Hadyehs persischer Name bedeutet auf Deutsch „Geschenk“. Früher habe sie immer gedacht, ein Geschenk sei etwas, das man in den Händen halten könne. Heute weiß die 18-jährige Tochter politischer Flüchtlinge aus dem Iran, dass auch Freiheit ein Geschenk sein kann. „Manchmal vergessen wir, wie wertvoll das sein kann.“

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Hadyeh Khalaj hat die Bühne in der Bar jeder Vernunft in Berlin an diesem Donnerstagabend unter lautem Applaus betreten. Sie hat den Social Diversity Award 2026 verliehen bekommen – sie gilt als Inspiration des Jahres. Warum? „Ich mache als Erste in meiner Familie Abitur“, sagt Hadyeh strahlend in einem kurzen Gespräch. Sie ist die jüngste Finalistin des Abends.

Soziale Herkunft beeinflusst Bildungsweg und Aufstiegschancen deutlich
Hinter der Auszeichnung, die auch von der FUNKE Mediengruppe unterstützt wird, steht das Netzwerk Chancen, das seit zehn Jahren Vielfalt in Unternehmen und sozialen Aufstieg fördert. Im Fokus stehen Menschen verschiedenen Alters, die aus finanzschwachen und nichtakademischen Haushalten kommen. Wer unabhängig von seiner Herkunft seinen Weg gehen möchte, findet im Netzwerk Chancen Unterstützung.
Dass es Angebote wie diese braucht, zeigt schon ein kurzer Blick auf die Zahlen. Denn wer aus einer Akademikerfamilie kommt, der macht auch mit höherer Wahrscheinlichkeit selbst einen Uni-Abschluss. Rund 56 Prozent der Erwachsenen zwischen 25 und 65 Jahren waren das im Jahr 2021, wie das Statistische Bundesamt schreibt. Der Anteil ist dreimal so hoch wie jener, bei dem die Eltern nur Abitur oder eine Berufsausbildung haben. Kinder aus Haushalten, in denen die Eltern nur einen Haupt- oder Realschulabschluss haben, gehen noch seltener einen akademischen Weg. So weit die Zahlen.
Sozialer Aufstieg: Netzwerk Chancen ehrt Erfolgsgeschichten und Mentoren
Denn auch wenn sie statistisch gesehen seltener sind, es gibt sie: die Menschen, die unabhängig von ihrer Ausgangslage ihren Weg gehen, einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern und vielleicht sogar Karriere machen. Allen gesellschaftlichen Widerständen zum Trotz. Und genau diese Menschen feiert und ehrt das Netzwerk Chancen an diesem Donnerstagabend in Berlin. Hinzu kommen Unternehmen und Personen, die genau diesen „sozialen Aufstieg“, wie das Netzwerk selbst es nennt, unterstützen.
Auch Preisträgerin Hadyeh betont, wie wichtig das sei. „Ohne die Menschen, die mich unterstützt haben, hätte ich meinen Weg nicht gehen können“, sagt sie. Passend dazu wird an diesem Abend auch der Preis für den Mentor des Jahres verliehen. Das sind Menschen, die ihre Erfahrungen teilen, Tipps geben und damit vor allem Türen öffnen. Mentoren dienen als Vorbilder, aber auch als Vertrauenspersonen. Björn Claussen ist einer dieser Mentoren. Er darf an diesem Abend den Preis entgegennehmen.

Ihn zeichne Verlässlichkeit und seine persönliche Tiefe aus. Er nehme sich Zeit und er gebe nicht den Weg vor, der zwingend gegangen werden muss – sondern er stärke einen, seinen eigenen Weg zu gehen. Worte, mit denen Markus Tattoli Claussen beschreibt. Er wird in diesem Jahr vom Preisträger betreut. Claussen selbst hat Tränen in den Augen, als er die Bühne betritt. Er selbst kommt aus einer Arbeiterfamilie. Dass sich sein Einsatz für Nachwuchskräfte so auszahlt, berühre ihn. Auch wenn er mit seinem persönlichen Hintergrund sicher einen steinigeren Weg gegangen sei.

Sozialer Aufstieg gelingt oft nur mit zusätzlicher Anstrengung
„Alle lieben die Storys von denen, die sozial aufgestiegen sind“, merkt die Moderatorin des Abends, Yvonne Weiß, an. Sie leitet die Abteilung Cultural Affairs der FUNKE Mediengruppe, zu der auch unsere Redaktion gehört. Weiß merkt aber an, dass es auch wichtig sei, nicht nur über Leistung zu sprechen. Sondern auch darüber, unter welchen Umständen diese überhaupt möglich sei. Wer nicht aus privilegierten Verhältnissen komme, müsse immer eine Extrameile gehen, heißt es dazu passend in einer Laudatio des Abends.
Ohne die Menschen, die mich unterstützt haben, hätte ich meinen Weg nicht gehen können.
Hadyeh Khalaj

Diese Extrameile aber zahlt sich aus. Davon ist Preisträger Björn Claussen überzeugt. Das zeigen etwa die beiden Gewinner des Preises als Führungskräfte des Jahres – Bianca Brunner und Marvin Jung. Bianca Brunner kommt aus einer Arbeiterfamilie. „Sie ist ihren Weg also ganz ohne akademische Vorbilder gegangen“, heißt es in der Laudatio. Und auch Jung wisse als Sohn einer Alleinerziehenden und als einstiger Hauptschüler, dass der Satz „Jeder hat die gleichen Chancen“ nicht der Wahrheit entspreche. Heute sind Brunner und Jung beide in Führungspositionen tätig. Brunner bei einer deutschen Krankenversicherung, Jung in der Jugendhilfe. Dort bringen sie ihre eigene Geschichte in genau dieser Rolle ein. Und sie geben es an Mitarbeitende weiter und wollen statt Privilegien Potenziale fördern. „Ich möchte das System von innen verändern“, betont Marvin Jung in seiner Rede.

Linklaters fördert Diversität mit Stipendien für Jurastudierende
Um ein System aber von innen verändern zu können, braucht es nicht nur einzelne Mitarbeitende. Es braucht ganze Unternehmen, die bereit sind, diese oftmals strukturellen Veränderungen auch mitzugehen. Und an diesem Punkt wird es an diesem Abend sogar international. Denn der Preis für das Unternehmen des Jahres geht an Linklaters, eine international führende Wirtschaftskanzlei, die mehrere Tausend Anwältinnen und Anwälte beschäftigt, darunter auch in Deutschland. Die Kanzlei vergibt gezielt Stipendien an Jurastudierende, die aus unterrepräsentierten und nichtakademischen Verhältnissen kommen. Neben finanzieller Unterstützung geht es mitunter auch darum, sich Kontakte und damit ein Netzwerk aufzubauen.

Etwas, das auch bei der Preisverleihung möglich ist. Zwischen bewegenden Reden kommen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, tauschen sich aus, teilen ihre Kontaktdaten. „Dafür bin ich sehr dankbar“, betont der letzte Gewinner des Abends. Daniel Sobh studiert Zahnmedizin und ist das Talent des Jahres. Er ist Sohn einer libanesischen Einwandererfamilie, jegliches Geld fließt in sein Studium. Seine Eltern hätten viel dafür gearbeitet und geopfert, um ihren Kindern Möglichkeiten zu geben, die sie selbst nie hatten, sagt Sobh gegenüber unserer Redaktion. Andere hätten ihm oft gesagt, dass er aufgrund seiner Ausgangsbedingungen seine Ziele und Visionen nicht schaffen werde. Auch die Gesellschaft lege einem Steine in den Weg. Statt aufzugeben, hat Daniel aber weitergemacht und an sich geglaubt. Heute ist er einer der besten fünf Prozent seines Studienjahrgangs. Es sind vermutlich nicht nur seine Worte, sondern vielmehr sein Werdegang, der nicht nur einer Person in der Berliner Bar an diesem Abend eine Träne in die Augen treibt.
Die FUNKE Mediengruppe, zu der auch unsere Redaktion gehört, ist offizieller Kooperationspartner der Social Diversity Awards 2026.





