Jochen Koester bezeichnet sich selbst als einen „entschiedenen Gegner“ der Gentechnik. Das zeigt auch der kleine quadratische Button an seinem Revers: „Ohne Gentechnik“ steht in weißer Schrift auf grünem Grund.

Seine Firma Agrotrace mit Sitz in der Schweiz handelt mit Mischfutter, das garantiert weder Gen-Soja noch Gen-Mais enthält. Koester gehört zum Vorstand des neuen Verbands „Lebensmittel ohne Gentechnik“, der sich am Dienstag in Berlin gegründet hat.

„Wir wollen Wahlfreiheit für die Verbraucher“, sagt Koester im Gespräch mit Morgenpost Online. Aus Sorge vor möglichen Schäden für Umwelt und Gesundheit wächst derzeit die Nachfrage nach Lebensmitteln, die ohne Gentechnik produziert wurden.

Schon 2008 hatte die schwarz-rote Koalition daher eine Regelung für eine freiwillige Ohne-Gentechnik-Kennzeichnung verabschiedet. Im vergangenen August stellte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) das neue Logo „Ohne Gentechnik“ vor und kündigte an, die Vergabe des Logos rasch an einen Verein zu übertragen.

Die Kriterien für die Vergabe hat Aigner nun gemeinsam mit dem neuen Verband festgelegt – zum Ärger der FDP. So sind Bestandteile aus gentechnisch veränderten Pflanzen in Lebensmitteln nicht erlaubt. Auch zufällige oder technisch unvermeidbare Beimischungen von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) werden nicht toleriert.

Enzyme, die gentechnisch hergestellt wurden, dürfen nicht verwendet werden, wie etwa der Lab für Herstellung von Käse. Ebenso verboten sind Zusatzstoffe wie Vitamine, Aminosäuren oder Aromen, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen erzeugt wurden.

Auch für tierische Produkte gelten strenge Regeln. Je nach Tierart dürfen in einem „gesetzlich genau festgelegten Zeitraum vor der Gewinnung des Lebensmittels“ keine gentechnisch veränderten Futtermittel eingesetzt werden. Nur wenn diese Mindestdauer nicht unterschritten wird, dürfen Fleisch, Milch oder Eier das Logo „Ohne Gentechnik“ tragen.

Ausgenommen von dem Verbot sind lediglich Futtermittelzusatzstoffe sowie Tierarzneimittel und Impfstoffe, die mit gentechnischen Verfahren hergestellt wurden.

Zwar konnten Hersteller ihre Produkte auch bislang schon mit dem Schriftzug „ohne Gentechnik“ kennzeichnen. Das neue Logo soll nun aber für eine Vereinheitlichung sorgen und es den Verbrauchern erleichtern, entsprechende Lebensmittel zu erkennen.

Gen-Anbau bedeute „wenige Kulturpflanzen auf großen Flächen“, sagt Andreas Swoboda vom Handelsunternehmen Tegut. Mit dem Verzicht auf Gentechnik wolle Tegut dazu beitragen, eine nachhaltige Landwirtschaft mit einer großen Artenvielfalt zu erhalten.

Bislang sind 32 Unternehmen aus der Lebensmittelbranche in dem neuen Verband organisiert. Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderen Europas größte Molkerei Campina mit ihrer Marke Landliebe, der Geflügelfleischproduzent Stolle und die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall. Aber auch Nicht-Mitglieder können das Ohne-Gentechnik-Logo beantragen.

Die Ernährungsexpertin der FDP-Bundestagsfraktion, Christel Happach-Kasan, bezeichnet die Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ dagegen als „Verbrauchertäuschung“ und möchte das Logo so schnell wie möglich wieder einstampfen. Es sei eine große Irreführung, „wenn den Bürgern eingeredet wird, dass in Lebensmitteln generell auf Gentechnik verzichtet werden könne“. Happach-Kasan kritisierte, das Logo „Ohne Gentechnik“ sei ein Projekt der abgewählten großen Koalition, „was wir nicht unterstützt haben und auch nicht unterstützen wollen“.

Sie plädiert daher im Gegenteil für eine Positivkennzeichnung von Lebensmitteln, die mit Gentechnik in Berührung gekommen sind. Auch Aigner strebt eine europäische Vorschrift für Lebensmittelkennzeichnungen an, in denen die Inhalte aufgeführt werden. Dies werde voraussichtlich jedoch Jahre in Anspruch nehmen, sagte die CSU-Politikerin.