• Elisabeth Scott ist eine „Ultra High Net Worth“-Nanny
  • Sie betreut seit Jahren Kinder von sehr reichen Menschen
  • Hier erzählt sie von kuriosen Alltagssituationen und verrät, warum sie selbst keine Kinder möchte

Wenn Elisabeth Scott über ihren Beruf spricht, klingt vieles zunächst nach einem ganz gewöhnlichen Nanny-Alltag: Windeln wechseln, Mahlzeiten zubereiten, mit Kindern spielen, auf sie aufpassen und ihnen Aufmerksamkeit schenken. Doch die Familien, für die die 44-Jährige arbeitet, sind alles andere als gewöhnlich. Elisabeth ist eine sogenannte UHNW-Nanny – eine „Ultra High Net Worth“-Nanny. Sie betreut die Kinder extrem wohlhabender Familien, viele von ihnen sind Millionäre und Milliardäre, Prominente und Adelige.

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Seit 18 Jahren arbeitet Elisabeth als Nanny. „Dabei bin ich ganz zufällig zu diesem Beruf gekommen“, sagt die 44-Jährige. Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt sie, wie sie in die Welt der Superreichen geriet, welche bizarren Wünsche wohlhabende Eltern haben und was sie als Luxus-Nanny verdient.

Nanny für Superreiche: Elisabeth lernte zufällig eine berühmte Familie kennen

Elisabeth ist in London aufgewachsen, lebte und arbeitete später in Paris und Berlin. Nach ihrem Schulabschluss studierte die Britin Finanzwesen und arbeitete zunächst im Londoner Finanzsektor. Den Einstieg in die Kinderbetreuung verdanke sie einem filmreifen Zufall. Denn eines Tages, so erzählt es Elisabeth, saß sie während einer Mittagspause in einem Park und spielte spontan mit einem kleinen Mädchen, das offenbar Aufmerksamkeit suchte, während seine Mutter am Handy telefonierte. Die Mutter sei von Elisabeths spontaner Hilfe so angetan gewesen, dass sie sie kurzerhand fragte, ob sie als Babysitterin für sie arbeiten wolle. „Ich habe mir das Angebot durch den Kopf gehen lassen und habe schließlich für ein Vorstellungsgespräch bei ihr zu Hause zugesagt“, erzählt die 44-Jährige.

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Als sie einige Tage später an der Tür der Familie klingelte, habe plötzlich ein sehr berühmter britischer Schauspieler vor ihr gestanden. „Es stellte sich heraus, dass die Frau vom Park mit ihm verheiratet war“, sagt Elisabeth. Den Namen des Schauspielers darf sie nicht verraten. Denn vor vielen Einsätzen unterschreibt sie Geheimhaltungsvereinbarungen, sogenannte Non-Disclosure-Agreements oder kurz NDAs. „Doch ich habe mich gleich gefreut, bei solch einem Promi zu arbeiten.“ Die zufällige Begegnung erwies sich als Wendepunkt. „Ich war gut, die haben mir vertraut und haben mich dann auch anderen Familien weiterempfohlen“, so die 44-Jährige.

Elisabeth Scott
Elisabeth Scott kümmert sich vor allem um Babies und Kleinkinder. Im Bild zu sehen ist das Mädchen, auf das Elisabeth in den USA aufpasste sowie die Oma des Kindes. © Privat | Privat

Als sie merkte, dass sie langfristig als Nanny arbeiten wollte, absolvierte sie eine Ausbildung am renommierten Norland College, an dem traditionell Nannys für britische Adels- und Oberschichtfamilien ausgebildet werden. Für ihren Werdegang sei die Ausbildung allerdings nur zweitrangig gewesen. „Am meisten zählt in meiner Branche die Erfahrung und die Weiterempfehlung von Familien, mit denen man bereits gearbeitet hat“, erklärt Elisabeth.

Mittlerweile wird die 44-Jährige von mehreren europäischen Agenturen an reiche Familien in ganz Europa vermittelt. In der Welt der UHNW-Nannys gehört Diskretion zum Berufsalltag. Trotzdem gibt Elisabeth einen Einblick in die Art von Familien, für die sie arbeitet. „Es waren schon viele Schauspieler dabei, aber auch Adelige, Politiker oder Tech-Unternehmer“, erzählt sie.

Harter Nanny-Alltag: Volle Tage und Schichtmodell gehören dazu

Was Elisabeth als Nanny so einzigartig macht: Sie hat sich auf die Arbeit mit Neugeborenen und Kleinkindern bis drei Jahren spezialisiert. „Ich mag es einfach mehr, mit Babys und Kleinkindern zu arbeiten“, sagt Elisabeth. Oft werde sie schon vor der Geburt des Kindes gebucht. Wenn das Baby auf der Welt ist, beginnt ihr Einsatz, häufig arbeitet sie dann auch in der Nacht, damit die Eltern ausschlafen können. „Oft arbeite ich in einem Rotations-Modell. Das heißt, ich wohne bei der Familie, arbeite sieben Tage am Stück, dann bin ich sieben Tage zu Hause, und eine andere Nanny ist da“, erklärt sie.

Auch internationale Reisen gehören zu ihrem Job. Die Familien können jederzeit an einen anderen Ort fliegen – und die Nanny fliegt mit. Für Elisabeth bedeutet das, dass sie ihr eigenes Privatleben immer wieder den Anforderungen des Berufs unterordnen muss. „Man muss im Privatleben oft zurückstecken, wenn man diesen Job ausübt“, betont sie.

Zudem muss man als Luxus-Nanny auch mit außergewöhnlichen Wünschen klarkommen können. Gerade bei sehr wohlhabenden Familien hat Elisabeth nach eigenen Angaben schon einige ungewöhnliche Dinge erlebt. „Leute mit sehr viel Geld haben oft den Bezug zur Realität des Durchschnittsbürgers verloren und tun seltsame Dinge“, sagt sie. Eine Mutter habe beispielsweise einmal von ihr verlangt, dass sie die Nudeln für ihre Kinder ausschließlich mit Mineralwasser kocht. „Dabei durfte ich nur die Wassermarke verwenden, die der Familie gehört“, erzählt die 44-Jährige. Manchmal sei es schwer, den verschwenderischen Lebensstil zu ertragen. „Wenn ich zum Beispiel sehe, dass Lebensmittel weggeschmissen werden oder volle Windelpackungen, nur weil die Größe dem Kind nicht mehr passt“, sagt die Britin.

Gehalt als Luxus-Nanny: So viel verdient Elisabeth durchschnittlich im Jahr

Trotzdem arbeitet sie gerne als Nanny, nicht zuletzt auch wegen der Bezahlung. Nach ihren Angaben liegt ihr Grundgehalt bei etwa 75.000 Euro im Jahr. Hinzu kämen Vergütungen für Überstunden, Nachtschichten, Reisen und andere zusätzliche Termine. „Es ist ein gut bezahlter Job, man kommt viel rum und lernt interessante Leute kennen. Aber eine gewisse Opferbereitschaft ist wichtig, weil man oft wenig Privatleben hat“, so Elisabeth. Besonders schätzt sie zudem, dass sie Kinder in ihrer Frühentwicklung prägen kann. „Viele Familien stellen mich explizit deswegen ein, weil ich mit ihren Kindern Englisch sprechen soll. Wenn die Kleinen dann wirklich beginnen, englische Worte zu sagen, ist es ein schönes Gefühl“, sagt die 44-Jährige.

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Inzwischen lebt und arbeitet Elisabeth wieder in Paris. Wie lange sie noch als Nanny tätig sein möchte, weiß sie selbst nicht. „Ich denke nicht, dass ich den Job bis zur Rente machen werde. Aber so lange ich Spaß daran habe, mache ich das.“ Eines steht für sie allerdings fest: Eigene Kinder möchte sie nicht. Das hat auch mit ihrer Arbeit zu tun. „Ich weiß, wie anstrengend es sein kann, sich um Kinder zu kümmern. Ich verbringe gerne Zeit mit ihnen, aber als Nanny ist es meine Arbeit.“