Der neue Außenminister Guido Westerwelle ist in Deutschland seit Jahren eine feste politische Größe. Im Ausland muss sich der Liberale erst noch einen Namen erarbeiten. Die Partner in Europa und den USA erwarten Westerwelles erste Schritte auf internationalem Parkett mit Neugier.
USA: HOFFEN AUF EINEN TRANSATLANTIKER
Anders als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist Westerwelle in den USA ein unbeschriebenes Blatt. Selbst Deutschland-Experten wie Steven Szabo, Direktor der Transatlantic Academy in Washington, räumen ein: „Hier in Washington ist er überhaupt nicht bekannt.“ Mit Westerwelles Amtsantritt verbindet sich in den USA die Hoffnung, dass er in der Tradition früherer FDP-Ressortchefs großen Wert auf die transatlantischen Beziehungen legen wird. Neugier ist Westerwelle gewiss: Alle großen US-Zeitungen thematisierten seine Homosexualität. Die „New York Times“ etwa wertet seinen Aufstieg als „Zeichen für die gesellschaftlichen Veränderungen im einstmals traditionsverhafteten Deutschland“.
EU: WESTERWELLE, DER UNBEKANNTE
„Wer ist dieser Guido Westerwelle?“ Das werde er von Kollegen aus anderen Ländern immer wieder gefragt, erzählt ein deutscher EU-Kommissionsmitarbeiter. Der FDP-Chef könnte seinen ersten Auftritt als frischgekürter Außenminister beim EU-Gipfel am 29. und 30. Oktober an der Seite der Bundeskanzlerin haben. Beim letzten Brüssel-Besuch vor 15 Monaten traf Westerwelle unter anderem Chefdiplomat Javier Solana. Als Geheimtipp in den EU-Institutionen gilt das Internet-Video, auf dem der FDP-Chef mit seinem Englisch kämpft. Für die Ko-Chefin der europäischen Grünen, Rebecca Harms, steht fest: „Für die EU-Verhandlungen muss Westerwelle neben Englisch auch Ernsthaftigkeit lernen.“
FRANKREICH: GUIDO, DER "PERFEKTE SCHWIEGERSOHN"
Auch in Frankreich ist Westerwelle gänzlich unbekannt. Französische Medien wie die Tageszeitung „Libération“ beschreiben ihn als eine Art „perfekten Schwiegersohn“ – mit dem Hinweis darauf, dass er sich zu seiner Homosexualität bekennt. Das Nachbarland ist vor allem gespannt darauf, was aus Westerwelles Wahlkampfforderung nach einem Rückzugsplan für Afghanistan und seiner Haltung zu einem möglichen EU-Beitritt der Türkei wird. Probleme erwartet Paris aber nicht: Die FDP gelte in Frankreich als „konstante Partei in der Außenpolitik“ mit einem Bekenntnis zur europäischen Integration und deutsch-französischen Zusammenarbeit, meint Henrik Uterwedde vom Deutsch-französischen Institut in Ludwigsburg.
TÜRKEI: SYMPATHIEN UND PLANUNG DES DAMENPROGRAMMS
Vielen türkischen Zeitungslesern ist Westerwelle erst seit dem guten Abschneiden der FDP bei den Bundestagswahlen ein Begriff. Während der Koalitionsverhandlungen gewann der designierte Außenminister am Bosporus erste Sympathien, indem er den Wunsch der CSU ablehnte, ein Nein Deutschlands zur türkischen EU-Bewerbung verbindlich festzuschreiben.
Das Privatleben des FDP-Chefs wird in der Türkei mit Interesse und mit einigen Seitenhieben auf die eigene konservative Regierung und Bevölkerung kommentiert. Mehrere Zeitungen fragten, was geschehen werde, wenn Westerwelle bei einem Besuch seinen Lebensgefährten mitbrächte. Türkische Diplomaten wurden zitiert, dass es für Michael Mronz natürlich ein Begleitprogramm geben werde – doch Mronz wird wohl kaum mit der Ehefrau des türkischen Außenministers einen Tee trinken.
AFP/ks





