"Erklärungspflicht"

Unterstützung für neue Organspende-Regelung

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Foto: DCP MAS**SPC** CL**FK** RH**FK** / AP

Es gibt zu wenig Spender: Um das zu ändern, will Bayerns Sozialministerin Christa Stewens, dass jeder Versicherte sich verpflichtend erklären muss, ob er spenden will oder nicht. Viele befürworten die Idee – doch das Gesundheitsministerium ist dagegen.

Der Vorstoß der bayerischen Sozialministerin Christa Stewens zu einer Neuregelung der Organspenden ist bei Politikern und Verbänden auf verhaltene Zustimmung gestoßen. Im Gespräch mit Morgenpost Online hatte die CSU-Ministerin in Anlehnung an ein Konzept des Nationalen Ethikrates vorgeschlagen, dass mit Einführung der elektronischen Gesundheitskarte jeder Versicherte erklären muss, ob er nach seinem Tod ein Organ spenden will oder nicht.

Nachdem die Unionsparteien jenem Ethikrat-Konzept bisher eine kategorische Absage erteilt hatten, erklärte nun der CDU-Bioethikexperte Hubert Hüppe, über Stewens’ Vorschlag könne durchaus diskutiert werden. Es müsse aber absolut sicher ausgeschlossen sein, dass jemand, der sich gegen eine Organspende entscheidet oder gar keine Entscheidung treffen will, irgendeinen Nachteil hat.


Zustimmend äußerte sich die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die für die Verteilung von Spenderorganen zuständig ist. Ihr medizinischer Vorstand Günther Kirste erklärte auf Anfrage: „Grundsätzlich begrüßen wir den Vorschlag der bayerischen Sozialministerin, dass sich zukünftig jeder Träger einer elektronischen Gesundheitskarte zur Organspende äußern sollte. Die DSO hat bereits verschiedene Gespräche zu einer möglichen technischen Umsetzbarkeit einer solchen Karte geführt. Voraussetzung ist allerdings, dass die Bevölkerung im Vorfeld über eine breite Informationskampagne aufgeklärt wird, um überhaupt eine stabile Entscheidung treffen zu können.“


Ärztekammer fordert intensivere Aufklärungskampagnen

Skeptischer zeigte sich der mit dem Thema der Organspenden befasste SPD-Rechtspolitiker Matthias Miersch. Er bezweifelte gegenüber Morgenpost Online, dass durch ein bloßes Ankreuzverfahren bei der elektronischen Gesundheitskarte relatedlinks sicherzustellen sei, dass die Bereitschaft zur Organspende wirklich wohlüberlegt sei. Doch forderte Miersch zugleich, man solle den Aufruf des Nationalen Ethikrates befolgen, dass der Staat alle Bürger ansprechen muss, ob sie zu einer Spende bereit sind oder nicht. In welcher Form eine solche Anfrage bei den Bürgern am besten geschehen könne, sei noch zu prüfen.


Dagegen lehnt der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater, Stewens’ Vorschlag ab. Statt den Bürgern eine Erklärungspflicht aufzuerlegen, müsse man sie besser über Organspenden informieren.


Hingegen meinte der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe: „Die bayerische Sozialministerin hat mit ihrem Vorschlag einer modifizierten Widerspruchsregelung die Diskussion erneut entfacht, sie hat sensibilisiert und sich für eine gute Sache eingesetzt – für die Organspende. Welche Regelung der Organspende letztlich zu Grunde liegt, ist nicht so sehr entscheidend. Von Bedeutung ist die Akzeptanz und tatsächliche Bereitschaft, Organe zu spenden.“ Daher fordere die Ärztekammer intensivere Aufklärungskampagnen.

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