Bewohner der schottischen Insel Lismore haben gemeinsam mit Archäologen die Überreste eines bedeutenden Bauwerks freigelegt. Der Fund erweitert das bisherige Wissen über die Geschichte der kleinen Insel und liefert zugleich neue Erkenntnisse über die Ausbreitung des Christentums im frühmittelalterlichen Schottland. Die archäologischen Funde weisen auf ein frühmittelalterliches Kloster hin, dessen Größe und Bedeutung mit bekannten religiösen Zentren wie Iona und Portmahomack vergleichbar sein könnte.
Gemeinschaftsprojekt: Inselbewohner finden Spuren eines berühmten Klosters
Durch das Engagement einiger Bewohner der schottischen Insel Lismore, auf der heute nur rund 190 Menschen leben, konnten bedeutende Spuren einer frühmittelalterlichen Klosteranlage gesichert werden. Mithilfe von Fördermitteln, Spenden, privaten Vermächtnissen und einer Crowdfunding-Kampagne konnten geschichtsinteressierte Einwohner die Archäologin Dr. Clare Ellis von Argyll Archaeology mit der wissenschaftlichen Untersuchung des Fundortes beauftragen, wie der „Guardian“ berichtet.
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Die archäologischen Überreste werden dem frühmittelalterlichen Kloster Lios Mòr zugeschrieben, das im 6. Jahrhundert von dem Heiligen Mo Luóc gegründet worden sein soll. Der auch als Moluag bekannte irische Mönch, Bischof und Missionar spielte im 6. Jahrhundert eine wichtige Rolle bei der Christianisierung Schottlands und wird traditionell als „Apostel der Pikten“ bezeichnet.
Bei den Ausgrabungen entdeckten die Archäologen große Grabanlagen, frühe Gebäudestrukturen sowie Bereiche, in denen Handwerker verschiedene Waren herstellten. Einige der Funde sind von besonderer Seltenheit. Bearbeitete Edelmetalle und kunstvoll verzierte Objekte deuten auf eine wohlhabende Gemeinschaft mit ausgeprägten handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten hin. Nach Einschätzung der Forscher könnte die neu untersuchte Klosteranlage hinsichtlich ihrer Bedeutung mit bedeutenden frühmittelalterlichen Zentren wie Iona und Portmahomack vergleichbar sein.
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Kloster Lios Mòr: Fund von großer Bedeutung
Die bisherigen Funde weisen auf eine aktive und bedeutende Klostergemeinschaft hin. Insbesondere die Bestattungspraktiken und die entdeckten Artefakte aus dem 7. bis 10. Jahrhundert sprechen dafür, dass Lios Mòr nicht nur regional, sondern möglicherweise auch darüber hinaus von Bedeutung war. Das Kloster gehörte zum Herrschaftsgebiet von Dál Riata, einem gälischen frühmittelalterlichen Königreich, das vom 5. bis zum 9. Jahrhundert Teile des westlichen Schottlands, insbesondere Argyll, sowie den Nordosten Irlands im heutigen Antrim umfasste. Lismore lag in der Nähe von Dunollie, einem wichtigen politischen Machtzentrum, und im Gebiet von Cenél Loairn. Dieser Verband gehörte zu mehreren Gruppen, die um die Vorherrschaft innerhalb von Dál Riata konkurrierten.

Der Name Mo Luóc findet sich zudem in zahlreichen Widmungen in Schottland und Irland. Dies deutet auf eine weitreichende Verehrung des Heiligen Mo Luóc und einen entsprechenden Einfluss seiner religiösen Gemeinschaft hin. Professor Gordon Noble von der Universität Aberdeen, Mitautor der Studie zur Klosteranlage, beschreibt Lismore als ein bedeutendes Zentrum für Gottesdienst, Handwerk und Bildung. „Abgesehen von der Verbindung zu Moluag und einer Skulptur von dieser Stätte wussten wir praktisch nichts über Lismore. Daher war es unglaublich spannend, die Ergebnisse zu sehen“, erklärte Noble.
Die archäologischen Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. In weiteren Arbeiten soll zunächst die vollständige Ausdehnung der Klosteranlage ermittelt werden. Darüber hinaus planen die Forschungsteams Untersuchungen auf dem oberen Friedhof sowie eine umfassende Kartierung des gesamten Klostergeländes.






