Vor dem Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, John Roberts, sagte Obama: „Ich gelobe feierlich, dass ich das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten getreulich verwalten und die Verfassung der Vereinigten Staaten nach besten Kräften erhalten, schützen und verteidigen will.“
Bei der Vereidigung legte der neue US-Präsident die Hand auf eine Bibel. Der in der Verfassung verankerten Eidesformel fügte er wie seine Vorgänger den religiösen Zusatz hinzu: „So wahr mir Gott helfe.“
Obama ist der 44. Präsident der USA und deren erstes Staatsoberhaupt mit dunkler Hautfarbe. Der 47-jährige demokratische Politiker tritt die Nachfolge des Republikaners George W. Bush an, dessen achtjährige Amtszeit von den Terroranschlägen am 11. September 2001 und den Kriegen in Afganistan und im Irak geprägt war.
Weit über eine Million Menschen waren zu den Feierlichkeiten des Amtswechsels vor das Kapitol geströmt. Auch die früheren Präsidenten Bill Clinton, Jimmy Carter und George Bush Senior waren unter den Gästen.
Obama schwor in seiner ersten Rede als Präsident die Amerikaner auf einen nationalen Kraftakt ein. „An diesem Tag kommen wir zusammen, denn wir haben die Hoffnung über die Angst gestellt, das gemeinsame Ziel über Uneinigkeit und Zwietracht“, sagte ein energischer Obama am Dienstag in Washington. Es müsse endlich Schluss sein mit den Missständen und falschen Versprechen, mit gegenseitigen Anschuldigungen, die „unsere Politik viel zu lange stranguliert haben“, sagte Obama.
Die „Nation ist im Krieg gegen ein weitreichendes Netzwerk von Hass und Gewalt“, betonte Obama. Die Wirtschaft sei geschwächt, als Folge von Gier undVerantwortungslosigkeit einiger weniger, „aber auch wegen unseres kollektiven Versagens, harte Entscheidungen zu treffen und das Land auf ein neues Zeitalter vorzubereiten“.
Obama nannte als deutliche Zeichen der Krise die Probleme auf dem Immobilienmarkt, die wachsende Arbeitslosigkeit sowie die Mängel des Gesundheitswesens. Weniger messbar, aber genauso bedrohlich sei „das schwindende Selbstbewusstsein quer durch unser Land, die nagende Angst, dass Amerikas Niedergang nicht aufzuhalten ist und dass die nächste Generation ihre Erwartungen herunterschrauben muss“. Dies allerdings werde nicht eintreten.
Die größten Herausforderungen für Obama sind die weltweite Wirtschaftskrise, die Beendigung der Kriege im Irak und in Afghanistan sowie der Klimaschutz. Die Amtseinführung, die auf den Stufen des Kapitols unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen stattfand, wurde in alle Welt übertragen.
Die Erwartungen an Obama sind enorm – auch in Deutschland. Bundesregierung und Opposition setzen nach dem Führungswechsel in Washington auf ein rasches Ende der amerikanischen Alleingänge. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hofft auf eine neue Ära, die durch gegenseitiges Zuhören geprägt wird. Entscheidungen müssten auf der Grundlage fallen, „dass nur ein Land alleine die Probleme der Welt nicht lösen kann, sondern dass wir das gemeinsam miteinander schaffen“, sagte Merkel in der ARD.
Auch bei der Lösung der Finanzkrise erwartet die Kanzlerin von der neuen US-Führung einen stärkeren multilateralen Ansatz: „Das heißt, dass auch die Vereinigten Staaten von Amerika, wenn es um internationale Abkommen geht, ein Stück ihrer eigenen Souveränität internationalen Organisationen zur Verfügung stellen“. Dies bedeute auch, dass sich Washington auf verbindliche Regeln bei den Finanzmärkten einlasse.
Laut Merkel kommt Obama mit großer Wahrscheinlichkeit am 3. April zum Nato-Jubiläum nach Deutschland. Nach Angaben des Koordinators für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Karsten Voigt, wird die Kanzlerin noch vorher nach Washington reisen. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) rechnet mit einem „engen Schulterschluss“ in zentralen Fragen. „Wie wir muss er sich mit ganzer Kraft gegen die Wirtschaftskrise stemmen“, sagte der Vize-Kanzler.
Nach der Amtseinführung Obamas flog der scheidende Präsident George W. Bush mit seiner Frau Laura nach Midland in Texas, wo er viele Jahre seines Lebens verbrachte. Dort jubelten ihm bei einer Kundgebung Tausende Fans zu. Danach reiste Bush auf seine Ranch in Crawford, wo er allerdings nicht mehr lange wohnen wird. Die Familie hat sich ein Haus in einem Vorort der texanischen Großstadt Dallas gekauft.
mh/omi/dpa/AP



