An großen Stunden hat es der Partei Die Linke und ihren Vorläuferorganisationen in den vergangenen Jahren nicht gemangelt. Im Sommer 2004 protestierte die damalige PDS mit "Montagsdemonstrationen" gegen die Reformen der Regierung Schröder, im Jahr darauf trat Oskar Lafontaine der neu gegründeten Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit (WASG) bei. Dann gelang der Linkspartei samt Kandidaten der WASG der Einzug in den Bundestag. Mit Pomp und Pathos beschlossen beide Parteien im Juni 2007 ihre Fusion; fortan nannte man sich Die Linke.
Der Siegeszug der Linken wirkte lange Zeit unaufhaltsam. Lafontaine – und nicht Guido Westerwelle – galt als der heimliche Oppositionsführer im Bundestag. Vor allem aber: Lafontaine schien zuweilen gar die SPD zu dirigieren und ebenso Teile der Union. Tief beeindruckt blickte die Koalition auf das Agieren der Linken.
Mit der Finanzkrise und der absehbaren Rezession aber hat Die Linke ihr Oberwasser verloren. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa für den "Stern" zufolge fiel Die Linke in dieser Woche bei der Sonntagsfrage auf eine Zustimmung von elf Prozent – das ist der geringste Wert des gesamten Jahres. Noch im Sommer gaben 14 Prozent der Befragten an, die Linke wählen zu wollen.
Ob das an der Führung der Partei liegt? Die flotten Sprüche Lafontaines jedenfalls sind weit weniger wahrnehmbar als noch vor Monaten. Seine Ko-Vorsitzenden an der Spitze von Partei und Fraktion, Lothar Bisky und Gregor Gysi, wirken ohnehin lustlos. Währenddessen verbuchen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der SPD-Kanzlerkandidat, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, bei den Anhängern der Linken eine beachtliche Reputation.
Bei einer Direktwahl des Bundeskanzlers würden 54 Prozent der Linken-Anhänger Steinmeier wählen und 22 Prozent Merkel. Nur jeder fünfte Wähler der Linken enthielte sich bei einer solchen Wahl der Stimme, wie das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap jüngst für ARD und
Morgenpost Online ONLINE ermittelte
. Gar vier von zehn Anhängern der Partei Die Linke bescheinigten Kanzlerin Merkel in dieser Umfrage, sie leiste "gute Arbeit" bei der Bewältigung der aktuellen Finanzkrise. Derlei Berichte dürften die Führung der Linken wenig amüsieren.
Hinzu kommen hausgemachte Probleme: Zwar gewinnt Die Linke Mitglieder; sie beziffert deren Zahl auf gut 76.000 derzeit. Geprägt durch die alte SED/PDS, ist die Mitgliedschaft jedoch massiv überaltert. Ein neues Phänomen tritt hinzu: Drei von vier neuen Mitgliedern sind Männer, der Frauenanteil der Partei sinkt damit erkennbar.
Die Nominierung des Schauspielers Peter Sodann als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten gilt ebenso als strategischer Missgriff. Weitgehend lustlos stellten Bisky, Gysi und Lafontaine den einstigen "Tatort"-Kommissar vor. Lafontaine musste damals, Mitte Oktober, seine lobenden Worte für Sodann vom Blatt ablesen. Dieser wiederum verkündete kurz nach seiner Nominierung, Deutschland sei keine "richtige Demokratie". Die Würde des Menschen werde hierzulande nicht ernst genommen, konstatierte Sodann und brachte sich um Sympathien.
Das Scheitern der hessischen rot-grünen Minderheitsregierung, deren Duldung Die Linke zugesagt hatte, verpasste ihr einen weiteren Dämpfer. Gleiches galt für den gescheiterten Einzug in den Bayerischen Landtag Ende September.
Ausgerechnet im kommenden Jahr könnte Die Linke jedoch wieder Boden gut machen. Das gilt weder für die hessische Landtagswahl im Januar noch die Wahl zum Europaparlament im Juni, in das die PDS schon 1999 und 2004 eingezogen war. Trotzdem könnte Die Linke im Laufe des Jahres 2009 zur Regierungspartei werden. Chancen dazu bestehen vor allem im Saarland, wo am 30.August ein neuer Landtag gewählt wird – und Lafontaine als Spitzenkandidat antritt. Einer Umfrage von Infratest Dimap für den Saarländischen Rundfunk prognostiziert der Linken 18 Prozent; sie läge damit hinter CDU (40 Prozent) und SPD (26 Prozent). Ohne Frage wäre ein 18-Prozent-Ergebnis an der Saar sensationell – wenngleich die Linke hier bei der Bundestagswahl 2005 bereits 18,5 Prozent geholt hatte.
Ebenfalls wird in Sachsen und Thüringen am 30.August gewählt. In Thüringen will der umtriebige Bodo Ramelow Landesvater werden. Die SPD aber schließt eine Koalition unter Führung der Linken aus.























