Rund eineinhalb Jahre nach dem Start ist ein Teil einer SpaceX-Rakete unkontrolliert auf dem Mond eingeschlagen. Wissenschaftler hatten den Aufprall für Mittwochmorgen deutscher Zeit berechnet. Bei dem Raketenteil handelt es sich um die Oberstufe einer „Falcon 9“ des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk. Das Unternehmen selbst wollte den Vorfall bislang noch nicht bestätigen. Nun zeigen Aufnahmen das Ausmaß des Aufpralls.

SpaceX-Rakete: Hinweise auf Lithium nach Mondaufprall

Das Ergebnis des Zwischenfalls ist enorm: Das vier Tonnen schwere und zwölf Meter lange Teil traf den Mond Berichten zufolge mit einer Geschwindigkeit von 8700 Kilometern pro Stunde. Dabei entstand ein Krater mit einem Durchmesser von bis zu 30 Metern.

Astronomen der Europäischen Südsternwarte (ESO) haben Belege für den Aufprall der Rakenstücke festgestellt. Mithilfe des „Very Large Telescope“ wurden während einer rund fünf bis zehn Minuten andauernden Beobachtung in der Aufprallwolke Spektrallinien von Lithiumgas erkannt, teilte ESO Astronomy auf Facebook mit. Das Lithium könne von der Rakete kommen, hieß es.

Diese Bildkombo der NASA und des Korea Aerospace Research Institute zeigt einen Bereich der Mondoberfläche vor (l) dem 1. Oktober 2015 und nach (r) Mittwoch, dem 5. August 2026, als ein Raketenteil von SpaceX mit dem Mond kollidierte.
Diese Bildkombo der NASA und des Korea Aerospace Research Institute zeigt einen Bereich der Mondoberfläche vor (l.) dem 1. Oktober 2015 und nach (r.) Mittwoch, dem 5. August 2026, als ein Raketenteil von SpaceX mit dem Mond kollidierte.© Uncredited/NASA/Korea Aerospace Research Institute/dpa | Uncredited

Schon vorab hatten SpaceX, die US-Raumfahrtbehörde Nasa und Wissenschaftler wie der US-Astronom Bill Gray vorhergesagt, dass eine Live-Beobachtung des Einschlags wahrscheinlich schwierig werden könnte. Anschließend könne es Stunden oder sogar Tage dauern, bis ein möglicher Aufschlag bestätigt werden könne, da dies dann nur beispielsweise mithilfe von Sonden möglich wäre, die Fotos von einem möglicherweise entstandenen Krater zur Erde schicken würden. In ein paar Tagen soll etwa die Nasa-Sonde „Lunar Reconnaissance Orbiter“ über die erwartete Einschlagstelle fliegen.

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Spektrallinien sind eine Art Fingerabdruck eines chemischen Elements. Astronomen können mithilfe der eindeutigen Profile chemische Elemente auch im kosmischen Raum bestimmen – in diesem Falle Lithium und Natrium in der durch das Teleskop beobachteten Aufprallwolke. „Das Natrium stammte wahrscheinlich aus dem Mondboden, während das Lithium von der Rakete selbst stammen könnte“, hieß es von der ESO. Das Forschungsteam werde weitere Details nach einer vollständigen Analyse bekanntgeben. 

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Vor rund vier Jahren war erstmals eine ungeplante Kollision eines Raketenteils mit dem Mond bekannt geworden. Nasa-Wissenschaftler gingen aufgrund von Bildern der Sonde „Lunar Reconnaissance Orbiter“ damals davon aus, dass es sich um einen Teil einer alten chinesischen Rakete handelte, wahrscheinlich der Trägerrakete der „Chang'e 5-T1“-Mission, die 2014 von der Erde aus ins All geschossen worden war. China hatte diese Berichte jedoch zurückgewiesen. Geplante Einschläge zu Forschungszwecken hat es in der Vergangenheit auf dem Mond schon mehrfach gegeben.

dpa/jcst