Bundeskanzlerin Angela Merkel hat auch aus persönlicher Betroffenheit die drei deutschen Polizisten geehrt, die bei einem Anschlag in Afghanistan getötet wurden. Zu einer bewegenden Trauerfeier im voll besetzten Berliner Dom kamen am Mittwoch neben der Regierungschefin zahlreiche Bekannte und Angehörige. Auch vor der Kirche versammelten sich mehrere hundert Menschen.
Einer der drei Getöteten hatte einige Jahre zum persönlichen Schutzkommando Merkels gehört. Er war für das Bundeskriminalamt (BKA) vorübergehend an die deutsche Botschaft in Kabul abgeordnet worden. Im Dezember hätte er in das Personenschützerteam für Merkel zurückkehren sollen. Der deutsche Botschafter in Kabul, Hans-Ulrich Seidt sagte in einer Ansprache: "Frau Bundeskanzlerin, ich weiß, er hat sehr, sehr gerne für Sie gearbeitet. Wir haben alle am 15.8. in Kabul gute Kameraden verloren."
Unter den Gästen war Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der die Traueransprache hielt. Er sagte mit teils belegter Stimme: "Kriminaloberkommissar Jörg Ringel, Polizeiobermeister Alexander Stoffels und Polizeiobermeister Mario Keller haben mit dem Schutz der deutschen Botschaft und ihrer Mitarbeiter zur Absicherung der diplomatischen Mission und somit zur Stabilisierung der Krisenregion beigetragen." Sie seien gestorben für eine "zutiefst humanistische Idee", nämlich eine Ordnung, die internationale Beziehungen ermögliche. Genau dagegen richte sich jedoch der Hass der Taliban. Der Einsatz der internationalen Sicherheitskräfte in Afghanistan sei ohne Alternative. Schäuble warnte vor dem Glauben, dass die Entwicklung dort für Deutschland ohne Bedeutung sei.
Die drei Beamten waren am Mittwoch zusammen mit Kollegen in zwei Wagen zu einem Schießtraining auf einem international genutzten Übungsgelände am Stadtrand von Kabul unterwegs, als ein ferngezündeter Sprengsatz unter einem Fahrzeug detonierte. Drei Beamte waren sofort tot, der vierte überlebte verletzt. Zur Unterstützung der Ermittlungen sei ein Expertenteam sowie die Tatortgruppe des BKA nach Kabul entsandt worden, sagte Schäuble. Die Bundesanwaltschaft habe ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland eingeleitet.
Mehrere Länderinnenminister, darunter der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD), waren zur Trauerfeier ebenso gekommen wie der baden-württembergische Ministerpräsident Günter Oettinger und der Präsident des BKA, Jörg Ziercke.
In einer bewusst schlicht gehaltenen Zeremonie hatten zuvor auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Tegel Angehörige und enge Freunde von den Opfern Abschied genommen. Ihre sterblichen Überreste waren mit einer Regierungsmaschine aus Afghanistan überführt worden.
Parallel zur Trauerfeier rief Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar seine Landsleute erneut zum vereinten "Heiligen Krieg" gegen die westlichen Truppen auf. Der Anführer der radikal- islamischen Aufständischen appellierte an die Afghanen, den "Invasoren" eine "zähnebrechende Niederlage" zu bereiten. Dafür müssten Konflikte zwischen Stämmen sowie Volks- und Sprachgruppen überwunden werden. "Während der Freiheitskampf im Land gut voranschreitet, gibt es Anzeichen für Panik in der Front der Feinde."
Afghanistan feiert an diesem Sonntag seine Unabhängigkeit von Großbritannien aus demJahr 1919.
BMO

