Angesichts der internationalen Finanzkrise und des drohenden Verlustes von Arbeitsplätzen verschärft Großbritannien seine Einwanderungspolitik. „In der Vergangenheit war es zu einfach einzureisen, und das wird schwieriger werden“, sagte der neue Einwanderungsminister Phil Woolas der Zeitung „The Times“ (Samstagsausgabe). Woolas zufolge birgt eine liberale Einwanderungspraxis soziale Sprengkraft: „Wenn Menschen arbeitslos werden, wird das Thema Immigration extrem heikel“, sagte der Minister. Die konservative Opposition erklärte, sie fordere seit langem eine restriktivere Einwanderungspolitik. Die Regierung müsse nun auf Worte Taten folgen lassen.
Woolas lehnte es ab, sich auf eine Zahl von Einwanderern festzulegen. Er betonte jedoch, seine Regierung werde gegen das Bevölkerungswachstum angehen. „Diese Regierung wird es nicht zulassen, dass die Bevölkerung auf 70 Millionen ansteigt“, sagte er. Dem Minister zufolge könnte die durch die Finanzkrise steigende Arbeitslosigkeit bei zugleich erhöhter Einwanderung zu sozialen Spannungen führen. Großbritannien werde auch im Falle einer Rezession weiterhin zu den reichsten Staaten der Welt zählen und somit als Einwanderungsland attraktiv bleiben. Daher seien Reformen „umso dringlicher“.
Bislang hatte die Labour-Regierung in der Einwanderungspolitik eine liberale Strategie verfolgt und mittels eines Punktesystems qualifizierte Einwanderer ausgewählt. Unter der Labour-Regierung erreichte die Einwanderung ein Rekordniveau: Zwischen 2001 und 2007 wuchs die britische Bevölkerung vor allem aufgrund von Zuwanderung um fast zwei Millionen auf rund 61 Millionen Menschen an. Die Arbeitslosigkeit stieg in Großbritannien zuletzt auf 5,7 Prozent, den höchsten Wert seit mehr als acht Jahren.
Ein Sprecher der konservativen Tories, Dominic Grieve, sagte, seine Partei fordere seit Jahren eine Begrenzung der Einwanderung. Die Regierung habe diesen Vorschlag jedoch stets „mit Verachtung“ gestraft. Harte Worte genügten aber nicht, sagte Grieve. Die Regierung müsse nun erläutern, wie sie diese in Taten umsetzen wolle. Die Tories fordern laut Grieve unter anderem eine jährliche Begrenzung von Einwanderern aus Nicht-EU-Ländern und die Aufstellung einer Truppe zur Sicherung der britischen Grenzen.



