Die Fälle von Datenklau an Geldautomaten in Deutschland haben nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) im ersten Halbjahr 2008 drastisch zugenommen. In dieser Zeit seien 440 Geräte von Banken und Sparkassen präpariert worden, um Daten von EC-Karten zu kopieren. Das seien fast so viele wie im gesamten Jahr 2007, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke in Berlin. Im Vorjahr waren 459 Fälle bekannt geworden.


An den manipulierten Geldautomaten seien seit Jahresbeginn 1319 Mal die Daten von Bankkunden ausspioniert worden, sagte der BKA-Chef. Damit sei die Zahl vom gesamten Jahr 2007 mit 1349 bereits fast erreicht. Bei dem sogenannten Skimming montieren die Täter meist ein Vorsatzgerät auf den Einzugsschlitz, mit dem die Daten ausgelesen werden, während eine Videokamera die PIN-Eingabe des Kunden aufzeichnet. Anschließend können die Täter ein Duplikat der Karte anfertigen.

Das BKA ermittelte nach eigenen Angaben in diesem Jahr bislang gegen 62 vornehmlich rumänische Tatverdächtige. Zugleich seien die handelnden Banden zerschlagen worden. An bundesweit 38 Tatorten seien die Kriminellen aktiv gewesen. Die meisten Manipulationen an Automaten habe es in Frankfurt am Main (8), Nürnburg (7), Dortmund (6) und Osnabrück (5) gegeben. 31 Tatverdächtige sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

Ziercke forderte angesichts des Voranschreitens dieser Kriminalitätsform die Hersteller und Betreiber von Geldautomaten, elektronischen Zugangssystemen und sogenannten POS-Terminals im Handel auf, alles zu unternehmen, um Manipulationen zu verhindern, zumindest aber zu erschweren. „Der hohe Ermittlungsaufwand der Strafverfolgungsbehörden allein wird das Phänomen nicht eindämmen können“, sagte er. Als einen Weg sehe er die „flächendeckende Umstellung auf Chiptechnologie, den Abbau von Türöffnern als Zutrittskontrollsystem für Bankfoyers und die weitere Installation von Überwachungskameras im Bereich von Geldautomaten“, erläuterte der BKA-Chef.


Weniger Organisierte Kriminalität


Die Organisierte Kriminalität insgesamt geht in Deutschland weiter zurück. Im vergangenen Jahr wurden dem BKA zufolge 602 entsprechende Verfahren geführt und gegen 10.356 Verdächtige ermittelt. Den Gewinn krimineller Organisationen schätzt das Bundeskriminalamt auf rund 480 Millionen Euro. Dennoch habe die Organisierte Kriminalität weiterhin eine hohe Bedeutung, betonte Ziercke. So würden legale Wirtschaftszweige zunehmend durch die illegalen Gewinne mafiöser Organisationen unterwandert. Die meisten Fälle wurden im Rauschgifthandel und -schmuggel (37 Prozent), bei der Eigentumskriminalität (16,6 Prozent) und bei der Wirtschaftskriminalität beobachtet (15,4 Prozent). Der Renner in der Organisierten Kriminalität sind mobile Navigationsgeräte. 2007 wurden 54232 Geräte gestohlen, 2004 waren es 10637.

Mehr Drogentote


Die Zahl der Drogentoten in Deutschland stieg im ersten Halbjahr 2008 drastisch an. 659 Menschen starben an den Folgen des illegalen Drogenkonsums. Das sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rund 20 Prozent mehr. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres waren bundesweit 551 Drogentote gemeldet worden.


Als häufigste Todesursache nannte der BKA-Chef eine Überdosis Heroin, zum Teil auch in Verbindung mit anderen Drogen. Die deutliche Zunahme der Todesfälle seit Jahresbeginn sei zudem darauf zurückzuführen, dass immer mehr Konsumenten infolge von Langzeitschäden stürben, erläuterte Ziercke. So sei die Zahl der Drogentoten in allen Altersgruppen über 25 Jahren gestiegen. Ein Rückgang gebe es hingegen bei den 18- bis 24-Jährigen.


Im Vorjahr war die Zahl der Rauschgiftopfer mit insgesamt fast 1400 erstmals seit 2001 wieder angestiegen. 2006 waren in Deutschland mit 1296 Drogentoten so wenig wie seit 1989 nicht mehr gezählt worden.

Kinderpornografie hat sich ausgebreitet

Zur Bekämpfung des sich rasant ausbreitenden Handels mit Kinderpornographie forderte der Präsident des Bundeskriminalamtes ein Gesetz zur Sperrung entsprechender Webseiten. Zwischen 2006 und 2007 habe der Vertrieb kinderpornographischer Bilder und Videos in Deutschland insgesamt um 55 Prozent zugenommen, sagte Ziercke. Im vergangenen Jahr hätten die Behörden 11.357 Fälle ermittelt; 2006 seien es noch 7318 Fälle gewesen. Die Verbreitung über das Internet habe sich im gleichen Zeitraum sogar mehr als verdoppelt: von 3271 auf 6206 Fälle.


Ein Großteil des Kinderporno-Angebots werde über kommerzielle Websites ins Internet gestellt, sagte Ziercke. Technische Zugangssperren, wie sie in vielen anderen Ländern bereits praktiziert würden, könnten den Handel eindämmen. In Norwegen beispielsweise würden durch das so genannte Access Blocking jeden Tag rund 15.000 Zugriffsversuche auf kinderpornografische Angebote abgewehrt. Bei den Betreibern in Deutschland sei hingegen keine Bereitschaft zu einer freiwilligen Selbstverpflichtung zu erkennen. „Ich glaube, dass wir nur über eine gesetzliche Verpflichtung weiterkommen“, sagte Ziercke.

afp/ddp/lk