Mitten in der Verwüstung gibt es in Kolumbien einen Moment der Hoffnung: Rettungskräfte haben in der schwer vom Erdbeben getroffenen Stadt Cali einen Vater und sein etwa zwei Monate altes Baby lebend aus den Trümmern eines eingestürzten Wohnhauses geborgen. Der Mann hatte sein Kind mit seinem eigenen Körper abgeschirmt, als das fünfstöckige Gebäude in sich zusammenbrach.

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Doch die Rettung der beiden ist nur ein Lichtblick in einer Katastrophe, deren Ausmaß noch immer nicht vollständig abzusehen ist. Zahlreiche Menschen werden nach dem Beben vermisst – darunter auch Angehörige der geretteten Familie.

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Erdbeben in Cali: Polizisten hören Baby unter den Trümmern weinen

Zwei Polizisten waren gerade in der Gegend unterwegs, als das Gebäude einstürzte. Wie der kolumbianische Sender Caracol berichtet, kletterten sie auf den Trümmerberg und begannen nach Verschütteten zu suchen. Dann hörten sie Geräusche. „Wir hörten Weinen und Stöhnen“, sagte der Polizist Ronald García dem Sender.

Zugleich habe es stark nach Gas gerochen. Das machte die Suche zusätzlich gefährlich, denn beschädigte Gasleitungen können nach einem Gebäudeeinsturz Brände oder Explosionen auslösen. García habe dennoch nicht gezögert. „Ich bin selbst Vater und habe eine vierjährige Tochter“, sagte er.

Gemeinsam mit seinem Kollegen begann García, die Trümmer beiseitezuräumen. Anwohner kamen hinzu und halfen bei der Suche. Schließlich drangen die Helfer zu dem verschütteten Vater vor. Noch halb unter den Trümmern begraben, hielt er seinen Sohn Salomón fest in den Armen. Nach García hatte der Mann nur eine Bitte: „Lasst mein Kind nicht sterben.“

Die Einsatzkräfte befreiten zunächst das Baby, anschließend dessen Vater. Beide wurden in ein Krankenhaus gebracht und operiert. Ihr Zustand sei inzwischen stabil, berichtet Caracol. Doch für die Familie ist die Rettung nur ein vorläufiges Glück. Die Mutter des Kindes und ihr Bruder werden weiterhin unter den Trümmern vermutet. „Möge Gott dafür sorgen, dass sie noch leben“, sagte García.

Erdbeben in Kolumbien: Mindestens 216 Menschen getötet

Das Erdbeben der Stärke 7,4 erschütterte am Montag den Westen Kolumbiens. Nach jüngsten Regierungsangaben kamen mindestens 216 Menschen ums Leben, mehr als 2500 wurden verletzt. Weil die Rettungsarbeiten noch andauern, weichen die Opferzahlen verschiedener Quellen teilweise voneinander ab. Allein in Cali wurden 95 Tote registriert, mehr als 180 Menschen gelten dort weiterhin als vermisst.

Das Epizentrum lag nahe der Gemeinde San José del Palmar im Departamento Chocó, einer strukturschwachen Region an der Pazifikküste. In mehreren Städten stürzten Wohn- und Bürogebäude ein, ganze Straßenzüge wurden verwüstet. Für die Rettungskräfte hat damit eine Suche begonnen, bei der die Zeit zunehmend zum Gegner wird.

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Denn je länger Menschen unter eingestürzten Gebäuden eingeschlossen sind, desto geringer sind im Allgemeinen ihre Überlebenschancen. Besonders wichtig sind die ersten Tage. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind vor allem die ersten 48 bis 72 Stunden nach einem Erdbeben entscheidend für die Rettungsarbeiten.

Eine starre Grenze sind diese 72 Stunden allerdings nicht. Verschüttete können unter günstigen Umständen auch deutlich länger überleben. Präsident Abelardo de la Espriella sprach von einer „heldenhaften Leistung“ der Einsatzkräfte und erklärte, es gebe weiterhin Grund zur Hoffnung.