Lange Zeit galt Australien als die letzte große Zuflucht vor der verheerenden H5-Variante der Vogelgrippe. Diese Hoffnung hat sich nun zerschlagen. Eine Ausbreitung des Virus könnte katastrophale Auswirkungen für die einzigartige Tierwelt des Kontinents haben.

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Ein brauner Skua war es, der die beunruhigende Nachricht mit sich brachte. Der Seevogel wurde leblos an einem einsamen Strand im Cape-Le-Grand-Nationalpark unweit von Esperance in Westaustralien gefunden – etwa 700 Kilometer südöstlich von Perth. Die Untersuchungen erbrachten Gewissheit: Das Tier war Träger des H5-Stamms der aviären Influenza. Damit hat sich das Virus, das bereits weltweit Millionen Vögel befallen hat, zu jedem Erdteil vorgearbeitet.
Ein weiterer Seevogel wurde wenige Tage darauf ebenfalls erschöpft an einem Strand bei Esperance aufgegriffen und verendete bald darauf. Auch bei diesem Exemplar bestätigten Tests die Vogelgrippe, wie die Bundeslandwirtschaftsministerin Julie Collins am Wochenende in einer Pressekonferenz bekannt gab. Gegenwärtig gebe es aber keine Belege für ein Massensterben, und auch keine Anhaltspunkte für eine Ansteckung in Geflügelbeständen, sagte die Ministerin. Australiens Oberste Veterinärin Beth Cookson betonte zudem, man habe sich „lange und gewissenhaft auf genau diesen Fall vorbereitet“. Dennoch zeigen sich Experten besorgt.
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Überraschend kam die Entdeckung auf dem Festland allerdings nicht. Bereits im Oktober des Vorjahres war der H5-Stamm auf Heard Island sowie den McDonald-Inseln identifiziert worden – entlegenen australischen Außengebieten im Südlichen Ozean, rund 4000 Kilometer südwestlich des Festlands. Was die Forscherinnen und Forscher dort entdeckten, war verstörend. Eine Expedition des Australischen Antarktisprogramms dokumentierte Hunderte verendete Südliche Seeelefantenwelpen.
Gefahr einer Vogelgrippe-Pandemie?
Eine zweite Expedition im Januar offenbarte ein noch schlimmeres Ergebnis: Mehr als 13.000 Robbenwelpen – über drei Viertel der in dieser Saison geborenen Jungtiere – fielen der Seuche zum Opfer. In einzelnen Robbenkolonien lag die Todesquote bei bis zu 97 Prozent der Welpen. Die Befunde wurden bei „BioRxiv“ publiziert, allerdings steht eine Begutachtung durch Fachleute noch aus.
Neben Seeelefanten zeigten auch Königspinguine, Eselspinguine, Antarktische Pelzrobben sowie ein Brauner Skua und ein Südgeorgien-Tauchsturmvogel positive Nachweise. Erhöhte Sterblichkeitsraten wurden auch bei Königs- und Eselspinguinen verzeichnet. Ein echtes Massensterben trat allerdings nur bei den Seeelefanten auf, einer Spezies, die die Rote Liste der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) vor Kurzem erst als „gefährdet“ eingestuft hat.
Vogelgrippe in Australien besorgt Forscher: „Möglicherweise verhängnisvoll“
Die Australian Marine Conservation Society sprach von „verheerenden Nachrichten“: Diese subantarktische australische Insel biete mehr als einer Million Robben und Seevögeln Brut- und Lebensraum. Nun sei sie „zum jüngsten Schauplatz der globalen Vogelgrippe-Epidemie geworden, die weltweit bereits verheerende Verluste unter Seevögeln und Meeressäugern verursacht hat“. Ähnlich besorgt zeigte sich BirdLife Australia: Bereits eine von sechs australischen Vogelarten sei vom Aussterben bedroht, viele Populationen stünden schon unter Druck durch Lebensraumverlust, Klimawandel und andere menschliche Einflüsse. Das Auftreten der H5-Vogelgrippe stelle „eine ernsthafte neue Herausforderung“ dar, warnten die Tierschützer.

Die Wissenschaftler, die die Situation auf Heard Island untersuchten, vermuten, dass das Virus durch befallene Wildtiere von den etwa 1700 Kilometer entfernten Crozet-Inseln zu Heard Island gelangte. Falls sich die Ausbreitung in der subantarktischen Region fortsetzt – etwa auf Australiens Macquarie Island –, könnten die Konsequenzen nach Ansicht der Experten „möglicherweise verhängnisvoll“ ausfallen, schrieben sie in ihrem Bericht. Große, dicht beieinander liegende Brut- und Mauseransammlungen von bereits gefährdeten Arten wie Albatrossen, Pinguinen, Seeelefanten und Pelzrobben böten ideale Bedingungen für eine rapide Ausbreitung des Erregers.
Hinzu kommt, dass sich das Meereswasser im Südosten Australiens deutlich schneller als im globalen Mittel aufheizt, und dass Hitzewellen im Meer, Starkregen sowie Unwetter sowohl zahlreicher als auch kräftiger auftreten. Robben und Seevögel, die zum Brüten an Land angewiesen sind, trifft dies besonders hart, noch ehe die Vogelgrippe hinzukommt.
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Dass der Ausbruch das australische Festland nicht gänzlich unvorbereitet trifft, ist jahrelangen Vorkehrungen zu verdanken. Australien hat lange vor Bekanntwerden des ersten Falls 113 Millionen Dollar (69 Millionen Euro) für Biosicherheit, Umweltschutz und Gesundheitsmaßnahmen zur Verfügung gestellt – und zuletzt im Mai nochmals weitere 11,2 Millionen Dollar (fast 7 Millionen Euro) aufgebracht.
Westaustraliens Oberste Veterinärin Michelle Rodan erläuterte in einer Pressekonferenz, höchste Priorität habe nun die Überwachung der gesamten australischen Küstenlinie sowie der Schutz der Geflügelwirtschaft. Für die Branche ist dies ein weiterer Rückschlag. Erst kürzlich hatte sie die schwerste H7-Vogelgrippe-Welle ihrer Geschichte bewältigt: Über zwei Millionen Hennen wurden getötet, die Eierregale der Supermärkte blieben über Monate weitgehend leer.









