Es gab viele Momente, in denen Leon* nicht mehr daran geglaubt hat, dass er es aus der Welt von Drogen und Obdachlosigkeit noch einmal herausschaffen wird. Da war etwa diese Nacht im Jahr 2011, als er für eine Nacht ins Obdachlosenheim ging. In seinem Zimmer stand nichts außer einem Bett, die Tür ließ sich nicht schließen. Und während im Flur die anderen Männer lärmend an seinem Zimmer vorbeigingen, ließ bei Leon die Wirkung der Drogen nach. „Ich lag da und dachte: Jetzt bist du 26 und hast nichts, nicht mal einen Schlüssel. Nur die Kleidung, die du gerade anhast.“ Ein Gedanke, den er nicht aushalten konnte. „Ich bin wieder los und habe weitergemacht“, sagt er. Sich dem Leben ohne Drogen zu stellen, dazu war er nicht bereit.

Bereits damals hatte er eine lange Drogenkarriere hinter sich. Schon als Zwölfjähriger konsumierte er in einem sächsischen Jugendclub. Er begann mit Cannabis und Alkohol, nahm in den Folgejahren vor allem synthetische Drogen wie Crystal Meth. „17 Jahre ging es bergab“, sagt Leon. Er verlor den Führerschein, flog zu Hause raus, lebte drei Jahre auf der Straße. Für die Drogen brach er in Häuser ein und stahl. Viermal saß er in Haft, das längste Mal für neun Monate.

Im Diakonie-Krankenhaus in Elbingerode gelang ihm der Absprung

Auf Haftstrafen folgten Bewährungsbrüche. „Weil ich es nicht gebacken bekommen habe.“ Und weil das Umfeld nach der Haft dasselbe blieb. Den Absprung schaffte er erst, als sich genau das änderte. Der Grund: eine weitere Verurteilung. Ein Jahr und acht Monate Haft oder eine Entgiftung mit anschließender Therapie – das waren die Optionen, vor denen er damals, im Jahr 2014, stand. Er entschied sich für Letzteres, obwohl er vom Erfolg nicht überzeugt war. „Ich habe gedacht, du machst die Therapie – und dann kannst du wieder zurück.“ Doch es kam anders.