Dienstag, 4. November: Der Tag der Wahl
James Rainey beschreibt in der „Los Angeles Times“ die Erleichterung darüber, dass der schier endlos scheinende Wahlkampf ein Ende findet. „Die politisch aufgeladenen Unterhaltungen im Kaffeehaus. Das ständige Herumdrücken auf Staaten in Computer-Karten zur Verteilung der Wahlmänner (Florida – rot oder blau?). Die Stunden der Hypnose beim Anschauen von Fox, CNN und YouTube. Es ist Zeit, dass das alles vorbei ist.“ Viele Amerikaner, so Rainey, hätten das Ende des Wahlkampfs kaum mehr abwarten können. „Es Zeit für sie und ihr Land, nach vorn zu blicken.“
Die „New York Times“ wirft einen Blick auf die Dinge, die der zu Ende gehende Wahlkampf von Barack Obama und John McCain verändert hat. Adam Nagourney schreibt, die Veränderungen seien enorm, doch über die Schlacht zwischen den beiden Kandidaten habe man sie beinahe vergessen. Der Wahlkampf habe die Regeln für eine Reihe von Dingen geändert: „Wie man Wähler erreicht, Geld aufbringt, Unterstützer organisiert, mit den Medien umgeht, die öffentliche Meinung analysiert und formt, und wie man politische Angriffe ausführt – und sie aushält.“ Auch die vermeintlich klare Aufteilung der Bundesstaaten in demokratisches und republikanisches Territorium sei dahin.
Mit der enormen Aufmerksamkeit für das Rennen um die Präsidentschaft befasst sich die „Buffalo News“ . Obwohl noch so viele andere Dinge auf den Wahlzetteln stünden, sei der Wettkampf zwischen McCain und Obama das einzige Gesprächsthema, schreibt Robert J. McCarthy. „Besorgte Amerikaner geben heute ihre Stimmen ab, während ihr Militär in zwei Kriegen auf der anderen Seite der Erde kämpft und es ihrer Wirtschaft bald so schlecht geht wie seit Generationen nicht mehr.“ Zugleich machten die Amerikaner an diesem Tag Geschichte, schreibt McCarthy weiter, indem sie entweder Obama zum ersten afroamerikanischen Präsidenten oder Sarah Palin zur ersten Frau im Amt des Vizepräsidenten machten. Die meisten Beobachter sagten, so McCarthy, „dass der Wahlkampf 2008 das Wahlvolk mitgerissen hat wie kein anderer, soweit man sich zurückerinnern kann“.
Die möglichen Probleme bei der Stimmabgabe sind Thema im „Boston Globe“ . Brian C. Mooney schreibt, vielerorts müssten die Buerger mit langen Schlangen vor den Wahllokalen rechnen. Wahlbeobachter sähen „Zusammenbrüche der Technik und fehlerhafte Wählerlisten“ voraus, um die sich die lokalen Verantwortlichen würden kümmern müssen. „Wegen der katastrophalen Probleme bei den Wahlen 2000 und 2004 ist eine wahre Armee von selbsternannten Wahlbeobachtern im Land unterwegs. Sie werden die Aktivitäten am Wahltag genau beobachten, wobei Anhänger der Republikaner vor allem nach Beweisen für Wahlbetrug suchen, während sich Anhänger der Demokraten nach Belegen dafür umsehen, dass Wähler eingeschüchtert oder in die Irre geführt wurden.“
Mit John McCains letzten Wahlkampfanstrengungen befasst sich in seinem Heimatstaat die „Arizona Republic“ . Der Republikaner plane, den Wahltag da zu beginnen, „wo seine politische Karriere begann: in Arizona“, schreibt Dan Nowicki. „Es wird erwartet, dass er in Phoenix eine Stimme für sich selbst abgibt. McCain wird zudem in Colorado und New Mexico auftreten und dann in unseren Bundesstaat zurückzukehren und die Wahlergebnisse abzuwarten.“ Obama liege landesweit vorn, schreibt Nowicki, und McCain habe feststellen müssen, „dass sogar Arizona keine sichere Sache mehr für ihn ist.“
In der „Chicago Sun-Times“ wiederum schreibt Lynn Sweet über das Ende des Wahlkampfs von Obama. Er kämpfe bis zum Schluss, und das trotz der Trauer um seine jüngst verstorbene Großmutter. „Er bekam die Nachricht von ihrem Tod um acht Uhr morgens in Florida und hat danach noch mehrere Auftritte absolviert“ berichtet Sweet – Obama sei nach North Carolina und dann nach Virginia geflogen, um am Montagabend schließlich in seinen Wohnort Chicago zurückzukehren.
Montag, 3. November: Der letzte Tag vor der Wahl
Mit John McCains Auftritt in der Comedy-Sendung „Saturday Nicht Live“ befasst sich heute eine Reihe von Zeitungen. Im „Christian Science Monitor“ schreibt Jimmy Orr, der Auftritt sei gut gelaufen. „Die Quoten waren gut. Und viele der so genannten Entertainment-Kommentatoren gaben McCain gute Noten.“ Allerdings habe McCains Vizekandidatin Sarah Palin bei ihrem Gastspiel in der Sendung deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen – so wie es auch bei den TV-Debatten der Fall gewesen sei. „McCains Auftritt verschaffte der Sendung die zweitbesten Quoten der letzten zwölf Jahren. Bessere Quoten gab es nur vor zwei Wochen beim Auftritt von... Sarah Palin.“
Im Swing State Ohio befasst sich die „Columbus Dispatch“ mit den Sorgen vieler Wähler, dass es bei der Abstimmung am Dienstag zu technischen Problemen und chaotischen Szenen kommen könnte. Mark Niquette schreibt: „Die Verantwortlichen sagen sie haben zusätzliche Wahlmaschinen angeschafft, die Regeln klarer gefasst und viele andere Schritte unternommen, um die Probleme, die die Wahl 2004 so schwierig machten, diesmal zu vermeiden.“ Doch es lieben weiterhin Zweifel, schreibt Niquette. Ein großes Problem könnten erneut lange Schlangen vor den Wahllokalen sein. „Manche Wähler warteten vor vier Jahren stundenlang, und niemand weiß, wie viele irgendwann nicht mehr warten konnten oder wegen der langen Schlangen erst gar nicht zur Wahl gegangen sind.“
In einem anderen Swing State, Florida, geht es dem „Miami Herald“ um die letzten Versuche der Kandidaten, noch Wähler auf ihre Seite zu ziehen. McCain sei am Sonntagabend in der Universität von Miami aufgetreten, bei einer Veranstaltung mit viel Musik, während der demokratische Vizekandidat Joe Biden am selben Tag drei andere Universitätsstädte des Bundesstaates besucht habe, schreiben Marc Caputo, Joseph Goddman, Patricia Mazzei und Beth Reinhard. „Die Demokraten führen knapp in den Umfragen und haben bereits viele Frühwähler für sich gewonnen. Sie versuchen, Florida zu dem Staat zu machen, der McCain das Genick bricht. Seit 1924 hat kein Republikaner das Weiße Haus erobert, ohne in Florida zu gewinnen.“ Die Republikaner hofften derweil, dass unentschlossene Wähler das Rennen in Florida noch zu McCains Gunsten drehen.
Todd J. Gillman und Gromer Jeffers Jr. beschäftigen sich in den „Dallas Morning News“ mit der Ausgangsposition der beiden Kandidaten für die letzten Wahlkampfanstrengungen. Obama, „der Selbstvertrauen besitzt und klar führt“, spiele das Spiel weiterhin offensiv, insbesondere in Staaten, in denen die Republikaner die jüngsten Präsidentschaftswahlen gewonnen haben. „McCain hält sich weiterhin an die scharfen Attacken auf Obama und versucht so, dessen Vorsprung in kurzer Zeit schrumpfen zu lassen.“
In den „New York Daily News“ befassen sich gleich zwei Autoren mit dem so genannten Bradley-Effekt. Dieser besagt, dass schwarze Kandidaten in Umfragen bessere Werte erreichen als bei der tatsächlichen Wahl, weil viele Menschen ihren latenten Rassismus verhüllen. Während Sam Wang dafür argumentiert, dass der Bradley-Effekt keinen Einfluss auf die Wahl am Dienstag haben wird, schreibt Christopher Parker, man solle die Möglichkeit nicht ausschließen. „Obwohl viele Amerikaner bereit sind, für schwarze Gouverneure, Senatoren, Buergermeister und Abgeordnete zu stimmen, wissen wir nicht, ob sie wirklich bereit sind für einen schwarzen Präsidenten.“ Wer den Bradley-Effekt für die Wahl am Dienstag ausschließe, tue dies demnach voreilig.
Sonntag, 3. November 2008: Noch zwei Tage bis zur Wahl
An diesem Sonntag ist die Wahl nur noch zwei Tage entfernt, und viele Zeitungen bemühen sich um eine generelle Einordnung der Abstimmung. Carolyn Lochhead schreibt im „San Francisco Chronicle“ , dass die Wahl als historisch gelten könne. 2008 sei „eine Rarität. Es ist das erste Mal seit Eisenhower 1952 gegen den Demokraten Adlai Stevenson antrat, dass keiner der Kandidaten bereits Mitglied der Regierung ist.“ Zudem, so Lochhead, sei Sarah Palin die erste weibliche republikanische Vizekandidatin. Zusammen mit Obama beende sie „die 219 Jahre alte Tradition, dass die beiden großen Parteien jeweils zwei weiße Männer ins Rennen schicken.“
Mit dem gleichen Thema befasst sich Frank Bruni in der „New York Times“ . Der Wahltag sei „der Höhepunkt der ungewöhnlichsten Präsidentschaftswahl in der 232-jaehrigen Geschichte dieses Landes“. Der Wahlkampf sei eine Art „Therapie“ gewesen, schreibt Bruni, eine „Lektion in der Erhöhung der Aufmerksamkeit“. „Ganze Klassen von besorgten Amerikanern haben ihre Hoffnungen und ihren Frust auf Obama und McCain projiziert.“ Die Reise der beiden in Richtung Weißes Haus habe die Menschen dazu ermutigt, über ihre Probleme und über schwierige Themen zu sprechen.
Der „Oregonian“ wirft einen Blick auf die Wirtschaftslage, um die sich der künftige Präsident wird kümmern müssen. „Zwei Tage vor dem Wahltag taumeln die Vereinigten Staaten auf eine Rezession zu“, schreibt Susan Nielsen. „Ich bin nicht sicher, wie wir uns aus dieser Misere befreien werden“. Egal ob McCain oder Obama gewinne, der nächste Präsident und der Kongress müssten den Grossteil ihrer Zeit darauf verwenden, langfristige Lösungen zu finden, so Nielsen – „die Krankenversicherung muss reformiert werden, Brücken und Eisenbahnstrecken müssen erneuert werden, das Land muss aus der Staatsverschuldung herauskommen“. Ziel sei es letztendlich, die USA wieder zu einem Ort zu machen, an dem Menschen und Unternehmen ohne Hilfe der Regierung überleben können.
Auch die „Los Angeles Times“ befasst sich mit der Wirtschaftslage und mit den Plänen der Präsidentschaftskandidaten dazu. Ralph Vartabedian schreibt, weder Obama noch McCain hätten ein revolutionäres Konzept. „In ihren Angriffen aufeinander hat keiner der Kandidaten die beiden Hauptprinzipien des föderalen Steuersystems rundweg abgelehnt.“ Vartabedian beschreibt die beiden Prinzipien folgendermaßen: „Dass das Steuersystem fair ist und dass es so wenig wie möglich tut, um Menschen davon abzuhalten, Wohlstand zu schaffen.“ Zudem hätten weder Obama noch McCain den Abbau des riesigen Staatsdefizits zu einer Priorität erklärt.
Samstag, 1. November 2008: Noch drei Tage bis zur Wahl
Mehrere Zeitungen befassen sich heute mit einem halböffentlichen Auftritt Barack Obamas an Halloween. Lynn Sweet berichtet in der „Chicago Sun-Times“ , der Kandidat habe dabei seine „berühmte Coolness“ verloren. Obama „war mit einem Mal genervt von der Presse“, als er mit seiner Tochter Sasha zu einer Halloween-Party in Chicago unterwegs war. Laut Sweet sagte er zu Reportern: „Okay Leute, das reicht. Ihr habt ein Bild bekommen. Lasst uns allein. Kommt schon. Geht zurück in den Bus.“ Danach seien er und seine Tochter davongesprintet.
Um den Wahlkampfendspurt von Obama und John McCain geht es im „Philadelphia Inquirer“ . Obama sei am Freitag nach Iowa zurückgekehrt, „McCain verbrachte den zweiten Tag in Folge in Ohio, einem Staat, in dem er fast zwingend siegen muss, um ins Weiße Haus zu kommen“, schreiben Peter Slevin und Juliet Eilperin. Obamas Wahlkampfteam „hat seine wachsende Zuversicht gezeigt, indem es neuerdings TV-Werbespots in McCains Heimatstaat Arizona sowie in Georgia und North Dakota ausstrahlt – alles Regionen, in denen bis vor kurzem ein Sieg McCains als sicher galt.“ Auch McCain habe sich jedoch zuletzt optimistisch gezeigt.
Die „Detroit Free Press“ befasst sich mit der Frage, welchen Einfluss junge Wähler auf das Ergebnis der Abstimmung am Dienstag haben werden. „ Ist 2008 das Jahr der jungen Wähler?“, fragen Dawson Bell und Margarita Bauza, und liefern auch die Antwort: „Vieles deutet darauf hin.“ Ein Indiz seien etwa die „Rockstar-ähnlichen“ Massenveranstaltungen für Barack Obama an zahlreichen Universitäten. Ganz so einfach sei es aber dann doch nicht: „Trotz all des Aufhebens um junge Leute und die Wahl 2008 gilt generell, dass sich Amerikaner zwischen 18 und 29 nicht so sehr für Wahlen interessieren wie ältere.“
In der „Desert Sun“ aus Palm Springs geht es um die möglichen Folgen der Abstimmung über die Homo-Ehe in Kalifornien. Die Wähler in dem Westküstenstaat haben am Dienstag die Möglichkeit, die jetzt geltende Regelung zu kippen und Ehen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern zu verbieten. Nicole C. Brambila schreibt, dass Experten darüber streiten, ob ein Ende der derzeitigen Regelung auch alle unter ihr bereits geschlossenen Verbindungen nichtig werden ließe. Einigkeit herrsche aber an anderer Stelle: „Wenn die Wähler der Neuregelung zustimmen, dürfte es nach dem Wahltag diverse Gerichtsverfahren geben.“ Brambila weist darauf hin, dass Abstimmungen über das Verbot von Ehen zwischen zwei Männern oder zwei Frauen in der Vergangenheit mehrheitlich zu Ungunsten der Homosexuellen ausgegangen seien.
Michael Kranish schreibt im „Boston Globe“ über die Aussichten der Präsidentschaftskandidaten Ralph Nader und Bob Barr, die beide in 45 Bundesstaaten für kleine Parteien antreten. Beide hätten „Anhängerschaften in mehreren heiß umkämpften Staaten“, darunter Colorado, Georgia, Florida, Missouri und Ohio. „Zum Missfallen einiger Demokraten könnte Nader ihren Kandidaten erneut Stimmen kosten“, schreibt Kranish. Barr, ein ehemaliger republikanischer Abgeordneter, „könnte Stimmen bekommen, die ansonsten an McCain gehen würden.“ Je knapper das Rennen in den umkämpften Staaten sei, „desto wahrscheinlicher ist es, dass sogar ein Stimmenanteil von einem oder zwei Prozent für Nader oder Barr entscheidend sind.“
Freitag, 31. Oktober 2008: Noch vier Tage bis zur Wahl
Die „Los Angeles Times“ widmet sich dem Phänomen des unentschlossenen Wählers. Eine Umfrage der Zeitung und des Bloomberg-Konzerns ergab, dass in den Swing States Florida und Ohio sechs bzw. sieben Prozent der Wähler noch unsicher sind, wem sie am Dienstag ihre Stimme geben. „Die Interviews weisen darauf hin, dass sie sich ernsthaft und abwägend mit der monumentalen Entscheidung befassen, die vor ihnen liegt“, schreibt Faye Fiore. „Viele unentschlossene Wähler sagen, sie warten auf die ‚eine Sache’, die alles klar werden lässt.“
Thomas M. DeFrank und Kenneth R. Bazinet wagen in den „New York Daily News“ einen Blick auf ein mögliches Kabinett unter einem Präsidenten Barack Obama. Für den Job als Stabschef im Weißen Haus, eine durchaus einflussreiche Position, sehen sie Tom Daschle und Rahm Emanuel als mögliche Kandidaten. Ersterer war einst Vorsitzender der Demokraten im Senat, Letzterer ist ein Abgeordneter aus Chicago. Über die Suche nach möglichen Kabinettsmitgliedern schreiben DeFrank und Bazinet: „Die Operation, angeführt vom Stabschef im Weißen Haus unter Clinton, John Podesta, ist für Obamas Wahlkampfmitarbeiter ein Tabuthema und unterliegt Vatikan-ähnlicher Geheimhaltung. Mitarbeiter wurden gewarnt, dass sie umgehend gefeuert würden, falls man sie beim Diskutieren über das Thema erwische.“
Die „Chicago Sun-Times“ berichtet über die jüngsten Wahlkampfmanöver von McCain und Obama. Lynn Sweet schreibt, dass John McCain und Sarah Palin die Zeit davonlaufe, da in vielen Teilen des Landes schon vor dem eigentlichen Termin gewählt werden kann. „Sie bringen immer wieder den Gedanken auf, dass Obamas Steuerpläne einer Umverteilung des Wohlstands gleichkämen. Anstatt sich als Robin Hood im Anzug zu präsentieren, versucht Obama im Gegenzug, die beiden lächerlich aussehen zu lassen.“
Mit schwarzen Wählern in Arizona, wo John McCain wohnt, befasst sich die „Arizona Republic“ . Daniel Gonzales schreibt: Jetzt, wo die Wahl nur noch vier Tage entfernt ist und Senator Barack Obama in den Umfragen führt, sind afroamerikanische Wähler in Arizona von ihren Emotionen geradezu überwältigt. Viele haben schon gewählt, oft mit Tränen in den Augen beim Gedanken an einen schwarzen Präsidenten.“ In Arizona, so Gonzales, seien etwa vier Prozent der Bevölkerung schwarz.
Im „Houston Chronicle“ geht es um die Wähler, die schon vor dem eigentlichen Wahltag abstimmen. In Texas, wo das vorzeitige Wählen seit zehn Tagen möglich ist, hätten bereits 2.7 Millionen Bürger in den größten Verwaltungsbezirken ihre Stimme abgegeben, schreibt Janet Elliott. Zur gleichen Zeit bei der Wahl vor vier Jahren seien es lediglich 1,7 Millionen gewesen. „2004 gaben im gesamten Staat 3,7 Millionen Menschen ihre Stimme vorzeitig ab. Die Gesamtzahl der Texaner, die in diesem Jahr schon gewählt haben, liegt bei fast 7,5 Millionen.“ In diesem Jahr, so Elliott hätten mehr Anhänger der Demokraten als der Republikaner die Gelegenheit zum frühen Wählen genutzt.
Donnerstag, 30. Oktober 2008: Noch fünf Tage bis zur Wahl
Viele Zeitungen beschäftigen sich heute mit Barack Obamas 30-minuetiger Wahlkampfsendung am Abend zuvor. Der „Philadelphia Inquirer“ bietet gleich zwei Meinungen dazu an. Jonathan Storm schreibt, der Film sei nicht gemacht worden, um einen Preis zu gewinnen, „sondern um das Produkt zu verkaufen: Barack Obama, den Präsidenten“. „Er hat durch diese Dauerwerbesendung sicher nichts verloren, und wahrscheinlich hat er einige neue Käufer hinzugewonnen.“ John Baer hingegen findet die Medienpräsenz Obamas, dessen Werbefilm auf mehreren Sendern gleichzeitig lief und der am gleichen Abend noch in der „Daily Show“ auftrat, unheimlich. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass Übersättigung einige Leute abschreckt“, schreibt Baer. Außerdem fürchte er dass „teure Shows der Kandidaten, in diesem Fall von Obama, die Botschaft vermitteln, dass der Wahlsieg an den geht, der am meisten zahlt.“
Auch der „Boston Globe“ befasst sich mit dem finanziellen Hintergrund der letzten Wahlkampftage. Brian C. Mooney schreibt: „Obama nutzt seinen großen finanziellen Vorteil gegenüber McCain in der jüngsten Zeit dazu, McCain in Staaten anzugreifen, die lange als sichere Basis für jeden republikanischen Präsidentschaftskandidaten angesehen wurden.“ Bis zum Wahltag werde Obama etwa 100 Millionen Dollar mehr für TV-Werbung ausgegeben haben als McCain und die Republikanische Partei.
Um Probleme und Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe geht es in der „Los Angeles Times“ . Wie Carol J. Williams und Noam N. Levey berichten, fürchten Wahlbeobachter in mehreren Staaten ein Fiasko wie vor acht Jahren in Florida. „Die Flut von Millionen von Erstwählern dürfte im ganzen Land zu überfüllten Wahllokalen und zu Identitätsprüfungen in letzter Minute führen, so dass viele, deren Name oder Adresse nicht mit dem Wählerverzeichnis übereinstimmen, möglicherweise keine Stimme abgeben dürfen.“ Weiter schreiben Williams und Levey, sowohl Obama als auch McCain bereiteten sich bereits auf mögliche gerichtliche Schritte gegen den Wahlausgang vor.
Die „San Jose Mercury News“ berichtet über eine neue Umfrage, laut derer Barack Obama die Wahl in Kalifornien mit einem historisch großen Vorsprung gewinnen könnte. Mary Anne Ostrom schreibt: „Der Kandidat der Demokraten führt bei den Wahlberechtigten, die wahrscheinlich zur Stimmabgabe gehen werden, mit 22 Prozentpunkten vor seinem Rivalen John McCain. Wenn dieser Vorsprung am Dienstag bestehen bleibt, wäre das ein Nachkriegsrekord für einen Sieger bei der Präsidentenwahl in diesem Staat. Nicht einmal die Erdrutschsiege von Ronald Reagan, einem ehemaligen kalifornischen Gouverneur, in den Jahren 1980 und 1984 kamen auch nur in die Nähe dieses Vorsprungs.“
Mittwoch, 29. Oktober 2008: Noch sechs Tage bis zur Wahl
Wie viele andere Blätter auch befasst sich die „Baltimore Sun“ mit den 30 Minuten Sendezeit, die sich Barack Obama für den heutigen Abend auf mehreren Sendern gekauft hat. David Zurawik schreibt dazu, dass Obama „der beste TV-Präsidentschaftskandidat seit John F. Kennedy im Jahr 1960“ sei. „Es ist die wenig beachtete Nachricht des politischen Jahres: wie begabt und attraktiv Obama als TV-Kandidat ist.“
Die „New York Times“ bekam von Obamas Wahlkampfhelfern vorab einen Einblick in das 30-minütige TV-Schauspiel gewährt. Jim Rutenberg berichtet von „Szenen auf dem Vorortrasen“ und einem Frachtzug. Dann sehe man Obama, „an einem Küchentisch sitzend mit einer Gruppe weißer Wähler, anscheinend aus dem Arbeitermilieu, und Obama sagt: ‚Wir haben in den letzten acht Jahren gesehen, wie die Entscheidungen eines Präsidenten enorme Auswirkungen auf den Lauf der Geschichte und auf das Leben in Amerika haben kann; die Gründe für vieles, was in unserem Land falsch läuft, reichen sogar noch weiter zurück.“ Später seien unter anderem Ausschnitte eines Auftritts von Obama vor Wählern in Florida zu sehen.
Das
„Pensacola News Journal“
berichtet über eine neue Umfrage zur Präsidentschaftswahl. Das Rennen zwischen Barack Obama und John McCain sei praktisch „eingefroren“, heißt es. „Geografisch gesehen kann sich Obama an einem großen Vorsprung im Osten des Landes erfreuen, während McCain klar im Süden führt“, schreibt die Zeitung. „Im Mittleren Westen und um die großen Seen führt McCain knapp mit drei Punkten Vorsprung, wahrend Obama im Westen mit einem ähnlich knappen Vorsprung von vier Punkten vorne liegt.“
In der
„Detroit Free Press“
geht es um die Pläne der beiden Kandidaten für die Reform der Krankenversicherung. Nach einer Analyse beider Konzepte kommt Patricia Anstett zu dem Schluss: „Beide wollen daran arbeiten, die öffentliche wie die private Krankenversicherung zu verbessern.“ Der größte Unterschied dabei sei folgender: „Obama will mehr Amerikaner zur Krankenversicherung ermutigen, entweder über ihren Arbeitgeber oder indem sie sich selbst versichern, und er würde die Versicherung von Kindern zur Pflicht machen. McCain ist gegen alles, was verpflichtend ist.“
T. W. Farnam schreibt im
„Wall Street Journal“
über die Unterstützung, die Obama von einigen Indianerstämmen erfährt. Er habe mehr als eine Million Dollar in Wahlkampfspenden von ihnen erhalten. Viele der Stämme, die Obama große Summen spendeten, seien durch Einnahmen aus dem Glücksspiel reich geworden, schreibt Farnam. „Sie machen sich ein Loch in der Gesetzgebung zu nutze, die es Stämmen erlaubt, mehr als 200.000 Dollar zu spenden – im Unterschied zu Konzernen und Handelsunternehmen, die gar nicht spenden dürfen.“ Weiter heißt es: „Die Stimmen von amerikanischen Ureinwohnern, die traditionell mehrheitlich für demokratische Kandidaten stimmen, könnte in mehreren umkämpften Bundesstaaten ausschlaggebend sein, insbesondere in New Mexico.“
Dienstag, 28. Oktober 2008: Noch sieben Tage bis zur Wahl
Die „New York Times“ widmet sich den Wahlkampfaktivitäten von Barack Obamas Frau Michelle. Patrick Healy schreibt, einige Berater des Kandidaten hätten Michelle Obama einst für eine unberechenbare Frau gehalten, die zu Oft sagte, was ihr durch den Kopf ging. „Jetzt wird sie vom Wahlkampfteam als diszipliniert angesehen und als effektive Fürsprecherin ihres Mannes.“ Healy schreibt weiter, Michelle Obama stelle sich nach langer Zeit nun „ihrer größten ungenannten Herausforderung: die Wähler mit der Vorstellung einer schwarzen First Lady vertraut zu machen.“
In der
„Washington Post“
geht es um die Investition in Fernsehwerbung – ausnahmsweise mal nicht für die Präsidentschaftskandidaten, sondern für den Kampf um Senatssitze. „Salven von Spots“ würden in den elf Staaten abgefeuert, in denen das Rennen zwischen demokratischen und republikanischen Kandidaten besonders eng sei, schreibt Robert. G. Kaiser. Die Ausgaben für die TV-Werbung hätten Rekordhöhe erreicht. '
Mit den TV-Spots der Praseidentschaftskandidaten befasst sich die
„USA Today“
. „Barack Obama sei dabei, eine Rekordsumme von 230 Millionen Dollar für Fernsehwebung auszugeben, schreibt Fredreka Schouten. „Der Republikaner John McCain, der sich auf die Ausgabe von 84,1 Millionen beschränken muss, weil er für den Wahlkampf Steuergelder in Anspruch genommen hat, teilt sich die Kosten mit der Partei.“ Gemeinsam würden sie bis zum Wahltag vermutlich 130 Millionen Dollar ausgeben, schreibt Schouten weiter.
In der
„Chicago Tribune“
schreibt Mike Dorning über die so genannte Abschlussrede Obamas in Ohio. „Obama begann die Schlussphase seines Wahlkampfs mit einem Aufruf an die Nation, die Wahl in der nächsten Woche zu nutzen, um eine egoistische und spalterische Sicht auf die Welt abzulehnen, die nach Obamas Auffassung hinter der Art und Weise steht, wie die Bush-Regierung mit der immer schwierigeren Wirtschaftslage umgeht.“
Matthew Kaminski schreibt im „New Statesman Journal“ über die Probleme McCains, die Wählern in Pennsylvania für sich zu gewinnen. „Es ist nicht so gelaufen, wie McCain wollte“, schreibt Kaminski. „Während die Wall Street abstürzte, baute Barack Obama sein Führung um zwei Punkte auf eine zweistellige Zahl aus – gestern lag sie laut RealClearPolitics bei 10,5 Punkten.“ McCains Berater allerdings bestünden darauf, dass es in Pennsylvania ein knappes Ergebnis geben werde.
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