Auch am sechsten Tag der israelischen Luftangriffe im Gazastreifen dauert der heftige Raketenbeschuss israelischer Städte durch militante Palästinenser an. In den Städten Beerschewa, Aschkelon und Aschdod schlugen auch am Donnerstag wieder mehrere Raketen ein, wie israelische Medien berichteten.

In Aschdod wurde ein achtstöckiges Wohnhaus direkt getroffen. Die Explosion der Rakete löste einen Brand aus. Zwölf Menschen hätten einen Schock erlitten, meldete der israelische Rundfunk. Das Gebäude, in dem sich noch Menschen aufhielten, drohe einzustürzen. Nach Angaben einer Armeesprecherin wurden insgesamt mehr als zehn Raketen auf Israel abgefeuert. Es gab keine Berichte über Verletzte.

Wie die Tageszeitung „Haaretz“ berichtet, sprach sich die israelische Armeeführung für einen großangelegten, zeitlich jedoch befristeten Einmarsch in das von der radikal-islamischen Hamas kontrollierte Küstengebiet aus. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert soll den Vorschlag befürworten.

Olmert selbst betonte, Israel wolle keinen langen Krieg im Gazastreifen. In Beerschewa sagte der Ministerpräsident am Neujahrstag, dem sechsten Tag der Luftangriffe auf das Palästinensergebiet: „Wir sind nicht daran interessiert, einen langen Krieg zu führen und wir wollen auch nicht die Front erweitern.“

Die israelische Außenministerin Zipi Livni reiste am Donnerstag zu Gesprächen über die Gaza-Krise nach Paris. Sie wollte dort unter anderem den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy treffen. Sarkozy wird am Montag zu Vermittlungsgesprächen in Israel erwartet. Israel hatte einen französischen Vorschlag über eine 48- stündige Waffenruhe abgelehnt.

Die israelische Luftwaffe setzte auch am sechsten Tag der Militäroffensive „Gegossenes Blei“ ihre Angriffe im Gazastreifen fort. Dabei seien erneut Regierungsgebäude der radikal-islamischen Hamas-Organisation sowie Schmugglertunnel an der Grenze zu Ägypten beschossen worden. In Dschebalia sei bei den Angriffen eine Frau getötet worden. Auch die Marine habe von der See aus erneut Ziele der Hamas bombardiert.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak hatte am Mittwoch gesagt, Israel sei entschlossen, die Ziele der Militäroperation zu erreichen. Es will damit den ständigen Raketenbeschuss israelischer Grenzorte militanter Palästinenser unterbinden. Auch am Donnerstag gingen die Angriffe auf Israel weiter, auch die Wüstenstadt Beerschewa wurde erneut getroffen.

Hamas-Regierungschef Ismail Hanija schloss Verhandlungen über einen Waffenstillstand aus, solange Israels Angriffe auf den Gazastreifen andauerten und das Palästinensergebiet abgeriegelt sei. Gleichzeitig sprach Hanija in einer Fernsehansprache von einem baldigen Sieg der Palästinenser über Israel. „Das palästinensische Volk wird die Panzer besiegen“, sagte er mit Blick auf eine möglicherweise bevorstehende Bodenoffensive Israels im Gazastreifen.

Die israelische Luftwaffe hatte als Reaktion auf den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen am vergangenen Samstag mit der massiven Bombardierung von Hamas-Standorten in dem Palästinensergebiet begonnen. Seither starben nach palästinensischen Angaben etwa 400 Menschen, etwa 1900 wurden verletzt. In der gleichen Zeit schlugen auf israelischem Gebiet rund 300 Raketen aus dem Gazastreifen ein, vier Israelis wurden getötet.

dpa/AFP/Reuters/omi