Wer wissen will, wen die Linke 2009 gegen Gesine Schwan und Horst Köhler ins Rennen schickt, muss sich noch gedulden. Denn obwohl laut Vize-Fraktionschef Bodo Ramelow "die Kandidatensuche abgeschlossen" ist, soll der Name der Kandidatin noch nicht bekannt werden.

Vielmehr wolle sich die Fraktion nach der Sommerpause in einer Klausurtagung über das weitere Vorgehen einigen – und wohl auch erst danach eröffnen, auf wen sich die Kandidaten-Findungs-Kommission, bestehend aus den Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi und Oskar Lafontaine sowie dem Parteichef Lothar Bisky geeinigt haben.

So viel stellte Ramelow allerdings schon einmal klar: Für die Linke soll eine Frau antreten. Er gehe davon aus, dass die Geschlechtergleichstellung bei der Auswahl eine entscheidende Rolle gespielt habe, sagte Ramelow. Dabei handele sich allerdings weder um Christa Wolf, noch um Daniela Dahn. Die beiden Schriftstellerinnen waren Mitte Juni in Medienberichten genannt worden.


Ramelow wies Vermutungen zurück, dass die Partei mit der Bekanntgabe ihrer Kandidatin deshalb so lange warte, weil sie erst den Ausgang der Bayern-Wahl im September abwarten wolle. Die aus der Wahl resultierenden Stimmenverhältnisse in der Bundesversammlung hätten auf die Aufstellung der eigenen Kandidatin keinerlei Einfluss mehr.


Die Linke sei entschlossen, eine Person ins Rennen zu schicken und damit deutlich zu machen, "dass wir die dritte Kraft in Deutschland sind“, sagte Ramelow.


Offen bleibt laut Ramelow, wie sich die Wahlleute der Linken im zweiten oder dritten Wahlgang verhalten werden. Neben einer Unterstützung für Schwan sei ebenso möglich, dass die weiteren Voten freigegeben würden. Mit Blick auf Schwan und die SPD betonte er: "Wer unsere Stimmen will, wer mit uns rechnet, der muss mit uns reden.“

Fraktionssprecher Hendrik Thalheim äußerte sich zur Festlegung auf eine Bewerberin nicht. Er bekräftigte lediglich, die Linke suche nach einem eigenen Kandidaten. Wenn Ramelow sage, es gebe bereits einen, so nehme er dies mit Interesse zur Kenntnis.

Linken-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch ging offenbar auch von einem anderen Stand aus. Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung“ sagte er, eine Entscheidung werde nach der Bayernwahl getroffen. Er setze sich zudem „nachdrücklich dafür ein, dass die Vertreter der Linken in der Bundesversammlung einheitliche Voten in allen Wahlgängen abgeben“.


SPD-Kandidatin Schwan ist bei der Wahl im Mai nächsten Jahres auf Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei angewiesen. Allerdings hat sie sich bei der Linken mit Interviewäußerungen unbeliebt gemacht, die Partei habe keine Rezepte für die Gegenwart. Parteichef Lafontaine hatte sie als Demagogen bezeichnet.

Reuters/KS