Sabine Bätzing hat viel von Gerhard Schröder gelernt. Vor allem in puncto Inszenierung. Der Medienmensch Schröder trat als Kanzlerkandidat 1998 in der RTL-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ auf. Im Sommer 2008 machte Bätzing es ihm nach.

Bei "GZSZ" spielte Bätzing sich selbst und warnte Schüler vor Kokain. Rund vier Millionen Menschen sahen ihr zu. Nicht schlecht – für eine Drogenbeauftragte.

Jetzt hat Sabine Bätzing (SPD) einmal mehr medialen Dampf produziert. Zum richtigen Zeitpunkt. Am Neujahrstag, als sich viele Bürger verkatert auf der Couch erholten, sagte sie: "Es ist im Abstimmungsprozess, auf 0,3 Promille zu gehen.“ Die bisherige Grenze von 0,5 Promille hinterm Steuer wird wohl bald Vergangenheit sein. "Das Ziel sollte Nüchternheit im Straßenverkehr sein.“


0,3 Promille sind also noch lange nicht das Ende der Debatte. Es ist wahrscheinlich, dass in einigen Jahren überhaupt nicht mehr alkoholisiert Auto gefahren werden darf. Zusätzlich packte sie – strategisch klug – einen Vorschlag drauf, der vor ein paar Tagen noch abgeschmettert worden war: Die Steuern auf Alkohol sollen erhört werden.

Jemand, der fordert, dass Trinken teurer werden soll, ist eigentlich per Definition unbeliebt, uncool, unattraktiv. Doch Bätzing scheint dagegen immun. Sie wird sogar von der "Bild“-Zeitung gefeiert, wenn auch nicht für ihre Politik. "Bild“ hält sie für so toll, dass sie auf Platz 42 der Liste „Die schönsten Deutschen“ landete – zwei Plätze vor Schauspielerin Nadja Uhl.


Bätzing, 33, kommt aus der Provinz, gewann zweimal das Direktmandat im Wahlkreis Neuwied/Altenkirchen, ist verheiratet mit einem Mann, den sie aus ihrem Geburtsort kennt, die beiden haben ein Haus gebaut. Mittlerweile gilt sie als große Hoffnung der personell ausgezehrten SPD. Anders als ihre Vorgängerinnen kümmert sich die Drogenbeauftragte Bätzing nicht nur um Junkies. Sondern um die Alltagsdrogen der Deutschen. Um Tabak. Um Alkohol. Ums Internet. Anders als ihre Vorgängerinnen wird sie deshalb wirklich wahrgenommen.

Sabine Bätzing raucht nicht. Weil sie als Kind Probleme mit den Bronchien hatte. "Für mich wäre Rauchen wirklich Selbstmord gewesen.“ Trotzdem war es peinlich, als sie Alt-Kanzler Helmut Schmidt kritisierte, der seine Kettenraucherei stets genussvoll zelebriert. Sie selbst würde auch Helmut Schmidt auffordern, seine Zigarette auszumachen, sagte sie. Aber sonst tritt sie selten in Fettnäpfchen. „Als Jogi Löw beim Viertelfinale der Europameisterschaft mit Zigarette gefilmt wurde, rief die Deutsche Presse-Agentur bei mir an und wollte, dass ich ihn kritisiere. Ich hielt das aber nicht für angebracht“, sagt Bätzing.


Sie ist keine überemotionale Politikerin wie Grünen-Chefin Claudia Roth. Bätzing argumentiert nüchtern, hütet sich davor, moralisch den Zeigefinger zu heben. Ihr Erfolg beruht nicht nur auf ihrer medienwirksamen Ansprache, sondern auch auf ihrer unaufgeregten Art.