Sydney im August: Wer nachts durch die Buschgebiete in den Außenbezirken der Millionenmetropole streift, stößt dort möglicherweise auf ein sonderbares Bild. Wissenschaftler und Studierende, die kleine Metallfallen mit Erdnussbutter-Ködern bestücken – nicht etwa, um Ratten loszuwerden, sondern um neue anzusiedeln.

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Was im ersten Moment absurd klingen mag, ist Teil eines der ehrgeizigsten Rewilding-Projekte Australiens: An der University of Sydney haben Forschende in den vergangenen Monaten im Twin Creeks Reserve bei Turramurra und im Allenby Park bei Beacon Hill, beides Stadtteile im Norden Sydneys, rund 100 einheimische Buschratten freigelassen. Ihre Konkurrenten aus Europa, die Hausratten, sollen dadurch im Stadtwald Schritt für Schritt verdrängt werden.
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Die Hausratte gilt nahezu weltweit als eines der erfolgreichsten invasiven Säugetiere überhaupt. In den Buschgebieten Sydneys frisst sie Vogeleier, Lurche und Insekten, überträgt Krankheiten und gefährdet die lokale Artenvielfalt. Ihre einheimische Konkurrentin dagegen ist nicht annähernd so breit gefächert im Speiseplan: Die Buschratte (Rattus fuscipes) ernährt sich bevorzugt von Pilzen, Samen und Früchten. Auf Dharug, der Sprache der lokalen indigenen Bevölkerung aus dem Großraum Sydney, ist sie unter dem Namen „Bogul“ bekannt.

Ein interessantes Phänomen ist: Wo Buschratten ein Revier besiedeln, ziehen sich Hausratten zurück. Dies hat das Team der Universität in früheren Tests im North Head Reserve, gut elf Kilometer von der Innenstadt Sydneys entfernt, bereits eindrucksvoll nachgewiesen: Dort wurden zwischen 2014 und 2016 insgesamt rund 170 Buschratten ausgewildert, während parallel die einheimischen Artgenossen eingefangen wurden. Der Effekt war verblüffend: 2019 zählten die Forscherinnen und Forscher dort noch 112 invasive Ratten, ein Jahr später waren es nur noch 29, im Jahr darauf nur noch neun.
Zurück zur eigenen Kultur
Projektleiterin Mareshell Wauchope, Doktorandin an der University of Sydney, sieht in den Nagern weitaus mehr als nur Schädlingsbekämpfer. „Buschratten sind Tiere, die normalerweise keine Schlagzeilen machen“, wird sie in einer Mitteilung der Universität zitiert, „dabei gehören sie zu den fleißigsten Arbeitern im Busch“. Denn neben der Verdrängung ihrer invasiven Konkurrenz verbreiten Buschratten Samen, Pilzsporen und Pollen, halten die Vegetation gesund und gehören zu den ersten Nagetieren weltweit, denen man nachweisen konnte, dass sie auch Bestäuber sind.
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Kampf um die Vorherrschaft: Von Natur aus keine der beiden Arten dominanter
Dass es Buschratten tatsächlich mit den größeren und robusteren Hausratten aufnehmen können, war übrigens lange nicht selbstverständlich. Erst Experimente des Zoologen Peter Banks und seiner Kollegin Vicki Stokes widerlegten das alte Klischee, wonach einheimische Arten ihren Eindringlingen aus Übersee naturgemäß unterlegen sind. Die Forscher paarten beide Arten in einem Experiment in einer Art Kampfarena zusammen und stellten fest, dass keine der beiden Arten von Natur aus dominanter ist.

Entscheidend für den Ausgang war dagegen, wer zuerst vor Ort war. In 88 Prozent der Fälle gewann jenes Tier, das bereits im Käfig saß, als schließlich das andere nachträglich dazu gesetzt wurde, wie der „Sydney Morning Herald“ vor Kurzem in einem Artikel über die Studie berichtete. Dazu passte eine weitere Beobachtung: Wenn Hausratten aus Küstenwaldgebieten entfernt wurden, eroberten Buschratten das Revier zurück.
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Tierische Schädlingsbekämpfer: Buschratte nicht einzige Waffe gegen Hausratte
Diese Erkenntnisse beeinflussen bis heute das Vorgehen der Forscher. Anders als bei früheren Auswilderungen haben die Wissenschaftler das aktuelle Projekt deshalb gezielt als Verhaltensexperiment angelegt: In beiden Arealen testen sie nun unter anderem, ob den Tieren vertraute Duftmarken helfen, in der Nähe ihres Ausgangspunkts zu bleiben.
Zudem wollen sie herausfinden, ob es die Überlebenschancen steigert, wenn sozial vertraute Gruppen gemeinsam ausgewildert werden und diese zusätzlich Unterschlupf sowie Futterspender erhalten. Alle Tiere wurden zudem mit einem Mikrochip versehen, markiert und per Lebendfalle, Kamerafalle und Radiotelemetrie überwacht.
Meeresbiologie
Bei ihren Forschungsarbeiten haben die Forschenden zudem entdeckt, dass die Buschratten nicht die einzigen einheimischen „Kampftruppen“ gegen die eingeschleppten Hausratten sind. So zeigte eine Aufnahme beispielsweise eine stattliche, etwa ein Kilogramm schwere einheimische Wasserratte (Rakali), wie sie aus dem Gebüsch sprang, um eine der invasiven europäischen Ratten zu überfallen. Auch der Schnabeligel, Federgleitbeutler sowie Pinselschwanz- und Breitfuß-Beutelmäuse treten ähnlich wie die Busch- und Wasserratten als natürliche Schädlingsbekämpfer auf und sorgen für Gleichgewicht im Ökosystem.












