Beim blutigsten Anschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul in diesem Jahr sind 44 Menschen getötet und mehr als 140 weitere verletzt worden. Das gaben das Innen- und das Gesundheitsministerium bekannt. Aus dem Innenministerium hieß es, ein weiterer Anstieg der Opferzahl werde befürchtet.


Ein Selbstmordattentäter hatte sich den Angaben zufolge mit einem Auto vor der indischen Botschaft im Zentrum Kabuls in die Luft gesprengt. Zum Zeitpunkt des Anschlags standen wie jeden Morgen vor der Botschaft Dutzende Männer an, um ein Visum für Indien zu beantragen. Durch die Wucht der Detonation wurde ein Teil der Mauer vor dem Botschaftsgelände niedergerissen. Außerdem wurden zwei Botschaftsfahrzeuge zerstört, die gerade auf das Gelände fuhren. Auch einige umliegende Geschäfte wurden beschädigt oder zerstört.


Die indische Nachrichtenagentur PTI meldete, unter den vier indischen Toten seien der Militärattaché und der politische Berater der Botschaft. Zuvor war der Tod mehrerer indischer Polizisten und Zivilisten gemeldet worden.


Die Hauptstadt war in den vergangenen Monaten von Anschlägen der Taliban verschont geblieben. Zuletzt filelen im September 2006 fielen zwölf Menschen einem Selbstmordanschlag zum Opfer.

Präsident Hamid Karsai verurteilte den Anschlag. Die Bluttat sei von Extremisten ausgeführt worden, die die Freundschaft zwischen Afghanistan und Indien zerstören wollten. Das indische Außenministerium erklärte, der Anschlag werde Indien nicht davon abhalten, seine Mission gegenüber der Regierung und dem afghanischen Volk zu erfüllen.


Die Bundesregierung verurteilte den Anschlag ebenfalls. In einer Erklärung von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hieß es: „Wir teilen die Trauer und Bestürzung des afghanischen Volkes und versichern auch der indischen Regierung unser Mitgefühl.“ Es sei das Ziel der Terroristen, geordnete und demokratische Verhältnisse in Afghanistan zu verhindern, erklärte Steinmeier weiter. „Wir zählen deshalb auf die schnelle Arbeit der afghanischen Behörden: Die Hintermänner des Attentats müssen umgehend gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden.“


Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Das Innenministerium machte Terroristen in Zusammenarbeit mit einem „Geheimdienst in der Region“ für den Anschlag verantwortlich, ohne ein Land zu benennen.


Zuletzt hatte die afghanische Regierung den pakistanischen Geheimdienst ISI beschuldigt, Drahtzieher eines Anschlags auf den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai Ende April bei einer Militärparade in Kabul gewesen zu sein.In den vergangenen Jahren hatten zudem Selbstmordanschläge der Taliban dramatisch zugenommen.

ap/dpa/ws/cn