Familien

Christian Wulff rügt die Kindererziehung der Eltern

Kinder wachsen in einer herzlosen Umgebung auf, ihnen fehlt der Ansprechpartner mit Geduld, „der Wärme ausstrahlt", sagt Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Den Eltern fehle es an der Fähigkeit mitzufühlen und mitzuleiden. Diese Entwicklung erfülle ihn mit Sorge.

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Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hat einen Mangel an Mitgefühl und Empathie in Deutschland beklagt. Vor allem manche Kinder erhielten nicht genug Aufmerksamkeit und Zuwendung: „Ihnen fehlt der Ansprechpartner mit Geduld, der Wärme und Nähe ausstrahlt“, sagte der CDU-Politiker.

Finanzielle Anstrengungen des Staates könnten menschliche und persönliche Zuwendung nicht ersetzen: „Die Hand reichen, auf die Schulter klopfen, Mut machen – das geht nicht durch Geld.“

Wulff zeigte sich erstaunt darüber, dass niedersächsische Schulen bei Erziehungsberechtigten Verständnis für Kinder einfordern müssen. „Es erfüllt mich mit Sorge, dass Grundschulen Zettel mit Ratschlägen an die Eltern verteilen müssen“, sagte er. Auf den Zetteln würden Eltern gefragt: „Loben Sie ihr Kind ausreichend häufig? Erkundigen sie sich, wie es ihrem Kind geht? Loben sie ihr Kind, dass es die Hausaufgabe gemacht hat? Bringen sie ihrem Kind bei, dass es andere fragt, warum es ihnen schlecht geht, warum sie Schmerzen haben, warum sie krank waren“. Weihnachten sei Anlass, über das Thema kinderfreundliche Gesellschaft zu sprechen.

An der Fähigkeit, mitzufühlen und mitzuleiden, fehle es in der Folge auch bei manchen Kindern. „Kinder werden zum Teil egozentrisch und egoistisch“, beklagte Wulf. „Sie sind nicht ausreichend teamfähig sind und zeigen unzureichend Sozialverhalten. Sie beteiligen sich an Handlungen gegen andere, ohne die Rückwirkungen zu hinterfragen. Mich besorgt zum Beispiel das Komasaufen unter Jugendlichen“, betonte er.

Nach Angaben des Ministerpräsidenten hat in Niedersachsen das Land bereits zusätzliche Erziehungsaufgaben übernommen. Schon vor Jahren habe man die Auffassung korrigiert, dass Kinder ab sechsten oder siebten Lebensjahr mit einer Halbtagsgrundschule auf guten Weg seien, sagte Wulff. Mittlerweile erreiche das Land Kinder über Sprachförderung und Schulvorbereitung früher und „durch Ganztagsgrundschulen auch viel länger“.

Diesen richtigen Weg werde das Land weitergehen. Wulff appellierte aber zugleich an Eltern, Alleinerziehenden, Großeltern und Nachbarn, sich mehr Zeit für Kinder zu nehmen. „Vor Gott und den Menschen sind zunächst die Eltern für die Kinder verantwortlich und dann die Politiker“, betonte er. „Das ganze Dorf erzieht das Kind. Wer allein dem Staat Erziehungsverantwortung zuspricht, überfordert seine Möglichkeiten.“

Der Ministerpräsident verteidigte das umstrittene Betreuungsgeld von 150 Euro monatlich, das ab 2013 an zu Hause erziehende Eltern gezahlt werden soll. „Das Betreuungsgeld zeugt von Respekt vor der Entscheidungsfreiheit der Eltern. Sie bestimmen autonom, ob sie ihr Kind vor dem 3. Lebensjahr zu Hause erziehen oder in eine staatliche Betreuungseinrichtung geben“, sagte der CDU-Politiker. Bei den unter Dreijährigen sei „eine Betreuung in der Kinderkrippe nicht prinzipiell besser, als die Betreuung zu Hause“.

Um Eltern, Wahlfreiheit zu ermöglichen, würden in Niedersachsen 1,3 Milliarden Euro vor allem in den Ausbau von Kinderkrippen investiert. Davon stelle der Bund 380 Millionen Euro zur Verfügung, das Land 470 Millionen und die Kommunen 420 Millionen. „So machen wir die Wahlfreiheit real. Mütter und Väter können wählen, wie sie Beruf und Kinder miteinander verbinden wollen“, versicherte Wulff. Bislang habe die Wahlfreiheit aus Mangeln an Betreuungsangeboten nicht überall in Niedersachsen bestanden.