Fast jede siebte Frau, die in einem kleinen Bergdorf auf Sardinien ihren 70. Geburtstag erlebt, könnte auch 100 Jahre alt werden. Das legen Daten aus der italienischen Gemeinde Bolotana nahe. Forschende sehen dort Hinweise auf eine außergewöhnlich hohe Langlebigkeit – insbesondere bei Frauen. Ob und warum es tatsächlich an dem Dorf liegen könnte, dass Menschen hier besonders alt werden, muss allerdings noch genauer untersucht werden.

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Die Ergebnisse stammen aus einer Studie, die im Oktober 2026 im Fachjournal „Frontiers in Aging“ veröffentlicht wurde. Das internationale Forschungsteam untersuchte demografische Daten aus Bolotana und verglich sie mit Werten aus der umliegenden Provinz Nuoro, Sardinien insgesamt und Italien.

Fast 14 Prozent erreichen möglicherweise 100 Jahre

Die Forschenden schätzen, dass eine 70-jährige Frau in Bolotana im Zeitraum von 2021 bis 2025 eine Wahrscheinlichkeit von 13,83 Prozent hatte, ihren 100. Geburtstag zu erleben. Zum Vergleich: Für Frauen in der Provinz Nuoro lag der Wert bei 4,33 Prozent, für Sardinien insgesamt bei 4,43 Prozent und für Italien bei 3,54 Prozent.

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Auch die verbleibende Lebenserwartung fiel überdurchschnittlich hoch aus. Eine 70-jährige Frau in Bolotana konnte der Analyse zufolge mit weiteren 20,85 Lebensjahren rechnen. In der Provinz Nuoro waren es 18,61 Jahre, auf Sardinien 18,40 Jahre und landesweit 18,06 Jahre.

Der Epidemiologe S. Jay Olshansky von der University of Illinois Chicago, einer der Mitautoren der Studie, sieht darin einen außergewöhnlichen Befund. „Wir glauben, dass dies die langlebigste weibliche Bevölkerung der Welt ist, oder zumindest eine der langlebigsten“, sagte er laut einer Mitteilung seiner Universität.

Eine mögliche neue „Blaue Zone“ für Longevity

Bolotana liegt im zentralen Sardinien, rund 110 Kilometer von der bereits bekannten sardischen „Blauen Zone“ entfernt. Als solche werden Gebiete bezeichnet, in denen Menschen besonders häufig ein sehr hohes Alter erreichen. Die ursprüngliche Zone auf Sardinien wurde vor mehr als 20 Jahren bekannt und ist vor allem für die außergewöhnliche Langlebigkeit ihrer männlichen Bewohner berühmt.

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Die neue Untersuchung deutet darauf hin, dass Bolotana ein weiterer Kandidat für eine solche Region sein könnte – diesmal mit einem besonders auffälligen Muster bei Frauen. Die Forschenden stützten sich dafür auf kommunale und kirchliche Register, die Geburts- und Sterbedaten über lange Zeiträume dokumentieren. Damit konnten sie das Alter von Hundertjährigen anhand mehrerer Quellen überprüfen. Die Gemeinde ist allerdings klein: Im untersuchten Zeitraum lebten dort durchschnittlich 2266 Menschen. Gerade bei einer so geringen Bevölkerungszahl können einzelne Todesfälle die statistischen Ergebnisse stark beeinflussen.

Warum werden die Frauen so alt?

Eine eindeutige Erklärung liefert die Studie nicht. Die Forschenden untersuchten vor allem die demografischen Daten, nicht die individuellen Lebensgewohnheiten der Bewohnerinnen und Bewohner. Sie nennen jedoch mehrere mögliche Einflussfaktoren, die künftig genauer untersucht werden könnten: genetische Veranlagung, Ernährung, körperliche Aktivität, familiäre Unterstützung, soziale Kontakte und die medizinische Versorgung.

Auch die Lebensbedingungen in Bolotana könnten eine Rolle spielen. Das Dorf liegt in einer hügeligen Landschaft, viele Wege werden zu Fuß zurückgelegt, Lebensmittel stammen häufig aus lokalem Anbau und Familien leben oft in räumlicher Nähe zueinander. Olshansky beschreibt die Gemeinschaft als eng verbunden: Die Menschen kümmerten sich umeinander, und die Fortbewegung erfolge überwiegend zu Fuß statt mit dem Auto. Ob diese Faktoren tatsächlich erklären, warum Frauen dort so lange leben, ist bislang jedoch nicht belegt.

mkx