Wer in Deutschland als PKK-Aktivist gefasst wird und vor Gericht kommt, der muss sich meist nicht als Angehöriger einer Terrororganisation, sondern als „Angehöriger einer kriminellen Vereinigung“ verantworten. Nun aber, nachdem die kurdische Rebellenorganisation PKK drei deutsche Bergwanderer im Osten der Türkei entführte, erhebt sie typische Terroristen-Forderungen, wie man sie in den letzten Jahren oft von al-Qaida im Irak zu hören bekam. Deutschland, so heißt es da, solle von seiner „gegen die PKK und gegen das kurdische Volk gerichteten Politik“ abrücken und das auch öffentlich erklären. So formulierte es oft al-Qaida im Irak: Das Land Soundso möge sofort seine Irakpolitik ändern, sonst werde es den Geiseln schlecht ergehen.

Denkbar ist aber, dass die Geiseln auch ohne sichtbares deutsches Entgegenkommen wieder freigelassen werden, die PKK hätte dann immerhin Aufmerksamkeit erregt und wäre vielleicht damit zufrieden. Bis vor ungefähr zwei Jahren legte sie Wert darauf, möglichst keine Ausländer zum Ziel ihrer Aktionen zu machen. Es folgten dann jedoch Bombenanschläge gegen Touristen in den Ferienorten der Südtürkei, aber angesichts des verheerenden Medienechos in den betroffenen Ländern sah man später von solchen Aktionen wieder ab.


Türkische Medien berichteten, die PKK werde die Geiseln bald wieder freilassen. Das vermutet auch der Gouverneur der betroffenen Provinz. Der Grund für solche Hoffnungen ist offenbar, dass die Entführer selbst dies den anderen Touristen der Bergwanderergruppe sagten, die die PKK-Kämpfer weiterziehen ließen, nachdem sie sich drei Geiseln ausgesucht hatten.

Türkische Truppen suchen nach Geiseln

Aber wenn die nun veröffentlichten PKK-Forderungen Ernst zu nehmen sind, und wenn, wie zu erwarten, die deutsche Regierung nicht öffentlich verkündet, sie wolle fortan tun, was die PKK befiehlt, dann kann sich die Sache in die Länge ziehen. Türkische Truppen durchkämmen derzeit das Gebiet auf der Suche nach den Geiseln. Sollten sich die Entführer bereits auf irakisches Staatsgebiet gerettet haben, dann ist auch eine amerikanische Rolle bei der Befreiung der Geiseln denkbar, sei es durch Verhandlungen, sei es durch eine Militäraktion.

Möglicherweise stand die Entführung auch in Zusammenhang mit dem ersten Besuch seit 18 Jahren eines türkischen Ministerpräsidenten im Irak. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan reiste ungefähr zeitgleich zur Entführung nach Bagdad, wobei anscheinend der Kampf gegen die PKK der wichtigste Punkt auf der Agenda war. Die Rebellenorganisation steht zunehmend unter Druck; seit letztem Herbst gibt es immer intensivere Operationen der türkischen Luftwaffe und zuweilen auch türkischer Bodentruppen gegen PKK-Ziele im Nordirak. Die USA helfen dabei mit Geheimdienst-Informationen, und die EU sowie die deutsche Regierung rufen Ankara zwar zur Mäßigung auf, nennen aber die Angriffe im Prinzip gerechtfertigt. Nun fordert die PKK von der deutschen Regierung, speziell die Militäroperationen der Türkei gegen die PKK zu verurteilen.

Deutsche lieferten PKK-Kader aus

Andere deutsche Entscheidungen, die der PKK missfallen, sind vermutlich das Verbot ihres Propagandasenders „Roj-TV“ Ende Juni und im vergangenen Jahr die Auslieferung zweier führender PKK-Kader an die türkischen Behörden. Deutschland hatte bis dahin davon abgesehen, PKK-Angehörige an die Türkei auszuliefern, weil man fürchtete, die Ausgelieferten könnten gefoltert werden. Die Reformen im türkischen Justizsystem scheinen solche Befürchtungen neuerdings zerstreut zu haben.

Sollte die deutsche Regierung den Entführern entgegenkommen wollen, um eine Freilassung der Geiseln zu erreichen, dann gehört eine stillschweigende Abkehr von weiteren Auslieferungen sicher zu den Dingen, die am einfachsten und unauffälligsten angeboten werden könnten. Die Bundesregierung hat erklärt, man werde keine Zugeständnisse machen, man sei aber zuversichtlich, dass eine Lösung erreicht werden kann. Den Entführten gehe es gut, hieß es in einer über die PKK-nahe Agentur Firat verbreiteten Erklärung der Kidnapper. Das türkische Militär wurde aufgefordert, seine Operationen am Berg Ararat einzustellen, da dies das Leben der Geiseln gefährde. Die Behörden haben den Berg im Osten des Landes für Touristen bis auf weiteres