Sensation in Äthiopien. Im Mittelpunkt eines äthiopisch-deutschen Forschungsprojekts standen zuletzt die tatsächlichen Ausmaße von Grat Be’al Gibri, einem palastähnlichen Bauwerk aus dem frühen ersten Jahrtausend v. Chr. Bislang gingen die Wissenschaftler von einer Höhe von etwa acht Stockwerken aus. Neue Berechnungen deuten jedoch darauf hin, dass das monumentale Gebäude deutlich höher gewesen sein könnte.
Grat Be’al Gibri: Palastbau von beeindruckender Höhe
Die grundlegenden Ausmaße von Grat Be’al Gibri sind bereits bekannt, da umfangreiche archäologische Untersuchungen den Grundriss des Bauwerks dokumentieren konnten. Der palastähnliche Komplex maß etwa 60 mal 60 Meter und gilt unter Forschern als das größte bekannte Bauwerk dieser Art in Südarabien und Ostafrika. Ungeklärt war bislang vor allem die Frage nach seiner ursprünglichen Höhe. Bisher gingen Wissenschaftler von etwa acht Stockwerken aus.
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Neue Berechnungen, die in Zusammenarbeit von Prof. Dr. Ing. Martin Drieschner von der BTU Cottbus Senftenberg und dem Deutschen Archäologischen Institut entstanden sind, zeichnen nun ein anderes Bild, wie „Arkeonews“ berichtet. Die Forscher untersuchten, welche Belastungen das erhaltene Mauersystem tatsächlich aufnehmen konnte und wie viele Stockwerke die Konstruktion theoretisch hätte tragen können.
Beeindruckende Bauweise: Neuberechnung der potenziellen Höhe
Entscheidend für die hohe Tragfähigkeit war offenbar die besondere Bauweise. Die Erbauer kombinierten lokal gewonnenen Phonolithstein und Lehmmörtel mit sorgfältig angeordneten Holzbalken. Dadurch entstand ein Verbundsystem, bei dem die auftretenden Lasten sowohl über das Mauerwerk als auch über die Holzkonstruktion verteilt wurden. Die Balken aus Afrikanischer Olive und Cordia africana wurden zu rechteckigen Profilen mit einer Kantenlänge von etwa 21 bis 28 Zentimetern verarbeitet. Dieses Konstruktionsprinzip erstreckte sich durch das gesamte Gebäude. Die unterste Balkenlage verlief quer zur Wand, darüber folgte eine längs ausgerichtete Schicht. Eine weitere Querlage vervollständigte das regelmäßige innere Tragwerk.
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Zusätzlich entdeckten die Forscher Hinweise auf Holznägel, mit denen sich kreuzende Balken miteinander verbunden haben könnten. Die anschließenden Computersimulationen lieferten ein bemerkenswertes Ergebnis. Selbst unter Berücksichtigung zusätzlicher Belastungen und vorsichtiger Annahmen zu den verwendeten Materialien zeigte das Modell, dass das Mauersystem theoretisch die Last eines bis zu 16 Stockwerke hohen Gebäudes hätte tragen können.

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Diese Berechnung bedeutet allerdings nicht, dass Grat Be’al Gibri tatsächlich eine solche Höhe erreichte. Sie zeigt vielmehr, dass die außergewöhnliche Konstruktion grundsätzlich eine deutlich größere Gebäudehöhe ermöglicht hätte, als bisher angenommen wurde.
Antiker Wolkenkratzer: Historische Ingenieurleistung
Die wissenschaftliche Bedeutung dieser Erkenntnisse liegt weniger in der möglichen Höhe von Grat Be’al Gibri als in der außergewöhnlichen Ingenieurleistung, die den Bau vor mehr als 2800 Jahren ermöglichte. Die Baumeister verbanden Stein, Lehm und präzise angeordnetes Holz zu einem Tragwerk, das für die damalige Zeit außergewöhnlich hohe Lasten aufnehmen konnte. Damit zeugt die Konstruktion von einem bemerkenswerten Verständnis für Statik und Materialeigenschaften.
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Die besondere Bauweise dürfte zugleich nicht für den späteren Einsturz des Palastes verantwortlich gewesen sein. Archäologische Befunde weisen darauf hin, dass Grat Be’al Gibri in der Antike von einem verheerenden Brand heimgesucht wurde. Die Hitze könnte die hölzernen Verstärkungselemente im Inneren des Mauerwerks erheblich geschwächt haben. Mit dem Verlust dieser tragenden Elemente dürfte auch die Stabilität der gesamten Konstruktion abgenommen haben.
Ob Grat Be’al Gibri tatsächlich annähernd die theoretisch berechnete Höhe von 16 Stockwerken erreichte, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Die Studie zeigt jedoch eindrucksvoll, welche Dimensionen die Konstruktion grundsätzlich ermöglicht hätte. Für einen Palast, der um 800 vor Christus errichtet wurde, erscheint der Vergleich mit einem antiken Wolkenkratzer daher nicht nur als moderne Metapher, sondern verweist auf eine bemerkenswerte technische Leistung seiner Zeit.









