Nach der mutmaßlichen Amoktat am Welfen-Gymnasium im oberbayerischen Schongau geht dort am (heutigen) Donnerstag die Schule weiter. Zur Tagesordnung übergehen wolle man aber nicht, sagte ein Sprecher des zuständigen Landratsamtes. Kriseninterventionsteams sollen für Gespräche vor Ort sein und den Schülern und Lehrern helfen, um das zu verarbeiten, was am Mittwoch an ihrer Schule geschehen ist. 

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Einige der Schüler erlebten hautnah, wie ein ehemaliger Mitschüler das Schulgelände betrat, laut Polizei einen Schuss aus einer Pistole abgab und dann, als die Waffe versagte, mit einem Messer auf zwei 13-Jährige losging. Die Schülerinnen wurden dabei so schwer verletzt, dass eine von ihnen mit einem Rettungshubschrauber in die Klinik geflogen werden musste. Inzwischen sind beide außer Lebensgefahr. 

Doch das Geschehene dürfte nachwirken in dem 12.000-Einwohner-Ort und vor allem in der Schule mit ihren 800 Schülerinnen und Schülern und 80 Lehrkräften. 

Lehrkräfte waren es auch, die die Polizei dabei unterstützten, den mutmaßlichen Täter zu überwältigen. Dabei handelt es sich um einen 16-Jährigen, der laut Polizei wegen psychischer Probleme in Behandlung war und schon vorher Drohungen ausgesprochen haben soll. Er sei nach dem Vorfall auf der Flucht festgenommen worden, teilte die Polizei mit.

Wie er an die Schusswaffe kam und was ihn zu der Tat bewegt haben könnte, sind Fragen, die noch zu klären sind. Ebenso, wie es den Schülern und Lehrern geht, die nach der Tat unter Schock standen und betreut werden mussten. Der Jugendliche soll sich in einer „psychischen Ausnahmesituation“ befunden haben.

Festnahme und Verletzte an Gymnasium in Schongau
Das Unterstützungskommando (USK), spezialisierte Kräfte der bayerischen Polizei, auf dem Gelände des Welfen-Gymnasiums. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa | Karl-Josef Hildenbrand

Mutmaßlicher Täter in Untersuchungshaft

Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) ist der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft. „Die Ermittlungen laufen, der Täter ist in Untersuchungshaft, die entsprechenden Verfahren finden statt“, sagte Dobrindt am Abend in Schongau. Man gehe von einer Amoktat aus, sagte er. „Wir gehen weiter davon aus, dass es sich um eine psychische Ausnahmesituation gehandelt hat.“ Bei dem 16-jährigen Tatverdächtigen soll es sich um einen ehemaligen Schüler des Gymnasiums handeln. „Die beiden Opfer, die schwerstverletzten Mädchen, sind nach unserer Einschätzung zufällige Opfer, die in dem Moment in seine Schreckensbahn gekommen sind“, sagte Dobrindt.

Waffe versagte nach einem Schuss

„Der Täter hat sich dem Gymnasium mit einer Schusswaffe genähert, hat einen Schuss abgegeben, der niemanden verletzt hat“, sagte Dobrindt – die Stadt liegt in seinem Bundestagswahlkreis. „Anschließend hat die Schusswaffe versagt, sodass keine weiteren Schüsse abgegeben werden konnten.“ Dann habe der Täter ein Messer gezogen.

Mutmaßlicher Täter war schon in psychiatrischer Behandlung

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dem Bayerischen Rundfunk (BR): „Ich bin entsetzt ob dieses schrecklichen Amoklaufs.“ Er sei aber froh, dass es nach derzeitigem Kenntnisstand keine Toten gäbe. Seines Wissens nach seien zwei Schülerinnen durch Messerstiche des Täters verletzt worden. Er widersprach Gerüchten, laut denen es sich um zwei Täter handeln könnte. Laut Herrmann war der 16-Jährige in der Vergangenheit in psychiatrischer Behandlung.

Festnahme und Verletzte an Gymnasium in Schongau
Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdiensten stehen vor dem Welfen-Gymnasium© Lennart Preiss/dpa | Lennart Preiss

Möglicherweise sei der 16-Jährige in der Vergangenheit schon durch Drohungen aufgefallen, sagte Herrmann am Rande einer Veranstaltung der CSU-Fraktion am Chiemsee weiter. Auch das müsse nun sorgfältig recherchiert werden. Nach Angaben Herrmanns hat der 16-Jährige die kroatische Staatsbürgerschaft und wohnte zuletzt bei seinen Eltern.

Festnahme und Verletzte an Gymnasium in Schongau
Einsatzfahrzeuge von Polizei und Rettungsdienst stehen vor dem Welfen-Gymnasium im oberbayerischen Schongau.© Christoph Peters/Münchner Merkur/tz/dpa | Christoph Peters

Laut der ADAC-Luftrettung waren wegen der möglichen Amoklage an dem Gymnasium mehrere Rettungshubschrauber im Einsatz. Insgesamt sechs Hubschrauber seien beteiligt gewesen, vier davon von der ADAC-Luftrettung, sagte ein Sprecher. Einer der vier Helikopter sei zur Versorgung von Verletzten genutzt worden.

Bayerns Ministerpräsident Söder: „Heilung der Seelen wird lange dauern“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat nach dem Vorfall an der Schule von einer Amoktat gesprochen. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Verletzten der Amoktat von Schongau“, sagte Söder und betonte: „Solch eine schreckliche Tat reißt nicht nur sichtbare, sondern auch viele unsichtbare Wunden. Die Heilung der Seelen wird lange dauern.“

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Der Ministerpräsident fügte hinzu: „Wir stehen in diesen schweren Stunden alle zusammen. Die Schulfamilie und Angehörigen brauchen jetzt Zeit, Kraft und Zuspruch, um die Ereignisse zu verarbeiten.“ Söder dankte „allen, die jetzt Hilfe leisten und füreinander da sind“. Er dankte der Polizei und allen Rettungsorganisationen für ein schnelles und entschlossenes Eingreifen. „Dieses Miteinander, gerade in Notsituationen, zeichnet unser Land aus.“

Welfen-Gymnasium Schongau: Rund 800 Schüler und 80 Lehrkräfte

Schongau ist eine Kleinstadt am Ufer des Lechs im westlichen Oberbayern mit mehr als 12.000 Einwohnern. Für Angehörige und Eltern von Schülerinnen und Schülern wurde eine Anlaufstelle am Feuerwehrhaus eingerichtet. Das Welfen-Gymnasium liegt nur wenige Hundert Meter von Altstadt und Lech entfernt. Laut Internetseite werden dort etwa 800 Schüler von mehr als 80 Lehrkräften unterrichtet. In direkter Nachbarschaft gibt es auch eine Grund-, Mittel- und Realschule.

In Bayern laufen die letzten Wochen des Schuljahres. Abiturienten haben bereits vor knapp zwei Wochen, am 26. Juni, ihre Zeugnisse erhalten, bei den restlichen Schülern steht dies am 31. Juli an.

dpa/jle/tok