Jürgen von der Lippe, Cordula Stratmann, FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin und Dieter Bohlen probten den Aufstand und brachten den Moderator schier zur Verzweiflung. Keiner von ihnen schaffte es, die Buchstaben von dem Wort "neunundneunzig" absteigend nach ihrer Häufigkeit zu ordnen. Weil es galt, viel Geld für ausgewählte Hilfsprojekte zusammen zu raten, drückte Günther Jauch ein Auge zu, stellte die Frage noch einmal - diesmal in der Variante aufsteigend in der Häufigkeit zu sortieren. "Am liebsten würde ich Sie küssen", gestand Jauch erleichtert der Politikerin, die beim zweiten Versuch als einzige auf die richtige Tastenfolge gesetzt hatte. Seine Freude hielt nicht lange an: Unsicher hangelte sich die Europaabgeordnete von Frage zu Frage, so dass ihr Pressereferent als Publikumsgast im fiesen gelben Pulli nur verkniffen vor sich hinstierte. "Wenn ich nicht die Schreie der Kinder in den SOS Kinderdörfern in den Ohren hätte, hätte ich die Sendung längst abgebrochen", meckerte Jauch.
Wer sich von Jürgen von der Lippe auf dem Ratestuhl mehr Witz erhoffte, wurde enttäuscht. Wortkarg, aber souverän spielte sich der Entertainer durch die Gewinnstufen und schreckte auch nicht davor zurück den Moderator altklug darüber aufzuklären, dass "alldieweil" temporal und nicht kausal eingesetzt werde. "An Ihrer Stelle wäre ich freundlicher zum Spielleiter", warnte ihn Jauch. Vor dem vorzeitigen Abgang rettet den Kandidaten ein promovierter Historiker und Waldorflehrer, der richtig tippte, dass Jassir Arafat und nicht Moamar al-Gaddhafi 1974 mit umgeschnallten Pistolenhalfter ans Rednerpult der UN-Vollversammlung getreten war. Sämtliche Sprüche gegen Waldorfschulen schluckte Jauch runter und gelobte mit einem spitzbübischen Lächeln, sein nächstes Kind auf jeden Fall in eine Waldorfschule zu stecken.
Cordula Stratmann und Dieter Bohlen hätten vermutlich noch bis zur nächsten Sendung auf ihren Einsatz gewartet und darüber gegrübelt, wo sich beim afrikanischen Elefanten die Schwanzflosse befindet. Stoßzahn, Bein, Rüssel und Schwanzflosse sollten sie aufsteigend nach der üblichen Anzahl bei dem Dickhäuter sortieren. Jauch zeigte schließlich Erbarmen und ließ der Comedy-Frau den Vortritt. Sie sorgte dafür, dass selbst der routinierte Moderator ins Staunen kam: Ihr Joker ging gar nicht erst ans Telefon. "So ne feige Nuss wie Sie hatte ich noch nie in meiner Sendung", schimpfte Jauch auf den Anrufbeantworter, bevor es beim zweiten Wählversuch schließlich klappte.
Der unterhaltsamste Kandidat ließ bis zum Schluss auf sich warten. Lag es wohl an der Freundin, die im Publikum mitzitterte oder an dem Druck, wie seine gesammelten Vorgänger auch auf 125.000 Euro zu kommen? Dieter Bohlen wirkte jedenfalls nervös. Nach einem anfänglichen Total-Blackout bei der dämlichen Frage: "Was stellt man beim Betrachten der Deutschlandkarte fest?" (Anker weg, Bug leck, Kiel oben oder Mast gebrochen), drehte Bohlen in altbekannter Schnodderigkeit völlig auf. Konsequent duzte er Jauch, obwohl der distanziert auf das "Sie" beharrte. Anders als von der Lippe begnügte er sich nicht mit Frage-Antwort, sondern gab dazwischen typische Bohlen-Anekdoten zum Besten. Wie die, dass er lange in Marie Versini - Winnetous Schwester Nscho-tschi - verliebt war. Noch heute ähnelten alle seine Freundinnen der Schauspielerin: "Ich bin von dem Winnetou-Trip nie runtergekommen, das hat man sogar bei Thomas Anders gesehen."
Bei einer "Romeo und Julia"-Frage rettete ihn ein eigener Song: "Weil ich so intelligente Texte schreibe, kümmere ich mich schon um die Thematik", lobte er sich selbst dafür. Der Rest war gezockt. "Ich will so viel wie die anderen", sagte er ungeduldig und stieg erst aus, als er sein Ziel erreicht hatte. Nach dem Motto "Ich sach einfach hier C" setzte Bohlen auf seine Intuition und schaltete bei den nachgeschobenen Erklärungen von Jauch auf Durchzug: "Ist mir völlig wurscht. Hauptsache es is richtig."
Quote
12.65 Millionen Zuschauer sahen das Prominentenspezial von „Wer wird Millionär?“. Durchschnittlich 9,64 Millionen Zuschauer ab drei Jahren (30,3 Prozent Markanteil) sahen die Show. Der Marktanteil in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen betrug 31,3 Prozent.





