Der Tagungsort der Nato in Bukarest ist der riesige Parlamentspalast in der Innenstadt, den Ceausescu in den 80er Jahren als Zeichen seiner Macht errichten ließ. Während Reiseführer den Komplex als zweitgrößtes Gebäude der Welt nach dem Pentagon bei Washington rühmen, beklagen Architekten die Zerstörung des historischen Stadtkerns: Kirchen, Synagogen und einzigartige Villen aus der Zeit der Jahrhundertwende mussten dem Gebäude weichen.

Der Parlamentspalast ist in mancher Hinsicht ein Stein gewordenes Monument der Narben, die Ceausescu dem Land zufügte. Schon während des Baus stand der großtuerische Pomp des Gebäudes in scharfem Kontrast zu den harten Bedingungen, unter denen die meisten Rumänen ihr Leben fristeten: Mit Lebensmittel-Rationen, die nur knapp den Hungertod verhinderten und Heizungen, die nur ein paar Stunden am Tag funktionierten – wenn überhaupt. Noch heute, fast 20 Jahre nach der Hinrichtung Ceausescus in der blutigen Revolution 1989, kämpfen die Behörden mit den Hinterlassenschaften seines Regimes. Sie versuchen, ihre heruntergekommene Stadt zu modernisieren, den chaotischen Verkehr in den Griff zu bekommen und die Armut vieler Bewohner zu lindern.

„Der Palast ist eine sehr gute Illustration für die Art, wie ein totalitärer Herrscher die Beziehung zu seinem Volk sieht“, sagt die Architektin Mariana Celac, die unter Ceausescu zu den Dissidenten gehörte. „Der Palast hat Mauern, verschlossene Tore, er setzt Grenzen und zwingt zur Überwindung riesiger Distanzen - zu Fuß und am besten in Demut“. Ceausescu selbst nannte das Gebäude „Haus des Volkes“. Er wird mit den Worten zitiert, der Palast werde die Akropolis Rumäniens. „Ich brauche etwas großes, etwas sehr großes, das zeigt, was wir bereits erreicht haben“, soll der Diktator gesagt haben.

Tausende Tonnen Kristall, Marmor und Holz wurden aus ganz Rumänien nach Bukarest gekarrt, um den Komplex zu errichten. Das Material schmückt langgestreckte Korridore und pompöse Hallen ebenso wie Geheimtunnel und einen Atombunker. Heute finden sich in dem von der Architektur in Nordkorea inspirierten Gebäude mit seinen 3000 Zimmern beide Kammern des rumänischen Parlaments, ein Kunstmuseum und ein gigantisches Konferenzzentrum.

Reuters/wos