Schäfer-Gümbel, weithin unbekannt und zuweilen für seinen Namen verspottet, ist ohne Frage ein hervorragender Start gelungen. Der Mann, der noch vor gut einem Monat ein Hinterbänklerdasein fristete, agiert ganz anders als ein Anfänger. Zudem kann er auf anständige Popularitätswerte verweisen. Das gilt sogar für den Vergleich mit Ministerpräsident Roland Koch, der sich bei der SPD und ihrem Harakiri-Kurs nur bedanken kann. Koch leidet weiter unter miesen Persönlichkeitswerten und der von seiner Regierung betriebenen Bildungspolitik.
An Themen also muss es der SPD im Landtagswahlkampf nicht mangeln. Doch natürlich hat die Partei wenig Anlass zur Hoffnung. Nach Stimmengewinnen und dem gefühlten Sieg bei der Wahl im Januar muss sie ein Jahr später mit einem desaströsen Ergebnis rechnen. Der Wortbruch Andrea Ypsilantis, das zuweilen peinliche und binnenfixierte Gebaren dieser Partei, nicht zuletzt ihr rüder Umgang mit den vier „Dissidenten“ dürfte bestraft werden.
Doch der Prozess der Selbstreinigung der hessischen SPD hat längst begonnen. Schäfer-Gümbel wurde an die Stelle Ypsilantis gesetzt. Er verzichtete auf die Beraterdienste des famosen Hermann Scheer, in denen viele in der SPD den Grund allen Übels sehen. Schäfer-Gümbel nimmt die Themen Wirtschaft und Finanzen stärker in den Blick, als es Ypsilanti getan hat. Kurz: Schäfer-Gümbel ist ein lernendes System. Und noch etwas unterscheidet den Spitzenkandidaten und seine Vorgängerin. Schäfer-Gümbel kann mit der Landtagswahl am 18. Januar eigentlich nur gewinnen.
Für Ypsilanti gilt das Gegenteil. Gestern hat die SPD Ypsilanti einen kleinen, aber schmerzhaften Denkzettel verpasst. Jeder fünfte Delegierte verweigerte Ypsilanti die Stimme, als es darum ging, den zweiten Platz der Landesliste zu besetzen. Die Bundes-SPD dürfte das erfreuen. Im Februar wird die hessische SPD ihre Führung neu wählen. Eine Bestätigung Ypsilantis ist hier nicht mehr zu erwarten. Ihr Abstieg setzt sich fort. Nach der Landtagswahl vielleicht gar galoppierend.
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