Er will es offenbar besser machen als sein Regensburger Amtskollege. Nach dem Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen gegen einen ranghohen Geistlichen seiner Erzdiözese geht der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick schnell in die Offensive. Auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz zeigt er sich tief betroffen und stellt sich nachdrücklich hinter die Missbrauchsopfer.
Dies sei eine „sehr traurige Situation“, sagt Schick in erstem Ton. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller dagegen hatte sich im Missbrauchskandal von Riekofen erst nach tagelangem Zögern der Öffentlichkeit gestellt.
Schicks Blick wandert oft zu Boden. „Offen und ehrlich“ wolle er nun mit der Situation umgehen, kündigt der Erzbischof an und bietet den Missbrauchsopfern Hilfe an. „Unsere erste und wichtigste Sorge gilt den Betroffenen“, stellt er klar. „Wir möchten heilen und wir möchten helfen“, betont Schick. Denkbar sei beispielsweise, dass die Diözese eine Psychotherapie finanziere. Es solle “möglichst wenig Schaden" bei den mutmaßlich Missbrauchten zurückbleiben.
Vier Betroffene haben sich laut Bistums-Sprecherin Elke Pilkenroth bislang an die Erzdiözese gewandt. Die ehemaligen Schüler eines Bamberger Internats beschuldigen einen 63 Jahre alten Domkapitular. Die Übergriffe sollen sich der Bistumssprecherin zufolge zwischen 1976 und 1991 ereignet haben. Der Geistliche war bis 1991 Direktor des Internats.
Der Verdächtige wurde beurlaubt
Der Domkapitular wurde bereits am 18. Juli mit den Vorwürfen konfrontiert und beurlaubt. Am Mittwoch erklärte er seinen Rücktritt als Personalchef der Erzdiözese. Der Beschuldigte gibt der Bistums-Sprecherin zufolge an, dass er “sich zum derzeitigen Zeitpunkt an nichts erinnern kann". “Also eine Erinnerungslücke", kommentiert Pilkenroth.
Aufgeworfen wurde der Fall im vergangenen September von einem Betroffenen. Damals sei der Vorwurf geprüft worden, aber es habe “Aussage gegen Aussage„ gestanden. Deswegen sei man auch nicht zur Staatsanwaltschaft gegangen. Im Mai dieses Jahres sei die Diözese auf weitere Fälle aufmerksam gemacht worden und die “Verdachtsmomente haben sich erhärtet", betont die Sprecherin.
Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen eingeleitet. Der Bamberger Leitende Oberstaatsanwalt Joseph Düsel sagte, man werde nun “sehr intensiv prüfen“, ob mögliche Taten noch verfolgt werden könnten oder bereits verjährt seien. Diözesanvertreter wollten am Mittwochabend mit der Staatsanwaltschaft zu einem Gespräch zusammenkommen.
Erinnerungen an Riekofen werden wach
Der Fall weckt Erinnerungen an den Missbrauchsskandal um den ehemaligen Pfarrer im oberpfälzischen Riekofen, der Bischof Müller in arge Bedrängnis brachte. Der pädophile Priester war im März zu drei Jahren Haft in einer psychiatrischen Anstalt und Sicherungsverwahrung verurteilt worden, weil er sich über Jahre an einem Ministranten vergangen hatte. Die Öffentlichkeit war entsetzt – und über das Verhalten der Diözese schockiert. Der Geistliche Peter K. war in Riekofen in der Seelsorge eingesetzt worden, obwohl er bereits einschlägig vorbestraft war.
Müller wies nach Bekanntwerden des Falls jede Mitverantwortung von sich und wollte sich auch nicht bei dem Jungen und dessen Familie entschuldigen. Stets beharrte der Bischof darauf, dass die Verantwortung für die Geschehnisse allein der Täter trage. Der Bischof sah sich heftiger Kritik ausgesetzt.
Ähnliches soll in Bamberg nicht passieren. Schick will nach eigenem Bekunden alles so weit aufklären wie möglich. Er räumt sogar ein, der Fall könne unter Umständen noch größere Dimensionen annehmen als bislang bekannt. Sollte es weitere Betroffene geben, ermutigt der Erzbischof, sollten diese sich unbedingt melden.
ap/dpa/lk





