Die Regierungskoalition aus Konservativen und rechtsliberaler Venstre sieht nach den Anschlägen keinen Anlass, ihre Strategie zu überdenken.„Jetzt ist es außer Kontrolle geraten. Wir sind gezwungen, unsere Außenpolitik zu diskutieren, ob wir uns ständig dort einmischen sollen, wo wir am meisten gehasst werden“, so Holger Nielsen, außenpolitischer Sprecher der linken SF, der zweitstärksten Oppositionspartei. Die Vorsitzende der liberalen Partei Radikale Venstre (RV), Magrethe Vestager, verlangte einen Kurswechsel. Sicherheitsexperten warnen davor, dass Dänemark sich mit seinem harten außenpolitischen Kurs übernimmt.

Als kleines Land habe es nicht die Ressourcen, sein Personal im Ausland so gut zu schützen, wie es die USA tun, so Hans Mouritzen, Chef der Außenpolitischen Forschungsabteilung beim Dänischen Institut für Internationale Studien (DIIS). Argumente, die Außenminister Per Stig Moller nicht gelten lässt. „Wir können uns nicht einfach zurücklehnen und andere Länder den Kampf für uns führen lassen“, so der konservative Minister. Die rechtspopulistische Dänische Volkspartei, die die Minderheitsregierung stützt, fordert nun, dass Dänemark ein spezielles Sicherheitskorps abstellt, um die Botschaften zu bewachen.


Neue Rolle in der Außenpolitik

Dänemark hat außenpolitisch lange keine signifikante Rolle gespielt. Das änderte sich mit dem Regierungsantritt von Premier Anders Fogh Rasmussen und der Beteiligung am Irak-Krieg. „Dänemark – vom friedlichen Idyll zum Terrorziel“ betitelte die linksliberale Zeitung „Politiken“ einen Text über die wesentlichen außenpolitischen Ereignisse der vergangenen Jahre.

Größte Bedeutung hatte die Auseinandersetzung über die Mohammed-Karikaturen. Seit im Herbst 2005 die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ Zeichnungen des Propheten veröffentlichte, gibt es immer wieder Terrordrohungen gegen das kleine Land im Norden Europas. Etwa einen Monat nachdem die Karikaturen im Februar erneut abgedruckt worden waren, rief al-Qaidas Nummer zwei nach Osama bin Laden, Aiman al-Sawahiri, zum Widerstand gegen Dänemark auf.


Widerstand bedeutet Gewalt, ein Anschlag wie der auf die dänische Botschaft in Islamabad war erwartet worden. In jüngster Zeit ist Dänemark zu einem der Hassobjekte islamischer Fundamentalisten geworden. Nicht alle Aktionen gegen das Land sind überall wahrgenommen worden. Die nicht gewalttätigen Proteste bekommen in Westeuropa nur wenige mit. So berichten dänische Medien, dass islamische Studenten in Pakistan den „Dannebrog“, die dänische Flagge, beschmutzen und verbrennen. Das rote Rechteck mit dem weißen Kreuz ziert den Eingang der islamischen Hochschule – so wird der Gang in die Uni zum symbolischen Fußtritt gegen Dänemark.

Opposition ist entzweit

Die Diskussion über die zukünftige dänische Außenpolitik entzweit die Opposition. Während die linke SF und die liberale RV sich gegen den aktuellen Kurs aussprechen, halten die Sozialdemokraten sich aus taktischen Gründen zurück – eine kluge Entscheidung. Denn nach einem Attentat wie diesem kommt es beim Wähler meist besser an, sich hinter die Regierung zu stellen. Das Land soll Geschlossenheit gegen den Angriff von außen demonstrieren. Wer da eine nuancierte Diskussion starten will, hat schlechte Karten und wird womöglich als Landesverräter angesehen.

Neben den militärischen Einsätzen hat Dänemark in letzter Zeit einige Initiativen gestartet, die das vor allem durch die Mohammed-Krise ramponierte Image des Landes aufpolieren sollen. So gibt es im Außenministerium mittlerweile eine Einheit für Public Diplomacy, eine Art PR-Abteilung des Landes. Die Mitarbeiter beobachten, wie sich der Ruf Dänemarks entwickelt, und versuchen dort, wo gegen Dänemark gehetzt wird und Unwahrheiten verbreitet werden, das Bild des kleinen Landes zurechtzurücken. Statt wie in der klassischen Diplomatie die Regierungsbeamten anderer Länder anzusprechen, zielt die Abteilung auf die breite Öffentlichkeit und will ausländische Medien, Interessengruppen und NGO's über dänische Werte und Ansichten informieren und so den dänischen Einfluss stärken. Ein positiveres Dänemarkbild soll letztlich helfen, Anschläge wie den vom Montag in Islamabad in Zukunft zu vermeiden.