In den vergangenen Tagen und Wochen war der Dalai Lama wegen der Ereignisse in und um Tibet ein begehrter Gesprächspartner. Einer, der bereits im Jahr 2006 das Gespräch mit ihm suchte, war der amerikanische Filmemacher Rick Ray. Er hatte die Idee, nach Indien zu reisen, um zehn Fragen an den Dalai Lama zu stellen. Der Film "Zehn Fragen an den Dalai Lama" kommt im Mai in die Kinos und behandelt globale Themen wie die Gegensätze zwischen Arm und Reich und den Umgang mit der Umwelt. Auch der Konflikt der Tibeter mit den Chinesen wird in den Blick genommen. Der Film bietet aber auch die Gelegenheit, das weltliche und geistige Oberhaupt der Tibeter als Menschen näher kennen zu lernen. Dabei kann man als Zuschauer so manches Neue und Erstaunliche über den Dalai Lama lernen. Morgenpost Online hat die zehn überraschendsten Fakten über den Dalai Lama aus dem Film zusammengefasst.

Vergleicht man es mit den Anstrengungen die man unternehmen muss, um etwa George W. Bush im Weißen Haus zu treffen, klingt es schier unglaublich: Jeder Mensch der Welt kann zu einer Audienz in das Kloster des Dalai Lama im indischen Dharamsala kommen. Der Weg, eine Anfrage zu stellen, ist jedoch ungewöhnlich. „Hier in Indien gibt es keine Post. Hier gibt es E-Mails“, erklärte einer seiner Mitarbeiter. Für die Beantwortung der E-Mails sind die dem Dalai Lama unterstellten Mönche zuständig. Im Normalfall kann man mit einer Antwort innerhalb weniger Tage rechnen. Sollte der Dalai Lama bei seiner Begegnung mit dem Gast jedoch den Eindruck haben, dieser sei ihm gegenüber unehrlich und unaufrichtig, behalte er sich vor, das Treffen abzubrechen, so der Mitarbeiter weiter.

Seinen Tag beginnt der Dalai Lama um 4 Uhr morgens, wenn er aufsteht und zunächst für einige Stunden meditiert und anschließend frühstückt. Den restlichen Tag hat der 72-Jährige eine volles Programm vor sich: Mehrmals am Tag bekommt er Besuch und hält Audienzen ab. Außerdem unternimmt er ausgiebige Fahrten in Orte rund um sein Kloster. Dort besucht er arme, kranke und notleidende Menschen und spendet ihnen Trost, in dem er ihnen zuhört und sich für sie Zeit nimmt. Diese Reisen kosten den Dalai Lama viel Zeit, da die Tibeter in Indien sehr verstreut wohnen. Die Weite des Landes und die schlecht ausgebauten Straßen sorgen ebenfalls für lange Wege. Reist der Dalai Lama ins Ausland, so muss er zunächst etwa 10 Stunden zum nächsten indischen Flughafen fahren.

3. Ein Liebhaber der Naturwissenschaften


Viel Zeit verbringt das tibetische Oberhaupt auch damit, zu lesen und eigene Bücher oder Abhandlungen zu schreiben. Besonders zugeneigt ist er der Medizin und den Naturwissenschaften. Nach eigener Aussage ist er davon überzeugt, dass die buddhistische Religion und die Naturwissenschaften gut miteinander vereinbar seien. „Im Zweifel“ wusste einer seiner MItarbeiter schmunzelnd zu berichten, "glaube er an Letzeres.“


4. Mitmenschen als größte Inspiration:


Religion spielt im Leben des Dalai Lama eine wichtige Rolle. Mit Blick auf die kontroversen Diskussionen über den Islam sagt er, er glaube fest daran, dass ausnahmslos alle Weltreligionen bei den Menschen Gutes bewirken können. Entgegen der Meinung, er als Mönch erhalte seine Stärke aus seinem Glauben, sagte der Dalai Lama: „Nicht die Religion, sondern jedes einzelne menschliche Wesen, das ich treffe, ist meine größte Inspiration.“


5. Feiern für den Frieden:

Der Dalai Lama trifft oft mit vielen Menschen zusammen, da Feste und Feiern in der tibetischen Kultur fest verwurzelt sind. Allerdings hat das tibetische Oberhaupt daran keine so große Freude wie seine Bürger: „Der Dalai Lama mag eigentlich keine solchen Veranstaltungen. Oftmals kann man ihn währenddessen dabei beobachten, wie er sich mit diversen Tätigkeiten fremd beschäftigt und etwa Daumen dreht“, sagte einer seiner Berater. Feste feiern sei aber ein gutes Rezept, um glückliche Mitmenschen zu haben, meint der Dalai Lama. Mit Blick auf den Konflikt im Nahen Osten empfahl er deshalb schmunzelnd: „Wahrscheinlich sollten die in Israel einfach mehr feiern.“

Wenig hält der Dalai Lama von protokollarischen Regeln bei offiziellen Anlässen. So kommt es schon einmal vor, dass er bei einem Empfang, dessen Ablauf streng festgelegt ist, den Kreis seiner Berater und Aufpasser verlässt, um Menschen in der Menge zu begrüßen. Außerdem lehnt er es ab, dass die Leute ihm übertriebenen Respekt entgegen bringen: „Ich bin ein ganz normaler Mensch." Deshalb weigere er sich auch, bei seinen Auslandsflügen in der First Class zu reisen. „Wer es ernst mit mir als Person meint, dem kann es doch egal sein, von wo aus ich aus dem Flugzeug steige."

Im Hinblick auf die tibetischen Traditionen zeigt sich der Dalai Lama überraschend unkonventionell: Obwohl die tibetische Kultur stark auf Traditionen beruht, findet er, dass man auch mit der Zeit gehen müsse und sich veränderten gesellschaftlichen Bedingungen anpassen solle. Auch wenn viele Traditionen ihre Berechtigung hätten, könnte man einige in seinen Augen gerne abschaffen: „Es gibt etwa die traditionelle Vorgabe, dass eine verwitwete Frau nicht mehr heiraten darf. Warum denn?", fragte er provokativ. "Weg mit dieser Tradition!“

Ein Prinzip an dem der Dalai Lama festhält, ist die Gewaltlosigkeit. Er gibt jedoch zu: „Natürlich habe auch ich Tage, an denen ich Aggression oder Ärger verspüre. Erst kürzlich habe ich mit jemandem telefoniert, der mich so aufgeregt hat, dass ich gute Lust hatte, ihn umzubringen. Das Zauberwort lautet Selbstdisziplin.“ Gewalt könne als Mittel nur gelten, wenn das eigene Leben bedroht sei und man sich verteidigen müsse.

Neben Selbstdisziplin ist die Bereitschaft zum Verzicht eine Eigenschaft, die der Dalai Lama als erstrebenswert ansieht. „Neid und Gier können zerstörerich wirken. Arme Menschen sind oftmals viel glücklicher als Reiche und haben eine viel größere moralische Überlegenheit. Den Reichen muss man dagegen eher beistehen, da sie irgendwann bemerken, dass Geld alleine nicht glücklich macht.“ Der Dalai Lama selbst ist ein Vorbild darin, mit einfachen Mitteln auszukommen: Er lebt von 10 Dollar am Tag. Als er 1989 den Friedensnobelpreis verliehen bekam, war es seine erste Handlung, die rund 1,1 Millionen Euro Preisgeld für gemeinnützige Zwecke zu verwenden.

Der Dalai Lama wurde als Zweijährigerzum künftigen geistlichen Oberhaupt der Tibeter auserkoren. Die Tradition besagt, dass sich die tibetischen Mönche nach dem Tod des Dalai Lama auf die Suche nach seinem Nachfolger machen müssen. Dabei verkleiden sie sich als einfache Wanderer und ziehen durch die Städte und Dörfer auf der Suche nach Hinweisen, die der verstorbene Dalai Lama kurz vor seinem Tod gegeben hat - etwa das Aussehen des Elternhauses seines Nachfolgers. In einem Berdorf der tibetischen Provinz Taktser entdeckten die Mönche so 1935 Lhamo Dhondrub. Der kleine Junge musste mehrere Tests bestehen, etwa Gegenstände des vorherigen Dalai Lama erkennen, bis für die Mönche feststand, dass Lhamo der nächste Dalai Lama sei. Nach buddhistischem Glauben ist er die Reinkarnation seines Vorgängers.

Lhamo trat daraufhin zusammen mit seiner Familie den Weg in die tibetische Hauptstadt Lhasa zu seinem künftigen Palast an. 1940 wurde der Bauernsohn im Alter von vier Jahren zum Dalai Lama ernannt. Seinen Lebensabend will der 72-Jährige am liebsten in den Bergen verbringen: „Ich werde mich dann zurückziehen wie ein verwundetes Tier.“ Er sei jedoch zuversichtlich, dass er es „noch ein paar Jahre machen werde."