• Vor Nordzypern ist eine Fähre mit mehr als 250 Menschen an Bord gekentert
  • Mehrere Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben
  • Noch immer werden 20 Personen vermisst

Eine Fähre mit mehr als 200 Passagieren ist am Sonntagmittag vor Nordzypern in Seenot geraten. Aus noch ungeklärten Gründen drang Wasser ein, der Katamaran lief voll, kippte zur Seite und sank schließlich wenige Kilometer vor der Küste der Hafenstadt Kyrenia (türkisch: Girne) im Norden der Mittelmeer-Insel. Mindestens acht Menschen starben. 20 Menschen gelten noch als vermisst. Nach dpa-Informationen war eine einstellige Zahl Deutscher auf der Fähre, sie haben das Unglück überlebt. Einige wenige mussten stationär versorgt werden.

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Unter den noch Vermissten sind Kinder. Laut Medienberichten werden unter anderem ein zwölfjähriges Mädchen und ein neunjähriger Junge vermisst. Die Mutter der beiden erzählte dem türkischen Sender NTV unter Tränen, wie sie ihre Kinder beim Untergang des Schiffes verloren hat: „Meine Tochter ist mir aus den Händen entglitten. Ich konnte sie nicht halten. Ich habe ihre Hand gehalten, auf uns sind Koffer gefallen und ihre Hand ist mir entglitten.“ Die Passagiere seien übereinander gestiegen, um sich zu retten. Ihre Kinder hätten geschrien: „Mama, lass unsere Hände nicht los!“ Überall sei Treibstoff ausgelaufen und der Boden sei rutschig gewesen. 

Fährunglück vor Zypern: Kapitän und Crew nach Todesfällen festgenommen

Die Mutter warf der Schiffs-Crew Fahrlässigkeit vor. Die Besatzung habe die Warnungen der Passagiere nicht ernst genommen, sagte sie. Auf den Hinweis, dass Wasser am Schiffsboden sei, habe ein Crewmitglied gefragt, ob sie etwa noch nie mit dem Meer in Berührung gekommen seien. 

Passagiere hatten bereits zuvor von einer Explosion an Bord berichtet. Augenzeugen zufolge drang etwa 25 Minuten nach der Abfahrt vom nordzyprischen Hafen Kyrenia Wasser ins Schiff ein, ohne dass die Besatzung reagierte. Fernsehbilder zeigten das gekenterte Schiff und zahlreiche Passagiere in Rettungswesten auf dem Rumpf. Überlebende klagten über zu wenige Rettungswesten. Der Fahrtenschreiber der Fähre soll nun ausgewertet werden, um die Unglücksursache zu ermitteln. 

Der Kapitän und sieben Crewmitglieder wurden nach dem Fährunglück festgenommen. Das erklärte der Ministerpräsident der nur von der Türkei anerkannten Republik Nordzypern Ünal Üstel nach Angaben des nordzyprischen Staatssenders BRT. 

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Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen, versprach er: „Ich sage das hier ganz klar. Jeder Aspekt dieses Vorfalls wird untersucht. Selbst die geringste Fahrlässigkeit wird ans Licht kommen“, sagte Üsal. Die Rettungsarbeiten gingen weiter. 

Passagiere machen Crew und Kapitän schwere Vorwürfe

Die Passagiere haben Behördenangaben zufolge schwere Anschuldigungen gegen die Besatzung des später gesunkenen Katamarans erhoben. So soll der Kapitän von Bord geflüchtet sein, außerdem hätten einige der rund 260 Passagiere von verschlossenen Türen und Fluchtwegen berichtet, sagte der türkisch-zyprische Verkehrsminister Erhan Arikli der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

Bei der Rettungsaktion spielten sich dramatische Szenen ab. Menschen in Rettungswesten klammerten sich an den über Wasser treibenden Teil der havarierten Fähre und warteten auf Rettung. Augenzeugen berichteten von teils chaotischen Zuständen an Bord: Passagiere im unteren Deck des zweistöckigen Schiffes hätten versucht, die Scheiben einzuschlagen, um nach draußen zu gelangen.

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Arikli sagte türkischen und zyprischen Medien, dass sich insgesamt 267 Personen auf der Fähre befunden hätten, darunter 259 Passagiere und 8 Besatzungsmitglieder. Die Fähre sei auf dem Weg in das südtürkische Mersin gewesen. Die See war Medienberichten zufolge stürmisch.

Rescue operation launched for ferry taking on water off Kyrenia coast
Vor der Küste Nordzyperns sind mehr als 200 Menschen in Seenot geraten. © IMAGO/Ali Ruhluel

Zypern ist seit 1974 nach einem Putsch nationalistischer griechischer Zyprer und einer darauffolgenden türkischen Militärintervention de facto geteilt. Im Jahr 1983 wurde die Türkische Republik Nordzypern (KKTC) proklamiert, die weltweit nur von der Türkei anerkannt wird. 2004 nahm die EU die Insel Zypern als Ganzes in die EU auf.

lro/dpa