Die beiden Terroranschläge in der Moskauer Metro am Montagmorgen sind nach Angaben des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von zwei Frauen verübt worden. Mindestens 35 Menschen wurden dabei getötet. Es wird befürchtet, dass sich die Zahl der Opfer weiter erhöhen könnte.
Die Behörden vermuten eine „kaukasische Spur“, berichtete Interfax unter Berufung auf einen Experten der Sicherheitsorgane. „Wir ziehen alle Möglichkeiten in Betracht, aber an erster Stelle steht zweifellos die kaukasische Spur“, sagte er.
In Frage kommen könnten theoretisch auch russische Rechtsextreme, die für die jüngsten Anschläge auf die zwischen Moskau und St. Petersburg verkehrende Schnellzüge verantwortlich gemacht werden.
Allerdings ist es zweifelhaft, ob sie über die entsprechende Organisationsstrukturen verfügen, die Anschläge im Zentrum der russischen Hauptstadt erlauben.
Sollte sich die Vermutung bestätigen, dass es sich bei den Selbstmordattentätern um Frauen handelt, wäre das die Rückkehr der so genannten schwarzen Witwen, wie die Smertnizy (Selbstmörderinnen) oder Schachidki (Märtyrerinnen) inzwischen genannt werden.
Erstmals verübten zwei Frauen am 7. Juni 2000 einen Selbstmordanschlag, als sie sich vor einer russischen Polizeistation in Tschetschenien in die Luft sprengten. Auch unter den Geiselnehmern im Moskauer Dubrowka-Theater im Oktober 2002 waren mehrere Frauen.
Ihre schwarze Gewandung prägte den Begriff „schwarze Witwen“, zumal es sich meist tatsächlich um Witwen oder um Frauen handelte, die männliche Angehörige der Familie im Kampf gegen das russische Militär verloren hatten.
Sie handeln aus Rache und Verzweiflung. Oft werden sie allerdings auch gegen ihren eigenen Willen zu Attentaten missbraucht, in der streng patriarchalisch geordneten tschetschenischen Gesellschaft haben sie sich den männlichen Familienmitgliedern unterzuordnen.
Die Sprengladungen, die sie am Körper tragen, werden meist ferngezündet. Bei den Moskauer Anschlägen wurden offenbar Mobiltelefone benutzt.
Der von Interfax zitierte Experte vermutet, dass es sich bei den beiden Anschlägen vom Montag um Racheakte des nordkaukasischen Untergrundes handeln könnte. Die russischen Sicherheitsorgane hatten in jüngster Zeit mit Ansor Astemirow, Salambek Achmadow und Abu Chaled wichtige Führungsfiguren getötet. In Inguschetien war dieser Tage eine Gruppe von 20 „Bojewiki“ erschossen worden.
„Die Explosionen könnten ein Racheakt seitens der Terroristen sein“, vermutete der er. Es sei als Signal zu verstehen, dass einer der Anschläge praktisch vor der Tür des Inlandsgeheimdienstes FSB verübt wurde.



