Anfang der 90er-Jahre hatten die Menschen in Simbabwe eine Lebenserwartung von 61 Jahren, heute sind es 34 Jahre. Die Zahl sagt alles. Doch noch ist die Uhr von Simbabwes Machthaber Robert Mugabe nicht abgelaufen, der über Achtzigjährige will einfach nicht von der Macht lassen.
Das Restreservoir dieses alten Kämpen an Aversion gegen alles, was vom Westen, also den alten Kolonialmächten, kommt, muss riesig sein. Was Wunder, dass ein Land wie Simbabwe Unterstützung bei China sucht. Man kennt diese Mesalliancen. Anders als im Falle einiger Autokraten Afrikas, die sich nach dem Ende des Kommunismus für freie Wahlen entschieden und diese dann verloren (Sambia und Madagaskar), schaffte Mugabe es immer wieder, seiner Despotie einen legalistischen Anstrich zu geben.
Das Land hat demokratische Institutionen in bester britischer Tradition, es hat Gerichte und ein Parlament mit mehreren Parteien. Und doch reichte deren Kraft nicht aus. Mugabe, der Mann mit dem sardonischen Lächeln und den weißen Handschuhen, konnte seinen Machthunger weiter stillen. Erst mit Geld, dann mit Gewalt und Einschüchterung und nun mit Tricks und Verzögerungen, die seinen Hauptgegner Morgan Tsvangirai zermürben sollen.
Seit den Wahlen und der Vereinbarung vom 15. September, eine Regierung der „nationalen Einheit“ zu bilden, die man zudem mit dem Wort „historisch“ überfrachtete, wartet man auf Ergebnisse und nun wieder: Abbruch, Scheitern. Oppositionsführer Tsvangirai wird so langsam zum Ritter von der traurigen Gestalt, der nicht den Rückhalt hat, dem Unwesen Mugabes ein Ende zu bereiten. Zu allem Unglück wird das Ganze auch noch vom mittlerweile aus dem Amt gejagten Südafrikaner Thabo Mbeki „moderiert“, man kann auch sagen, desavouiert. Welch unglückselige Allianz.
Afrika ist nicht gerade ein Kontinent der Erfolgsgeschichten. Doch besonders das südliche Afrika, Länder wie Simbabwe und Südafrika, waren lange Zeit Symbole des Aufbruchs in eine bessere Welt, eine der Fairness zwischen den Rassen, des Fortschritts und des wirtschaftlichen Wohlstands. Und der Verantwortung der Eliten für ihr Land. Die Geschichte lehrt wieder einmal: Autokratie ist simpel. Demokratie hingegen permanente Anstrengung.




