Der Sonderbeauftragte der katholischen Kirche für die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in Deutschland, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, hat schwere Versäumnisse der Kirche eingeräumt. Nach Einschätzung des Trierer Bischofs verhinderte falsche Rücksichtnahmen, dass die sexuellen Missbrauchsfälle schon wesentlich früher aufgeklärt wurden.
„Wir werden in diesem Jahr unsere Leitlinien überarbeitet und die Entschädigung geklärt haben“, kündigte der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche in Deutschland in der „Rhein-Zeitung“ an. Unterdessen mehren sich die Forderungen nach einer schnelleren und härteren Bestrafung der Täter bei Kindesmissbrauch.
„Da wo kein wirklicher Aufklärungswille vorhanden war und Täter einfach nur versetzt wurden, müssen wir in einer ganzen Reihe von Fällen gestehen, dass vertuscht worden ist“, sagte Ackermann. Die Schuldfrage sieht der Trierer Bischof indes weniger bei der Kirche als Institution. Schuldig seien vielmehr die Täter und ihre Vorgesetzten geworden, die ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden seien. Die Missbrauchsfälle könnten nun zügig aufgearbeitet werden.
Die finanzielle Unterstützung der Opfer bezeichnete Ackermann nur als einen Teil der Entschädigung. „Die Anerkennung des Unrechts muss diesen Menschen auch gerecht werden. Wir wollen uns nicht durch bestimmte Summen freikaufen“, sagte der 46-jährige Theologe. Zugleich verteidigte Ackermann Papst Benedikt XVI. gegen die Kritik, er habe kein klares Wort zu den Missbrauchsfällen in Deutschland gefunden.
„Man tut dem Papst Unrecht, wenn man den Eindruck erweckt, er wäre in dieser Frage nicht klar“, sagte Ackermann. Der Papst habe nach dem Gespräch mit dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, diesen in dem eingeschlagenen Weg der Aufklärung bestärkt.
Zuvor hatte der Vatikan sexuelle Übergriffe durch Geistliche erneut scharf verurteilt. Für Missbrauch durch Kleriker gebe es „keine Entschuldigung“, sagte der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Genfer UN-Organisationen, Erzbischof Silvano Maria Tomasi, Vatikanangaben zufolge beim Menschenrechtsrat. Auch der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, zeigte sich bestürzt über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche.
Der Vorsitzende der Kinderkommission des Deutschen Bundestages, Eckhard Pols (CDU), verlangte eine Verschärfung der Mindeststrafe für pädophile Täter sowie ein Frühwarnsystem in pädagogischen Einrichtungen. Die Mindeststrafe für sexuellen Kindesmissbrauch solle von sechs Monaten auf ein Jahr erhöht werden, sagte der CDU-Politiker Pols der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwochsausgabe). Zudem solle die strafrechtliche Verjährungsfrist von zehn auf 20 Jahre angehoben werden.
Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, äußerte die Erwartung, dass Missbrauch in Kirchenkreisen auch künftig nicht ganz verhindert werden könne. „Ich mache mir keine Illusionen: Sexueller Missbrauch wird auch in Einrichtungen unserer Kirche vorgekommen sein und vermutlich noch vorkommen“, sagte der rheinische Präses dem Bremer „Weser-Kurier“. Zugleich betonte der evangelische Theologe, er habe großes Vertrauen darin, dass die katholische Kirche die Missbrauchsfälle in ihren Reihen „transparent und gerecht“ aufarbeiten werde.
Unterdessen entschuldigte sich der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode nach Bekanntwerden von Missbrauchsfällen im Maristenkloster in Meppen im Emsland bei den Opfern. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz startet ihre bundesweite Hotline zur Information in Fragen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im kirchlichen Bereich am 30. März.
Auch in der privaten Internatsschule Schloss Salem am Bodensee soll es in den vergangenen Jahrzehnten Missbrauchsfälle gegeben haben. „Es gab Situationen, wo Schüler sich an mich wandten oder an andere Mitarbeiter und erklärten, sie seien belästigt worden“, sagte der ehemalige Schulleiter Bernhard Bueb am Dienstag dem Südwestrundfunk. Die verantwortlichen Lehrer seien daraufhin entlassen worden, er selbst habe sofort die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, erklärte Bueb, der die Schule von 1974 bis 2005 leitete.
Die Beiträge aus der „Rhein-Zeitung“, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ und dem „Weser-Kurier“ wurden EPD vorab in nachrichtlicher Fassung zur Verfügung gestellt.
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