Schon ihre Wahl zur Gouverneurin von Alaska vor zwei Jahren war eine Sensation. Sie war die erste Frau und zugleich die jüngste Person, die dieses Amt jemals bekleidet hatte. Nun könnte die 44-Jährige noch zu viel höheren politischen Ehren gelangen – sollten die Republikaner die Präsidentenwahl am 4. November gewinnen. Deren Kandidat fürs Weiße Haus, John McCain, hat Palin zu seiner Kandidatin für die Vizepräsidentschaft erkoren.
Die Entscheidung McCains, der am Freitag seinen 72. Geburtstag feierte, war zweifellos ein kluger Schachzug. Palin kommt aus derselben Generation wie McCains demokratischer Rivale Barack Obama. Sie ist sogar drei Jahre jünger als der Senator von Illinois, der der erste US-Präsident afrikanischer Abstammung werden will. Und Palin ist eine Frau, was die Anhänger von Hillary Clinton auf ihre Seite ziehen könnte. Denn von ihnen haben es viele noch nicht verwunden, dass die New Yorker Senatorin sich nach einem erbitterten Vorwahlkampf Obama geschlagen geben musste.
Von Bedeutung ist auch, dass Palin in vieler Hinsicht als politische Reformerin gilt. Dies könnte der Kritik der Demokraten den Wind aus den Segeln nehmen, wonach eine Wahl McCains eine Fortsetzung der Politik des derzeitigen Präsidenten George W. Bush bedeuten würde. Des weiteren kommt Palin aus einfachen familiären Verhältnissen. Damit bildet sie den Gegenpol zu McCain, über den sich viele Demokraten mokierten, weil er in einem Interview nicht genau sagen konnte, wie viele Häuser er und seine reiche Frau eigentlich besitzen.
Auf der politischen Bühne ist Palin ein Neuling – genau das, was McCain Obama ständig vorwirft. Der Republikaner kann jedoch argumentieren, dass er als Kandidat für das Hauptamt die politische Erfahrung auf jeden Fall besitzt. Beim Gespann Obama und seinem potenziellen Vizepräsidenten Joe Biden sei das Verhältnis indessen genau umgekehrt. Auf jeden Fall bedeutet dies, dass die Demokraten die politische Unerfahrenheit von Palin in der harten Phase des Wahlkampfs bestimmt nicht aufgreifen werden.
Sarah Heath Palin wurde am 11. Februar 1964 als Tochter eines Lehrers im US-Staat Idaho geboren. Kurz nach ihrer Geburt zog die Familie nach Alaska, wo sie in der Ortschaft Wasilla nördlich von Anchorage sehr naturverbunden aufwuchs. Nach Idaho ging sie zum Studieren zurück und erhielt 1987 ein Diplom in Kommunikationswissenschaften und Journalismus. Sie arbeitete kurze Zeit als Reporterin, entschloss sich aber schon bald für eine politische Laufbahn innerhalb der Republikanischen Partei.
Von 1992 bis 1996 war sie Stadträtin in Wasilla und dann Bürgermeisterin. Schon damals – wie auch bei ihrer Wahl zur Gouverneurin zehn Jahre später – forderte sie das Establishment ihrer eigenen Partei heraus. Als Bürgermeisterin trat sie mit dem Versprechen an, ihr Gehalt zu reduzieren, was sie auch einhielt. Als sie sich um den Gouverneursposten bewarb, kandidierte sie in den Vorwahlen gegen den republikanischen Amtsinhaber Frank Murkowski, der den Posten schon seit 22 Jahren innehatte.
Wieder trat sie mit dem Anspruch einer ethischen Politik an. Wiederholt legte sie sich mit der Erdölindustrie in Alaska an und setzte Steuererhöhungen auf deren Profite durch. Ebenso attackierte sie den republikanischen Senator Ted Stevens. Als gegen ihn Ermittlungen aufgenommen wurden, weil er von einem Ölunternehmer 250.000 Dollar für den Ausbau seines Hauses erhalten haben soll, forderte Palin ihn öffentlich auf, sich der Bevölkerung von Alaska zu erklären.
Allerdings gilt Palin nicht auf allen Gebieten als reformorientiert. Auf traditionelle konservative Werte setzt die Protestantin insbesondere in der Familienpolitik. Sie und ihr Mann Todd, ein Erdöl-Arbeiter indianischer Abstammung, haben fünf Kinder. Das Jüngste wurde im vergangenen April mit Down Syndrom geboren. Das älteste Kind, ein 19-jähriger Sohn, ist zurzeit beim Militär.
In ihrem Staat Alaska erfreut sich Palin großer Beliebtheit. Auch ihr Äußeres wird häufig sehr wohlwollend kommentiert – sie war auch schon in Modemagazinen zu sehen. So gibt es Aufkleber, die über Alaska und Palin sagen: „Der kälteste Staat, die heißeste Gouverneurin.“
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