Kunsthistoriker und Wissenschaftler streiten sich seit Jahrzehnten darüber, ob der Sternenhimmel in Vincent van Goghs berühmtem Gemälde „Die Sternennacht“ (1889) reinem Ausdruck entsprang oder einen echten, beobachteten Nachthimmel abbildet. Forscher um Elijah Jeong-hyun Kim aus Südkorea haben mithilfe von Computerrekonstruktionen und historischen Landschaften das Geheimnis lüften können.

Physik-Rätsel gelöst: Forscher entschlüsseln Sternenhimmel in van Goghs Gemälde

„Die Sternennacht“ zählt zu den berühmtesten Gemälden von Vincent van Gogh, das im Jahr 1889 bei einem Blick durch das Fenster aus seinem Zimmer in einer Anstalt in Saint-Rémy in Südfrankreich entstanden sein soll. In einem Brief an seinen Bruder Theo erinnerte sich van Gogh daran, vor Tagesanbruch nur den Morgenstern über der Landschaft gesehen zu haben. Seit Jahrzehnten diskutieren Kunsthistoriker und Wissenschaftler darüber, ob das Gemälde eine künstlerische Fantasie oder eine Darstellung des tatsächlichen Nachthimmels zeigt.

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Ein Forschungsteam aus Südkorea unter der Leitung von Elijah Jeong-hyun Kim, Doktorand an der Fakultät für Weltraumforschung der Kyung Hee Universität, rekonstruierte für eine Studie den Nachthimmel des Sommers 1889. Wie „ScienceAlert“ berichtet, richteten die Wissenschaftler ihr Augenmerk auf das Zentrum des Gemäldes. Dort entdeckten sie Hinweise auf die Hyaden, einen markanten, V-förmigen Sternhaufen im Sternbild Stier. Zudem erwies sich die Darstellung des Mondes als problematisch, der nicht zum abnehmenden Mond um den 18. Juni 1889 passte.

Real oder Fiktion: Vincent van Goghs geheimnisvoller Sternenhimmel

Anhand der Dorflandschaft und computergestützter Rekonstruktionen des damaligen Nachthimmels konnten die Wissenschaftler den möglichen Entstehungszeitraum näher eingrenzen. Sowohl im Juni als auch im Juli 1889 befand sich der Mond über der Venus, wie es auf dem Gemälde zu sehen ist. Um den 22. Juli rückten jedoch auch die Hyaden in eine Position, die besonders gut mit dem Bild übereinstimmt. Bislang gingen viele Kunsthistoriker davon aus, dass van Gogh das Werk im Juni geschaffen hatte. Die Forscher argumentieren jedoch, dass der gemalte, schlanke Mondsichel-Stand und die Planeten- beziehungsweise die Sternen-Anordnung eher auf Ende Juli hinweisen und dass van Gogh wahrscheinlich Eindrücke mehrerer Nächte auf einer Leinwand vereinte.

Die wissenschaftliche Analyse der Studie deutet darauf hin, dass van Gogh bei der Gestaltung des Gemäldes reale Beobachtungen verarbeitete.

Studie von besonderer Bedeutung für die Kunst

Die neuen Erkenntnisse der südkoreanischen Wissenschaftler sind nicht nur für die Entstehungsgeschichte des Gemäldes von Bedeutung. Sie besitzen auch eine große Bedeutung für die Kunst. Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass van Gogh Naturbeobachtungen deutlich präziser in seine expressiven, emotionalen Kompositionen einfließen ließ, als bislang angenommen wurde.

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Allerdings steht die Datierung der Forscher im Widerspruch zu einem Brief van Goghs an seinen Bruder Theo vom 18. Juni 1889, in dem das Gemälde bereits erwähnt wird. Nach Ansicht der Wissenschaftler belegt dies jedoch nicht, dass das Werk zu diesem Zeitpunkt bereits fertiggestellt war. Vielmehr könnte van Gogh noch im Juli an der Leinwand gearbeitet haben, nachdem er im Juni damit begonnen hatte. Briefe und historische Wetteraufzeichnungen stützen ihre Interpretation. Studienautor Kim vermutet, dass der Maler Himmelsbeobachtungen aus mehreren Tagen rund um den 22. Juli in einer einzigen Komposition zusammengeführt hat.