Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wird sich nach den Worten ihres kommissarischen Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider auch nach dem Rücktritt von Margot Käßmann weiter politisch zu Wort melden.
Fragen der sozialen Gerechtigkeit seien ihm selbst schon immer sehr wichtig gewesen, sagte Schneider in den ARD-Tagesthemen. „Das Eintreten für diejenigen, die ihre Stimme nicht erheben können, wird auch für mich verbindlich bleiben.“
Auch bei Käßmanns Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr habe „die übergroße Mehrheit der Kirche zu ihr gestanden“, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Er betonte, der Rücktritt der Bischöfin von ihren kirchlichen Ämtern sei kein Rückschritt für die Kirche. Viele Menschen hätten aber gehofft, dass Käßmann als EKD-Ratsvorsitzende weitermacht.
Schneider äußerte erneut Respekt für Käßmanns Rücktritts-Entscheidung. Dieser offene und ehrliche Umgang mit eigenem Versagen werde auch dem Amt des EKD-Ratsvorsitzenden wieder hohen Respekt verschaffen, das eine „gewisse Beschädigung“ erfahren habe. Käßmann haben nicht an ihren Ämtern geklebt, sondern „sich frei entschieden, so wie sie es für sich rechtfertigen konnte“. Der Rat der EKD habe ihr zuvor das Vertrauen ausgesprochen und sie gebeten, ihr Amt fortzuführen, erläuterte der 62-jährige Theologe.
Der Rat der EKD will bei seiner Sitzung am Freitag und Samstag in Tutzing über das weitere Vorgehen beraten. Schneider könnte die Amtsgeschäfte des Ratsvorsitzenden laut Kirchenordnung zunächst bis zu einer Neuwahl bei der turnusgemäßen Synodentagung im November führen. Ob er sich vorstellen kann, das protestantische Spitzenamt über die kommissarische Leitung hinaus auszuüben, ließ er offen.
Käßmann hatte am Mittwoch nach nur vier Monaten an der Spitze der EKD ihren Rücktritt erklärt. Sie legte auch ihr Amt als hannoversche Landesbischöfin nieder. Die 51-jährige Theologin zog damit die Konsequenzen aus einer Autofahrt in ihrem Dienstwagen mit 1,54 Promille Alkohol im Blut.
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