Russland behält sich nach den Worten von Präsident Dmitri Medwedjew das Recht vor, seine Interessen notfalls auch gewaltsam zu verteidigen.
In einem am Mittwoch von Russlands größten Fernsehsendern ausgestrahltem Interview sagte Medwedjew, zwar müsse man vorrangig internationale und rechtliche Mittel einsetzen. Sollte dies nötig sein, könne jedoch auch ein gewisses Maß an Gewalt eingesetzt werden. Medwedjew hatte im August einen massiven Gegenschlag angeordnet, nachdem georgische Streitkräfte versucht hatten, die abtrünnige georgische Region Südossetien zurückzuerobern. Medwedjew sagte nun, der Krieg habe gezeigt, dass mitunter harte Maßnahmen nötig seien. Er kritisierte zudem die langfristigen Pläne der Nato, die ehemaligen Sowjetrepubliken Ukraine und Georgien aufzunehmen.
Mit Bezug auf den Wirtschaftsabschwung in Russland sagte Medwedjew, Russland werde die Krise überwinden. „Ich denke die Situation ist nicht die einfachste, es gibt aber keine Entschuldigung für ausgesprochen dramatische Schlussfolgerungen. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass wir zu irgendwelchen radikalen Maßnahmen werden greifen müssen.“
Im Gasstreit mit der Ukraine sagte Russland Europa weiter eine Versorgung zu. Es gebe große Gas-Vorräte in der Ukraine, so dass Europa auch im Falle des angedrohten Lieferstopps an das osteuropäische Land weiter Gas beziehen werde, sagte ein Sprecher des russischen Staatsmonopolisten Gazprom. „Es gibt technische Kapazitäten, um die Durchlieferung nach Europa sicherzustellen“, sagte er. 80 Prozent des für Europa bestimmten russischen Erdgases fließt durch die Ukraine.
Russland droht der Ukraine ab dem 1. Januar den Gashahn zuzudrehen, wenn das Land seine Schulden über rund 1,4 Milliarden Euro nicht zurückzahlt. „So kann das nicht weitergehen“, sagte Medwedjew. „Sie (die Ukrainer) sollen das Geld bis auf den letzten Rubel bezahlen, wenn sie nicht wollen, dass ihre Wirtschaft unter russischen Sanktionen leidet.“
Der Gazprom-Sprecher schlug unterdessen moderatere Töne an. Das Nachbarland könne den bevorstehenden Stopp verhindern, wenn es klar darlege, wie es seine Schulden begleichen werde. „Wir müssen eine ganz klare Übereinkunft haben, wie wir dieses Geld wiederbekommen“, sagte der Sprecher.
Vor zwei Jahren hatte Gazprom der Ukraine zeitweise den Gashahn zugedreht, wovon auch Lieferungen nach Westeuropa beeinträchtigt worden waren. Auch der neue Streit könnte sich wieder auf die Gasversorgung der Europäischen Union auswirken. Am Montag hatte Gazprom gewarnt, dass die Position der Ukraine „zu einer Störung der Lieferstabilität in Europa führen könne“.



