Kampf, Verwundung und Tod im Einsatz gehörten über Jahrzehnte nicht zum Erfahrungsspektrum der Bundeswehrsoldaten. Das hat sich vor allem seit Beginn der Afghanistan-Mission geändert. Je stärker die Gewalt im Land am Hindukusch zunimmt, desto größer wird das Risiko für Leib, Leben und auch Psyche der Soldaten. Für viele Soldaten mag es zwar immer noch schwer sein, sich zum Krankheitsbild der Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) zu bekennen. Könnten die Kameraden nicht den Eindruck gewinnen, man sei ein „Weichei“?

Doch im Falle einer seelischen Verwundung ist die Inanspruchnahme des medizinischen Experten so richtig wie die Behandlung durch den Chirurgen nach äußerlicher Verletzung. Auch weil diese Erkenntnis erfreulicherweise wächst, nimmt die Zahl registrierter PTBS-Fälle zu. Da zudem die Zahl der in Afghanistan eingesetzten Soldaten steigt und die Kampfhandlungen intensiver werden, wächst das Problem zudem real und nicht nur in der Wahrnehmung.

Etliche der noch lebenden Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges können bestätigen, dass ein Verdrängen des Problems in vielen Fällen nicht hilft. Ängste, die aus Jahrzehnte zurückliegenden Kampferfahrungen der Soldaten, aber auch aus dem Erleben der Bombennächte damaliger Zivilisten, vor allem Kindern, herrühren, brechen oft im hohen Alter auf. Darum ist es wichtig, die Therapierung traumatisierter Bundeswehrsoldaten zu intensivieren.

Gleichwohl sind den Psychologen Grenzen gesetzt. Eine Therapie (die man auch Zeugen grausamer Verbrechen oder Überlebenden von Amokläufen empfehlen möchte) mag Erinnerungen einordnen – aber kaum zum tatsächlichen Vergessen führen. Wichtiger als die anschließende Therapie wird es sein, bei der Ausbildung der Bundeswehrsoldaten größeres Gewicht auf mentale Belastbarkeit und den Umgang mit Stress zu legen.

In den USA läuft gerade ein mentales Trainingsprogramm für die 1,1 Millionen Armeeangehörigen an. In Deutschland müssen vorhandene Anstrengungen in diesem Bereich ebenfalls verstärkt werden.