Afghanistan, Irak, Israel – die Reiseroute des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama führt durch gefährliches Terrain. Wie riskant sein Wahlkampftrip ist, wurde erst heute wieder in Jerusalem deutlich: Nur wenige hundert Meter von dem Hotel entfernt, in dem er heute Abend einchecken will, rammte ein Palästinenser mit einem Bagger zahlreiche Fahrzeuge, 16 Menschen wurden verletzt. Der Obama-Besuch ist ganz sicher ein Großkampftag für israelische Sicherheitskräfte.

Auch im vergleichsweise harmlosen Berlin laufen die Sicherheits-Vorbereitungen auf Hochtouren. Der Besuch des Präsidentschaftsbewerbers wird von einem Großaufgebot der Polizei abgesichert. Die Berliner Polizei soll mit mehr als 1100 Beamten im Einsatz sein. Die Kosten werden sich nach ersten Schätzungen auf 250.000 Euro belaufen. „Das Land Berlin wird für den Polizeieinsatz aufkommen“, sagte Hubertus Benert, Sprecher der Senatsinnenverwaltung. Er verwies auf die hohe Sicherheitsstufe, die für Obama gilt.


Obwohl Barack Obama offiziell als Privatmann nach Deutschland reist, gilt bei dessen Berlin-Besuch laut einem Bericht der „Thüringer Allgemeinen“ die gleiche Sicherheitsstufe wie für einen amtierenden Präsidenten. Wie das Blatt unter Berufung auf die Senatskanzlei berichtete, wird der unmittelbare Personenschutz daher vom US-Sicherheitsdienst (Secret Service) übernommen, der alle hochrangigen US-Regierungsvertreter im In- und Ausland schützt.

Beispiellose Sicherheitsvorkehrungen

Die Sicherheitsvorkehrungen der amerikanischen Behörden für ihn sind beispiellos. Bereits im Mai vergangenen Jahres hat das Heimatschutzministerium Obamas Schutz durch Agenten des Geheimdiensts genehmigt – so früh wie nie zuvor bei einem Präsidentschaftskandidaten. Die Maßnahmen lassen vermuten, dass Obama als ernsthaft gefährdet eingestuft wird, auch wenn von offizieller Seite aus Prinzip keinerlei Informationen zu konkreten Bedrohungen gegen die Kandidaten zu erhalten sind. In der Vergangenheit erhielten US-Kandidaten erst etwa ein halbes Jahr vor der eigentlichen Wahl staatlichen Personenschutz.

Die Zugangskontrollen für Obamas Kundgebungen ähneln jenen für Passagiere am Flughafen. Metalldetektoren durchleuchten jeden einzelnen Gast auf Waffen. Die aufwändige Kontrolle beginnt oft schon drei bis vier Stunden vor Obamas Redeauftritt. Bewaffnete Agenten des Secret Service haben den Kandidaten immer im Blick. Wenn Obama den direkten Kontakt mit der Bevölkerung sucht, bilden sie mit ihren Körpern einen Schutzring um ihn. Es besteht die Sorge, dass die große Begeisterung für Obama auch gewalttätige Abwehrreaktionen auslösen könnte. Dabei könnten auch rassistische Vorbehalte eine Rolle spielen.

Seit 1968 haben Präsidentschaftskandidaten in den USA Anspruch auf Bewachung durch den Geheimdienst. Die Maßnahme war eine Reaktion auf die Ermordung des Kandidaten Robert F. Kennedy. Obamas Frau Michelle hat in Interviews bereits ihre Sorge um die Sicherheit ihres Mannes offen ausgesprochen. Der Kandidat selbst gibt sich nach außen gelassen. „Das ist nichts, worüber ich jeden Tag nachdenke“, sagte er der „New York Times“.

AFP/ddp/str