Nach dem triumphalen Auftritt in Berlin zur bescheidenen Pflichtvisite nach Paris: Barack Obama traf sich Freitagnachmittag zu einem rund einstündigen Treffen mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy mit anschließender Pressekonferenz im Élysée-Palast. Nur wenige Stunden nahm sich der demokratische US-Präsidentschaftskandidat auf seiner Europa-Tournee für Frankreich Zeit. Am Abend flog er nach London.


Eine Enttäuschung für Sarkozy, der sich so gerne als Weltdiplomat im Rampenlicht sonnt? Aus seinem Umfeld heißt es, das knappe Protokoll habe der Élysée-Palast selbst entschieden. Der regierungsnahe „Le Figaro“ präsentierte indes eine andere Erklärung: Obama wolle in Paris ganz bewusst kein Bad in der Menge nehmen wie am Vortag an der Berliner Siegessäule. „Denn die enorme Popularität unter den Franzosen könnte ihn Sympathiepunkte im Lager seiner potenziellen bürgerlichen Wähler kosten.

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz sagte Sarkozy seine Sicht stimme in vielen Dingen mit Obama überein. Er habe „leidenschaftlich“ mit dem Demokraten diskutiert und warte „sehr ungeduldig“ darauf, dass die USA im November ihren nächsten Präsidenten wählten. Es gebe viele Themen, die Europa und die USA zusammen angehen sollten, einen gemeinsamen Einsatz in Afghanistan etwa und das Problem des Klimawandels. „Wir haben nicht das Recht, in Afghanistan zu verlieren“, betonte Sarkozy. Es dürfe nicht sein, dass die radikalislamischen Taliban wieder die Macht über das Land erlangten und das Mittelalter nach Afghanistan zurückkehre.


Sarkozy versucht indes in den Medien, von der auch in seinem Land ausgebrochenen „Obamania“ (Libération) zu profitieren. Der Senator aus Illinois sei „mein Freund“, sagte er dem „Figaro“. 2006 traf er ihn – damals noch als Innenminister – in Washington. „Ich habe nie an eine Nominierung von Hilary Clinton geglaubt“, fügte Sarkozy hinzu. Obama zeigte sich im Gegenzug beeindruckt von der Fitness des französischen Staatschefs: „Ich wünschte, ich hätte so viel Energie wie Sarkozy. Ich frage mich, was er isst.“


Mit seiner Anerkennung für Obama weiß sich Sarkozy im Einklang mit seinen Landsleuten. 65 Prozent der Franzosen würden den US-Demokraten im November zum Nachfolger von George W. Bush wählen, ergab eine Umfrage für den „Daily Telegraph“. Auch in Deutschland gab es gute Umfragewerte nach Obamas Rede an der Siegessäule in Berlin. 62 Prozent der Deutschen habe der Auftritt gefallen. Sie stuften die Ansprache Obamas vor der Siegessäule als eine „große Rede“ ein. Das ergab eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der „Bild am Sonntag“. Nur 19 Prozent waren gegenteiliger Meinung. Demnach glauben 63 Prozent der Bundesbürger, dass der demokratische Senator für Deutschland ein guter US-Präsident sein würde. Etwas mehr als die Hälfte (51 Prozent) sagten, Obama würde die Welt friedlicher machen.


Vor Barack Obama liegt heute der letzte Tag seiner Europareise. Der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber landete gestern Abend in London. Dort traf er der US-Präsidentschaftsbewerber britischen Premierminister Gordon Brown. Auf seinem Programm stehen auch Gespräche mit Oppositionsführer David Cameron und dem früheren Premierminister Tony Blair, dem engsten Verbündeten von US- Präsident George W. Bush während des Irak-Krieges. Auch sein in London findet im Gegensatz zur publikumswirksamen Rede Obamas in Berlin weitgehend hinter den Kulissen statt. Obama wird voraussichtlich nur eine kurze Erklärung vor der Presse abgeben. Von London aus fliegt er am Abend in die USA zurück.


Dort erwartet ihn die unvermittelte Härte des Wahlkampfes. Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber John McCain hat seine Angriffe auf seinen demokratischen Widersacher Barack Obama wegen der Irak-Politik verschärft. Obama rede die Niederlage der US-Truppen im Irak herbei, sagte McCain bei einem Wahlkampfauftritt vor Kriegsveteranen in Denver im US-Bundesstaat Colorado. „Er würde es hinnehmen, im Irak zu verlieren, um in Afghanistan zu gewinnen“, sagte McCain mit Blick auf seinen Konkurrenten. „Würde sich seine Position durchsetzen, würden wir beide Kriege verlieren.“

ap/apf/dpa/lk