Es sind durchaus unappetitliche Dinge, die am ersten Prozesstag um einen der größten Lebensmittelskandale in der Geschichte der Bundesrepublik im Landgericht Kassel zur Sprache kommen. Es geht um die mutmaßlichen Machenschaften der Firma Wilke-Wurstwaren im nordhessischen Twistetal-Berndorf vor fast sieben Jahren. Die Vertreterinnen der Staatsanwaltschaft Kassel nennen in ihrer Anklageschrift, die sie mehr als 40 Minuten lang verlesen, beispielsweise: mit Salmonellen kontaminierte Pizza-Salami, Cervelatwurst mit grauem Rand, deren Scheiben nur noch zusammenklebten, Zungenwurst und Salami mit Schimmelbefall oder „Delikatess-Lachsschinken“, Putenspargelpastete und „frische Zwiebelmettwurst“, die mit Listerien verseucht gewesen sein sollen.

Wurstwaren, so die Staatsanwaltschaft, deren Mindesthaltbarkeitsdaten zum Teil deutlich überschritten und nicht mehr zum Verzehr geeignet gewesen sein sollen. Produkte, die trotzdem noch vertrieben worden sein sollen; hergestellt in einem „Betrieb mit katastrophalen hygienischen Bedingungen“ und schweren baulichen Mängeln – geradezu prädestiniert zur Vermehrung und Verbreitung von Listerien, die sich bei Menschen mit angeschlagenem Immunsystem lebensgefährlich auswirken können.

Mit frischem Mindesthaltbarkeitsdatum versehen

Mehr noch: Laut Staatsanwaltschaft Kassel soll bei Wilke-Wurstwaren auch „überlagerte und verdorbene Ware aufgearbeitet und mit einem frischen Mindesthaltbarkeitsdatum versehen“ worden sein. Die Wilke-Spitze habe dabei „eine Vielzahl an Infektionen und Gesundheitsschäden von Endkonsumenten billigend in Kauf genommen“.