In einer neuen Videobotschaft, die Morgenpost Online vorliegt, äußert sich ein ranghohes al-Qaida-Mitglied zu dem von der Bundeswehr ausgelösten Luftangriff in Kundus. Der US-Amerikaner Adam Gadahn alias „Azzam der Amerikaner“ verurteilt in dem Video generell den Tod von Zivilisten.Es seien nicht Dschihadisten, die Frauen und Kinder töteten, sondern der indische, pakistanische und amerikanische Geheimdienst, in Zusammenarbeit mit der Söldnerfirma Blackwater. So sei auch der Luftschlag in Kundus das Werk der Geheimdienste gewesen, zitiert das Online-Portal den al-Qaida-Mann.

Gadahn vergleicht den Luftangriff mit dem Tod von Zivilisten in der Roten Moschee in Islamabad im Jahr 2007. Damals waren bei der Erstürmung der von militanten Islamisten besetzten „Lal Masjid“ 154 Menschen getötet worden. Die pakistanische Armee hatte einen tagelangen Aufstand von Koranschülern blutig niedergeschlagen.

Wörtlich sagt Gadahn im jüngsten Propagandavideo: „Sind die wahren Hintermänner (der Anschläge) nicht eher die Armeen und Spionagedienst, die keinem anderen Gott dienen außer dem Geld und keinem anderen Gesetz außer dem Gesetz des Dschungels? Und die bereits zuvor unschuldige Frauen und Kinder massakriert haben, in der Roten Moschee, Shindand (nahe Herat, Afghanistan) und Kundus.“

Etwa zeitgleich mit Erscheinen des al-Qaida-Videos meldet der US-Geheimdienst CIA den Tod eines hohen al-Qaida-Führers. Saleh al-Somali sei bei einem Drohnenangriff im pakistanischen Nord-Waziristan getötet worden. Er gilt als al-Qaidas Chef für internationale Anschläge. Damit gelang der CIA diese Woche seit langem wieder ein wichtiger Schlag gegen das Terrornetzwerk.

Der 40jährige Ostafrikaner al-Somali und ein saudischer Extremist namens „Abu Huraira“ befanden sich zur Zeit des Angriffs in einem Fahrzeug in der Nähe von Spalga, einer Ortschaft in der pakistanischen Grenzregion zu Afghanistan. Zwei Hellfire-Raketen, abgefeuert von einer Predator-Drohne, zerstörten das Auto und hinterließen nach Augenzeugenberichten „nur noch brennende Trümmer“.

Zunächst hatte es nur geheißen, zwei Ausländer seien bei dem Luftangriff getötet worden. Anwohner berichteten dann, es seien zwei Araber gewesen, die gerade ihr Haus verlassen hatten und auf dem Weg zur afghanischen Grenze waren um sich mit Taliban-Führern zu treffen.

Bereits am 18.November zielte ein Drohnenangriff der CIA auf Saleh al-Somali, den auch andere westliche Geheimdienst als den „Chef für internationale Operationen“ ausmachten. „Er war Teil des engsten Führungskreises“, sagte ein US Geheimdienstler. „Seine Spur führt zurück bis Mogadischu.“

Gemeint ist neben der engen Verbindungen zur Shabaab-Miliz in Somalia, auch al-Somalis Rolle im sogenannten „Black-Hawk-Down“ Vorfall, bei dem 1993 in der somalischen Hauptstadt zwei amerikanische Hubschrauber abgeschossen wurden. Damals starben 19 US-Soldaten.

Nach seinem Aufstieg in die in die Führungsriege der al-Qaida kümmerte sich al-Somali um westliche Terrorrekruten in den pakistanischen Trainingslagern und setzte die Anschlagsideen von Osama Bin Laden und Ayman al Zawahiri in konkrete Pläne um.

Al-Somali übernahm die Planung von Attentaten in den USA und Europa, nachdem im Mai 2008 sein Vorgänger, der Algerier Mustafa al Jazairi, in einem Predator-Angriff in der Bajaur-Provinz Pakistans ums Leben gekommen war. Nach dem erfolgreichen Luftangriff auf Pakistans Taliban-Chef Baitullah Mehsud im August, dürfte der Tod von Saleh al Somali der schwerste Verlust für die Terrornetzwerke der Region sein.