Raniero Cantalamessa bedauert seine Worte von Karfreitag. Der Hausprediger von Papst Benedikt XVI. hatte die Angriffe auf die Kirche wegen des Missbrauchsskandals mit dem Antisemitismus verglichen. Er habe weder die Gefühle der Juden noch die der Opfer von Pädophilie verletzen wollen, sagte Cantalamessa der „Corriere della Sera“.

Entrüstet hatten Juden in mehreren Ländern protestiert, nachdem Cantalamessa in einer Karfreitagszeremonie in Rom aus dem Brief eines jüdischen Freundes zitiert hatte. Dieser namentlich nicht genannte Mann hatte sich nach Angaben des Predigers angesichts der Attacken auf den Papst und den Vatikan an Antisemitismus erinnert gefühlt.

Niemand habe vorher gewusst, auch der Papst nicht, dass er aus diesem Brief zitieren würde, erklärte Cantalamessa. Er habe die Worte des jüdischen Freundes als Solidarität mit Benedikt gewertet.

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi distanzierte am Karfreitag umgehend von den Äußerungen Cantalamessas. Er wies daraufhin, dass es seine private Meinung sei und kein offizielles Statement des Vatikans. "Ich glaube nicht, dass es ein angemessener Vergleich ist", sagte Lombardi der "New York Times". "Der Brief sollte als jüdische Solidaritätsbekundung verstanden werden".

Vertreter des Judentums reagierten empört auf die Äußerungen Cantalamessas, dessen Titel "Prediger des päpstlichen Hauses" lautet. „Schande über Pater Cantalamessa“, sagte Elan Steinberg von der Vereinigung amerikanischer Holocaust-Überlebender und ihrer Nachkommen am Karfreitag.

Der Vatikan habe das Recht, sich zu verteidigen, doch der Vergleich sei beleidigend und nicht nachvollziehbar. „Wir sind zutiefst enttäuscht“, sagte Steinberg.

dpa/Reuters/fas