Die oppositionelle Labor-Partei hat sich zur Siegerin der Parlamentswahlen in Australien erklärt. "Von den Zahlen her, die wir heute Abend sehen, wird Labor die Regierung bilden", sagte die stellvertretende Parteichefin Julia Gillard dem Sender ABC unter dem Jubel von Anhängern. Regierungschef John Howard gestand seine Niederlage ein. Die oppositionelle Labor-Partei habe einen "sehr deutlichen Sieg" errungen, sagte Howard in einer Ansprache an seine Anhänger. Er habe bereits mit Kevin Rudd von der Labor-Partei telefoniert und ihm zu seinem Sieg gratuliert. Howard will sich nun aus der Politik zurückziehen und hat seine Partei aufgefordert, einen neuen Vorsitzenden zu wählen.
Kevin Rudd ist offenbar gelungen, was ihm lange keiner zugetraut hatte: Der 50-jährige Vorsitzende der australischen Arbeitspartei hat gegen einen einen langjährigen Ministerpräsidenten gewonnen, der Australien ein rasantes Wirtschaftswachstum beschert hat und die Arbeitslosigkeit auf ein Rekordtief brachte. Rudd hat angekündigt, er wolle im Falle eines Wahlsiegs die australischen Soldaten aus dem Irak abziehen und das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz unterzeichnen. Beides hatte Howard abgelehnt.
Gegen den Einsatz im Irak
Rudd zog 1998 zum ersten Mal ins Parlament ein. Als Australien 2003 den US-geführten Einmarsch in den Irak unterstütze, kritisierte Rudd dieses Engagement heftig. Er griff außerdem Howard und Außenminister Alexander Downer wegen ihrer angeblichen Verwicklung in einem Korruptionsskandal beim Weizenexporteur AWB an. Der Monopolist soll im Rahmen des Öl-für-Lebensmittel-Programms der Vereinten Nationen Bestechungsgelder an Saddam Hussein gezahlt haben.
Im Dezember vergangenen Jahres wurde Rudd Chef der Arbeitspartei und beendete damit jahrelange Querelen in der Partei, die ihre Stammwählerschaft bei Arbeitern und Einwanderern hat. Der neue Vorsitzende präsentierte sich in Haushaltsfragen als konservativ - schließlich musste er die Wähler überzeugen, dass er den seit 17 Jahren anhaltenden Wachstumsschub der australischen Wirtschaft fortsetzen kann.
Im Wahlkampf setzte Rudd jedoch auf die traditionellen sozialdemokratischen Themen Bildung und Gesundheit. Er profitierte dabei auch von der Unzufriedenheit vieler Wähler der Mittelschicht mit wirtschaftsfreundlichen Reformen der Regierung Howard.
Image als Sonderling
In den vergangenen Monaten bemühte sich Rudd, der oft als jüngere Version Howards beschrieben wird, sein Image als Langweiler und Sonderling abzuschütteln. Er eröffnete eigene Seiten bei MySpace und YouTube, verteilte nach US-Vorbild T-Shirts und Aufkleber mit dem Wahlkampfslogan "Kevin 07".
Wie Howard hat auch Rudd die Wähler nicht polarisiert, er zeigte sich jedoch im Umgang mit den Medien geschickt. So gelang es ihm, negative Publicity abzuwehren. Eine Zeitung hatte im August enthüllt, Rudd, ein bekennender Christ, habe während eines Besuchs in New York in Strip-Clubs gefeiert. Der Oppositionsführer entschuldigte sich umgehend und erklärte, er habe Fehler wie jeder andere Mensch. Im Gegensatz zur Erwartung vieler stieg seine Popularität weiter an, weil ihn die Australier offenbar als menschlicher wahrnahmen.
Rudds Ehefrau Therese Rein hat es als Unternehmerin aus eigener Kraft zu einem Millionenvermögen gebracht. Die Mutter von drei Kindern hat angekündigt, sie wolle auch im Falle eines Wahlsiegs ihres Mannes ihre erfolgreiche Arbeitsvermittlung nicht aufgeben.
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