Gemäßigte Imame aus dem Ausland sollen Großbritannien bei der Terrorismusbekämpfung helfen. Innenministerin Jacqui Smith kündigte an, islamische Geistliche aus Südostasien ins Land holen, um muslimischen Gemeinden beim Kampf gegen radikalen Islamismus und Extremismus zur Seite zu stehen. Das berichtete die britische Tageszeitung "The Guardian". Geplant sei, auch „Meinungsmacher“ anderer religiöser und kultureller Organisationen nach Großbritannien einzuladen und ein internationales Netzwerk gegen den Einfluss von „Propagandisten“ aufzubauen, sagte Smith laut dem Bericht weiter.

Die Entscheidung stellt einen Wandel in der Einstellung des Ministeriums dar. Dieses hatte sich bisher stets kritisch gegenüber einem möglichen Einsatz ausländischer Imame geäußert, wie der "Guardian" weiter berichtete. Stattdessen wollte man versuchen, einflussreiche Imame aus dem eigenen Land, die möglicherweise mehr Erfahrung mit britischen Jugendlichen haben, für das Projekt zu gewinnen. Der jetzige Vorschlag stelle dazu jedoch keinen Widerspruch dar, betonte ein Sprecher des Innenministeriums. Vielmehr werde kontinuierlich daran gearbeitet, sicherzustellen, dass die Imame in der britischen Gesellschaft verwurzelt seien.


Der neue Vorschlag ist Teil eines weitreichenden Planes, der vorsieht, jährlich 90 Millionen Pfund auszugeben, um die Verbreitung des radikalen Extremismus zu verhindern. Der Beschluss wurde vom Kabinett bereits abgesegnet. Der Plan soll in den nächsten Monaten im Detail ausgearbeitet werden. Smith hatte zuvor bekannt gegeben, dass britische Polizei und Sicherheitsdienste derzeit 200 potenzeill gefährliche Gruppen und Netzwerke überwachten, in denen rund 2000 Menschen engagiert seien.

Der "Guardian" berichtete weiter, der Plan sehe auch die Bereitstellung von zusätzlichen finanziellen Mitteln für Gefängnispersonal vor. Die Mitarbeiter sollen für das Problem senibilisiert werden, dass verurteilte Terroristen im Gefängnis versuchten, andere Insassen zu radikalisieren. Anne Owers, Chefinspektorin der britischen Gefängnisse, hatte davor gewarnt, dass in Gefängnissen bisher nuer unzureichende Anstrengungen unternommen würden, um Extremismus einzudämmen. Davon würden inhaftierte Islamisten profitieren.

Eine weitere geplante Maßnahme ist laut Smith, dass das "Zentrum für Analyse von Terrorismus" eine eigene Organisationseinheit bildet, die künftig gegen Extremismus vorgehen könne. Dafür sollen in den nächsten drei Jahren 300 zusätzliche Polizeioffiziere und Mitarbeiter eingestellt werden. Smith palnt außerdem, dass die Überwachung von verdächtigen Personen künftig unter die Zuständigkeit der lokalen Polizei fällt. Dafür stelle ihr Ministerium pro Jahr zusätzliche 11 Millionen britische Pfund zur Verfügung.

KNA/joff