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) und Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) in Berlin vorgestellt wurde.
Der Bericht wird einmal pro Jahr vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) veröffentlicht. Laut Bericht zählt die Weltbevölkerung derzeit 6,7 Milliarden Menschen. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau von heute statistisch 2,55 Kindern bis 2050 auf 2,1 Kinder sinkt. Die Weltbevölkerung würde bis 2050 auf 9,2 Milliarden Euro anwachsen.
Der Bericht beklagt eine anhaltende Diskriminierung von Frauen vor allem in Entwicklungsländern. Deutliches Beispiel seien der schlechtere Zugang zur Bildung und Genitalverstümmelungen. Entgegen internationaler Abkommen würden jährlich rund drei Millionen Mädchen beschnitten, insgesamt seien weltweit bis zu 140 Millionen Mädchen und Frauen von Genitalverstümmelung betroffen. Auch HIV ist zunehmend ein weibliches Problem: In Afrika südlich der Sahara seien über 59 Prozent der HIV-Infizierten Frauen. Junge Frauen zwischen 15 und 24 Jahren hätten dort ein drei Mal höheres Infektionsrisiko als Männer der gleichen Altersgruppe.
Mangelhafte Gesundheitsvorsorge
Laut UFPA-Bericht stirbt weltweit jede Minute an den Folgen einer Schwangerschaft oder Geburt. Das sind insgesamt im Jahr 536.000 Frauen, 99 Prozent von ihnen sterben in Entwicklungsländern. Diese Zahl sei seit den 1980er Jahren nahezu konstant geblieben. Nach Ansicht des UNFPA könnte eine bessere Gesundheitsversorgung die meisten dieser Todesfälle verhindern. Darüber hinaus ließe sich die Müttersterblichkeit um bis zu 35 Prozent senken, wenn Frauen einen besseren Zugang zu Familienplanungs-Maßnahmen hätten. Weltweit fehlten 200 Millionen Frauen der Zugang zu sicheren und wirksamen Verhütungsmitteln, auch hier seien kulturelle Vorbehalte ein Grund. Die DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr betonte, der Zugang zu Familienplanung und Aufklärung spiele eine zentrale Rolle in der Armutsbekämpfung. Kleineren Familien ginge es finanziell besser.
Der UNFPA plädierte darum für mehr „kultursensible Ansätze“ in der Entwicklungspolitik. Wichtig sei dabei die Zusammenarbeit mit lokalen, einflussreichen Meinungsbildern wie Stammesführern oder Klerikern. Die Diskriminierung von Frauen sei in vielen Kulturen tief verwurzelt und hemme nachhaltig die Entwicklung. Der Weltbevölkerungsbericht dokumentiert, dass Frauen überdurchschnittlich im Niedriglohnsektor vertreten sind und häufig weniger Geld für die gleiche Arbeit erhalten als Männer. Etwa 60 Prozent der ärmsten Milliarde der Weltbevölkerung sind laut Bericht Frauen und Mädchen. Von den 960 Millionen erwachsenen Analphabeten seien zwei Drittel Frauen. 70 Prozent der 130 Millionen Kinder ohne Schulbildung seien Mädchen. Selbst in hoch entwickelten Industriestaaten verdienten berufstätige Frauen normalerweise immer noch weniger Geld verdienen als Männer.
Kritik nach 90 Jahren Frauenwahlrecht
Zur gleichberechtigen Beteiligung von Frauen wurden heute auch in Deutschland kritische Stimmen laut. Anlass war die Einführungen des Frauenwahlrechts vor 90 Jahren. Bundestagsvizepräsdentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) würdigte die Einführung des Frauenwahlrechts vor 90 Jahren. Gleichwohl sei der heutige Frauenanteil von 32,1 Prozent im Bundestag „nicht genug“. Schließlich sei noch immer nicht mindestens jeder zweite Abgeordnetensitz von einer Frau besetzt. „So sollte es aber sein“, mahnte die Parlamentsvizepräsidentin. Margret Seemann (SPD), Gleichstellungsbeauftragte von Mecklenburg-Vorpommern, forderte die Frauen insbesondere auf, in der sich verstärkt zur Wahl zu stellen. Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern seien zum Beispiel nur 17 von 54 Abgeordneten weiblich.. „Es ist dringlicher denn je, dass noch mehr Frauen in der Politik mitmischen und unser Bundesland mitgestalten“, sagte Seemann. „Lassen Sie sich die Chance dazu nicht entgehen.“ Derzeit beginnen die Parteien mit der Aufstellung der Kandidaten für die Kommunalwahlen im Juni 2009.
Die Vorsitzende der Gruppe der Frauen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ingrid Fischbach, zog dagegen eine positive Bilanz nach 90 Jahren Wahlrecht für Frauen. Bereits direkt nach der Einführung des Wahlrechts, bei der Reichstagswahl 1919, habe eine überwältigende Mehrheit von 82 Prozent die Möglichkeit genutzt, ihre Stimme abzugeben. Sie hob besonders die Kanzlerschaft von Angela Merkel hervor, außerdem, dass aktuell sechs von 14 BUndesministerien von Frauen geführt werden. Fischbach sagte, dieser hohe Frauenanteil in der Regierung gebe Mädchen und Frauen ganz konkrete Möglichkeiten, zu erleben, wie Politik mitgestaltet und Verantwortung übernommen werden könne. Sie reagierte damit auch auf die Kritik von SPD-Europapolitikerin Lissy Gröner, die den mangelnden Frauenanteil auf der Ebene der Europäischen Union kritisiert hat und sagte, bis zur Gleichstellung in politischen und gesellschaftlichen Ämtern sei es noch ein weiter Weg.
Mit dpa/afp/ddp
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